Die Nachfrage nach beruflicher Weiterbildung in Deutschland ist hoch, doch viele Menschen sind sich über die verfügbaren staatlichen Förderungen im Unklaren. Eine Studie, gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung und durchgeführt von der Justus-Liebig-Universität Gießen, hat aufgezeigt, dass 75 Prozent der Befragten sich schlecht informiert fühlen, wenn es um staatliche Förderungen geht. Diese Erkenntnisse stammen aus einer Umfrage, an der 3.122 Personen zwischen 18 und 67 Jahren teilnahmen. Trotz der hohen Zustimmungswerte zu den Vorteilen von Weiterbildungen zeigt sich eine große Informationslücke bezüglich der Bildungszeitgesetze und der Fördermöglichkeiten. Rund zwei Drittel der Befragten sind mit den Bildungszeitgesetzen nicht vertraut, obwohl 14 von 16 Bundesländern diese eingeführt haben. Nur Bayern und Sachsen bilden hier eine Ausnahme.
Das Bildungszeitgesetz gewährt einen Anspruch auf bezahlte Freistellung für anerkannte Weiterbildungsmaßnahmen, in der Regel fünf Tage pro Jahr oder zehn Tage innerhalb von zwei Jahren. Besonders Frauen und ältere Menschen sowie Personen mit Migrationshintergrund zeigen eine positive Einstellung zur Weiterbildung und wünschen sich Unterstützung durch Arbeitgeber und den Staat. Die Bundesagentur für Arbeit bietet verschiedene Förderungen an, die bis zu 100 Prozent der Weiterbildungskosten abdecken können. Unternehmen haben zudem die Möglichkeit, Sammelanträge für mehrere Beschäftigte zu stellen. Um die Chancen der Weiterbildung besser zu nutzen, ist es notwendig, Informationen über diese Fördermöglichkeiten sowohl in Unternehmen als auch bei den Beschäftigten zu verbreiten.
Fördermöglichkeiten und deren Nutzung
Die Agentur für Arbeit fördert berufliche Weiterbildungen nicht nur für Arbeitslose, sondern auch für Beschäftigte im Rahmen eines bestehenden Arbeitsverhältnisses. Ab dem 01.01.2025 wird zudem eine Förderung für Jobcenter-Kundinnen und -Kunden eingeführt. Hierbei können Bildungsgutscheine genutzt werden, die eine Übernahme bestimmter Kosten garantieren. Auch das Weiterbildungsgeld und die Weiterbildungsprämie stehen zur Verfügung, sofern die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind. Diese Förderungen sind von der Zustimmung des Unternehmens abhängig und bieten eine wertvolle Unterstützung für Arbeitnehmer, die sich in Zeiten des Strukturwandels weiterqualifizieren möchten.
Besonders hervorzuheben ist, dass die Förderung auch während des Bezugs von Transferkurzarbeitergeld möglich ist, wenn der Betrieb sich an den Lehrgangskosten beteiligt. Die Höhe der Kostenbeteiligung variiert je nach Betriebsgröße. Geringqualifizierte Beschäftigte können sogar vollständige Erstattungen der Lehrgangskosten sowie Zuschüsse zum Arbeitsentgelt erhalten. Die Bundesagentur für Arbeit unterstützt damit nicht nur die individuelle Weiterbildung, sondern auch die betriebliche Weiterbildung, die für die Anpassung an die Anforderungen des Arbeitsmarktes von entscheidender Bedeutung ist.
Die Rolle der Arbeitgeber und staatliche Unterstützung
Die Digitalisierung und der Wandel in verschiedenen Branchen stellen neue Herausforderungen für die berufliche Weiterbildung dar. Die Verantwortung für die betriebliche Weiterbildung liegt primär bei den Arbeitgebern. Dennoch sind die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen der Agentur für Arbeit entscheidend, um Arbeitnehmer und Betriebe zu unterstützen. Die Förderung richtet sich insbesondere an Beschäftigte ohne oder mit nicht mehr verwertbarem Berufsabschluss, die ein höheres Risiko für Arbeitslosigkeit haben. Ein Rechtsanspruch auf Förderung besteht für Arbeitnehmer ohne Berufsabschluss zur nachträglichen Erwerbung eines solchen. Auch das Nachholen von Schulabschlüssen wird unterstützt, wenn die Voraussetzungen gegeben sind.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Möglichkeiten zur Weiterbildung und deren finanzielle Unterstützung vielversprechend sind, jedoch oft nicht ausreichend bekannt. Eine verstärkte Aufklärung über diese Programme könnte dazu beitragen, die Weiterbildungschancen für viele Berufstätige in Deutschland zu erhöhen und sie besser auf die Anforderungen des modernen Arbeitsmarktes vorzubereiten. Weitere Informationen und Beratung zu Fördermöglichkeiten sind auf der Webseite der Bundesagentur für Arbeit sowie auf den entsprechenden Informationsseiten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zu finden. Für detaillierte Informationen zur Weiterbildung und deren Finanzierung verweisen wir auf die Quelle der Haufe, die Agentur für Arbeit und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.