In Gießen geht es rund am 6. März 2026! An diesem Freitag, nur zwei Tage vor dem Internationalen feministischen Kampftag, wird die „Purple Ride“ Fahrrad-Demo stattfinden. Veranstaltet von ALLrad, Adinet Mittelhessen, dem Frauenhaus, der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt des SkF e.V. Gießen und dem Büro für Frauen und Gleichberechtigung der Stadt Gießen, hat die Veranstaltung das Ziel, auf die Ungleichbehandlung der Geschlechter im öffentlichen Raum aufmerksam zu machen. Startpunkt ist der Kirchenplatz in Gießen um 16:00 Uhr.

Doch warum ist das so wichtig? Die Verkehrspolitik ist nach wie vor stark männlich geprägt, wie giessener-zeitung.de anmerkt. Frauen tragen in der Gesellschaft große Verantwortung für unbezahlte Care-Arbeit, wie Kinderbetreuung und Pflege, und das beeinflusst ihr Mobilitätsverhalten. Im Vergleich zu Männern, die häufig Autos nutzen, setzen Frauen verstärkt auf Zufußgehen, den öffentlichen Verkehr oder das Fahrrad. Diese unterschiedlichen Bedürfnisse und Verhaltensweisen müssen in der Verkehrsplanung dringend berücksichtigt werden.

Feministische Verkehrspolitik im Fokus

Die Initiative hinter der Purple Ride Demo kritisiert, dass die Verkehrsplanung oft die Mobilitätsbedürfnisse eines männlichen, vollzeiterwerbstätigen Modells im Blick hat, während andere Bedürfnisse außer Acht gelassen werden. Dies ist besonders relevant, da Frauen im Schnitt 77 Minuten mehr Zeit für unbezahlte Sorgearbeit aufwenden als Männer – ein Gender Care Gap von 43,8%. Diese Diskrepanz zeigt sich auch in den komplexen Mobilitätsmustern von Frauen, die häufig mehrere Stopps in ihren Wegen haben, während Männer meist linearere Arbeitswege haben (vcd.org.

Ein zentrales Anliegen der Demo ist es, für geschlechtergerechte Verkehrsplanung zu kämpfen, die alle Aspekte der Mobilität berücksichtigt – von Barrierefreiheit bis hin zu gut beleuchteten Wegen. In vielen ländlichen Bereichen sind Frauen oft auf das Auto angewiesen, da öffentliche Verkehrsanbindungen nicht mit den nötigen Arbeits- oder Schulzeiten harmonieren. Dringend notwendig ist ein Umdenken, damit alle Geschlechter gleichwertig in der Verkehrsgestaltung vorkommen.

Das Fahrrad als Symbol der Emanzipation

Das Fahrrad selbst steht symbolisch für Emanzipation und Selbstbestimmung. Historisch gesehen kämpften Frauen lange um ihr Recht, Fahrrad zu fahren. Die Purple Ride Demo bringt diesen Gedanken zurück ins Bewusstsein und fordert ein Ende der Ungleichbehandlung im Straßenverkehr (bmv.de.

Politische Entscheidungsträger sind gefordert, mehr Frauen in Entscheidungspositionen der Verkehrsplanung zu integrieren und die Planung anhand realer Mobilitätsbedürfnisse auszurichten. Der Gender Data Gap, der sich durch eine unzureichende Datenerhebung zeigt und die unterschiedlichen Mobilitätsverhalten nicht berücksichtigt, muss geschlossen werden.

Parallel zur Purple Ride Demo wird im Rahmen des Frauentagsprogramms der Stadt Gießen auch auf weitere Veranstaltungen aufmerksam gemacht, die diesen wichtigen Themenkomplex aufgreifen. Die „Purple Ride“ verspricht nicht nur eine eindringliche Botschaft, sondern auch ein starkes Zeichen für Gleichheit und Sicherheit im öffentlichen Raum zu setzen.