Die Notlage in der Wildtierversorgung in Gießen macht Schlagzeilen. Die Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische der Justus-Liebig-Universität Gießen steht vor enormen Herausforderungen. In den ersten Julitagen von 2023 wurden bereits 282 Wildvögel, vorwiegend Jungtiere, eingeliefert und seit Jahresbeginn mehr als 1.000 Wildtiere behandelt. Diese Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit der Situation. Die Klinik warnt vor einer Überlastung und fordert dringend eine bessere Finanzierung der Wildtierversorgung in Hessen, um diese wichtige Aufgabe weiterhin bewältigen zu können.

Besonders heikel ist die Versorgung der hochspezialisierten Insektenfresser, da es an Futter mangelt. Dies könnte gravierende Folgen für das Überleben dieser Tierarten haben. Um dem entgegenzuwirken, wurde im Jahr 2024 eine Arbeitsgruppe Wildtiermedizin ins Leben gerufen, die mit privaten Auffangstationen zusammenarbeitet, welche ebenfalls stark überlastet sind. Es ist eine wahre Teamleistung, die hier gefordert ist, und die Universität appelliert an die Bevölkerung, nur wirklich hilfsbedürftige Tiere einzubringen. So werden befiederte Jungvögel, die noch von ihren Eltern versorgt werden, oft unnötig irrtümlich abgegeben, während nackte Jungvögel und Mauersegler echte Hilfe benötigen. Einfaches Handeln kann einen Unterschied machen – etwa durch das Bereitstellen von Vogeltränken im Garten an heißen Tagen, um den gefiederten Freunden Wasser zu bieten.

Die Justus-Liebig-Universität Gießen im Fokus

Die Justus-Liebig-Universität Gießen, die älteste Hochschule in Hessen, wurde bereits 1607 gegründet und zieht heute knapp 26.500 Studierende an. Mit einem breiten Angebot von rund 90 Studiengängen in den Bereichen Naturwissenschaften, Agrar- und Umweltforschung, sowie Rechts- und Wirtschaftswissenschaften ist die JLU die zweitgrößte Hochschule in Hessen. Diese Institution trägt nicht nur zur Bildung bei, sondern engagiert sich auch intensiv im Bereich der Wildtiermedizin, wo jährliche über 1.200 verletzte, kranke und verwaiste heimische Wildtiere behandelt werden.

Die Pflege von Wildtieren erfolgt nach den aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnissen und modernster Technik. Es werden spezialisierte biologische und tiermedizinische Fachkenntnisse benötigt, um die anspruchsvolle und zeitintensive Aufgabe zu bewältigen. Die Zusammenarbeit mit Wildtierauffangstationen und -hilfen ist essenziell: Nach der medizinischen Versorgung übernehmen diese Einrichtungen die weitere Pflege und Aufzucht der Tiere, welche dann nach erfolgreicher Rehabilitation in die Natur entlassen werden.

Herausforderungen der Wildtiermedizin

Die Wildtiermedizin ist ein persönliches Anliegen der Universität, und der Umgang mit der Vielfalt der Wildtiere ist eine große Verantwortung. Die kontinuierliche Suche nach finanzieller Unterstützung sowie eine klare Sensibilisierung der Öffentlichkeit sind notwendig, um auch in Zukunft eine artgerechte und optimale Versorgung von verletzten Tieren zu gewährleisten.

Die Situation in Gießen ist ein Appell an alle Tierfreunde und Naturbegeisterte, achtsam zu sein und sich für die Belange der Wildtiere einzusetzen. Denn wie gesagt, weniger kann oft mehr sein, und es braucht ein gutes Händchen, um in der Wildtierversorgung die richtigen Prioritäten zu setzen.