Ein bedeutendes Gedenken an die jüdische Geschichte Gießens nimmt Formen an. Im Innenhof der Synagoge der Jüdischen Gemeinde im Burggraben wird eine Erinnerungsbank aufgestellt, die Teil eines großangelegten Projekts ist, um an das jüdische Leben in der Stadt zu erinnern und zu informieren. Das ist nicht nur ein Zeichen der Erinnerung, sondern auch ein Schritt, das Bewusstsein für die geschichtlichen Verstrickungen zu fördern. Wie giessener-allgemeine.de berichtet, werden in Gießen insgesamt zehn mobile Gedenkbänke an verschiedenen historischen Orten aufgestellt. Diese bieten Besuchern die Möglichkeit, sich mit der jüdischen Stadtgeschichte auseinanderzusetzen.

Doch was genau ist der Plan? Die Bänke werden an wichtigen Stellen aufgestellt, darunter die ehemalige Stelle der zweite Gießener Synagoge in der Steinstraße, das Jüdische Gräberfeld am Alten Friedhof und der Wohnort des Rabbiners David Sander in der Landgrafenstraße. Ziel ist es, nicht nur die Verbrechen der Nationalsozialisten zu thematisieren, sondern auch das reichhaltige jüdische Leben und Kulturerbe Gießens hervorzuheben.

Der Gedenkort an der Synagoge

Der zentrale Gedenkort wird an dem historischen Standort errichtet, wo 1938 die Synagoge durch die Nationalsozialisten zerstört wurde. an diesem Ort wurden 2022 Grundmauern gefunden. Diese grundlegende Entdeckung hat dazu geführt, dass das Stadtparlament im Dezember 2023 die Konservierung der Mauern beschlossen hat. Ein Arbeitsgruppe arbeitet derzeit an der Ausarbeitung des Gedenkorts, der nicht nur Bänke, sondern auch Sitzreihen und Flächen für Veranstaltungen umfassen wird. Die geschätzten Kosten für diesen Erinnerungsort betragen rund 660.000 Euro. Stadtarchivar Pöpken gibt an, dass die Fertigstellung im Jahr 2026 jedoch unrealistisch ist.

Zusätzlich wird die Gedenkveranstaltung des Magistrats am 9. November am neuen Gedenkort stattfinden. Hier wird die Arbeit an diesem Erinnerungsprojekt gewürdigt und die Geschichte lebendig gehalten. Die Bänke selbst werden mit QR-Codes versehen, die auf interessante Informationen über den jeweiligen Standort verweisen. Sie tragen die prägnante Inschrift „Erinnere dich!“ in hebräischen Schriftzeichen, was die kulturelle Verbindung unterstreicht.

Mobilität als Konzept

Die zehn mobilen Gedenkbänke werden an verschiedenen Standorten aufgestellt, wobei einige ursprünglich für den Marktplatz vorgesehen waren. Nun wird die zehnte Bank im Kundenzentrum der Stadtwerke platziert. Hier die Standorte im Überblick:

Standort
Platz der zweiten Gießener Synagoge in der Steinstraße
Ricarda-Huch-Schule (ehemalige Mädchenschule)
Goetheschule (Sammelstelle vor Deportation)
Jüdisches Gräberfeld am Alten Friedhof
Wohnort des Rabbiners David Sander in der Landgrafenstraße
Fröbelseminar in der Gartenstraße (Hedwig Burgheim)
Universitätshauptgebäude in der Ludwigstraße
Ehemaliges Bankhaus Herz in der Neuen Bäue
Ehemaliger Güterbahnhof (letzte Deportation 1942)

Parallel zu diesen Entwicklungen wird es auch Bildungseinheiten für Lehrkräfte geben. Am 24. März 2025 wird in der Lehrkräfteakademie Gießen eine Fortbildung angeboten, die sich mit der Aufarbeitung der DDR-Geschichte und dem Notaufnahmelager beschäftigt. Hierbei werden verschiedene Workshops angeboten, die sowohl die pädagogische Anwendbarkeit als auch die Anknüpfung an den Unterricht fördern sollen. Informationen hierzu sind über den Veranstaltungskatalog der Lehrkräfteakademie erhältlich, wie auf hlz.hessen.de zu lesen ist.

In einer Zeit, in der das Bewusstsein für unsere Geschichte und deren Lehren gefördert werden müssen, bietet dieses Projekt eine wertvolle Möglichkeit, an Erinnerungen festzuhalten und zur Auseinandersetzung zu ermutigen. Hier wird nicht nur die Vergangenheit gewürdigt, sondern auch eine Plattform für das Lernen und Verstehen gegen das Vergessen geschaffen.