Ein Blick auf den S-Bahn-Betrieb am Sonntag zeigt enttäuschende Nachrichten für die Fahrgäste im Rhein-Main-Gebiet. Die Linie S5 entfällt komplett, und auch die S7 muss sich auf einen eingeschränkten Fahrplan einstellen. Laut hessenschau.de wird die S7 erst ab 15 Uhr im Stundentakt verkehren. Reisende zwischen Frankfurt-Rödelheim und Frankfurt-Süd können auf die Linien S3 und S4 ausweichen, während die Regionalbahn RE70 bis 15 Uhr zusätzliche Halte in Zeppelinheim, Groß-Gerau Dornheim und Riedstadt-Wolfskehlen einlegt.

Eine der Hauptursachen für diese massiven Störungen ist der Personalmangel, der sich laut RMV zunehmend zum Problem entwickelt. Im Jahr 2024 nutzten immerhin 825 Millionen Fahrgäste den öffentlichen Nahverkehr in der Region, was einen neuen Rekord darstellt. Trotzdem zeigt sich auch Unmut über die Zuverlässigkeit der Deutschen Bahn, die im Jahr 2024 einen Rückgang der Zuverlässigkeit der S-Bahnen von 95,7 % auf 90,4 % verzeichnete. Auch bei Regionalbahnen fiel die Verlässlichkeit, von 95,3 % auf 91,1 %.

Hintergründe zum Personalmangel

Der RMV-Geschäftsführer, Prof. Knut Ringat, macht deutlich, dass ein großes Personalproblem vorliegt. Immer mehr Ausfälle sind auf unterbesetzte Stellwerke zurückzuführen, wo die Ausfälle von 6 % in 2023 auf 25 % in 2024 anstiegen. Ein Blick auf die Kämpfe in der Branche offenbart, dass zurzeit etwa 20.000 Busfahrer und mindestens 3.000 Triebfahrzeugführer fehlen. Diese Situation könnte sich noch verschärfen, da bis 2030 ein Bedarf an 21 % mehr Mitarbeitenden im ÖPNV erwartet wird. Jährlich gehen etwa 6.000 Mitarbeitende in den Ruhestand, was die bestehende Lücke weiter vergrößert. Mehr Informationen dazu liefert der VDV.

In einer Umfrage, die 1.425 Beschäftigte der Branche befragte, wurden zahlreiche Herausforderungen angesprochen. Schwierigkeiten bei der Dienstplangestaltung und unzureichende Vergütung sind zentrale Punkte, die viele Mitarbeiter als negativ wahrnehmen. Trotz des hohen Altersdurchschnitts von über 50 Jahren schätzen die Beschäftigten ihren Beruf aufgrund der Freude am Fahren und der Arbeitsplatzsicherheit.

Ausblick auf die Zukunft

Ringat fordert von DB InfraGO, bis Ende 2025 Lösungen für das Personalproblem zu finden, da die Verspätungen nicht nur durch mangelhafte Personalbesetzung, sondern auch durch Folgeverspätungen aus dem unpünktlichen Fernverkehr und einem hohen Bauaufkommen verursacht werden. Zukünftig sind mehrere Projekte im RMV-Gebiet geplant, darunter innovative Ansätze wie das Forschungsprojekt KIRA für selbstfahrende Fahrzeuge im ÖPNV.

Auch wenn die Situation momentan frustrierend ist, gibt es Lichtblicke: Der RMV plant, zusätzlich einen neuen Instagram-Account zu starten, um Mobilitätserfahrungen der Fahrgäste zu teilen und somit das Bewusstsein für die Herausforderungen imÖPNV zu erhöhen.