Im beschaulichen Alheim steht die frühere Synagoge in einem bedauernswerten Zustand, der ihrer bewegten Geschichte nicht gerecht wird. Jahrelang war dieses Gebäude das Zentrum jüdischen Lebens in Heinebach, doch nach fast 100 Jahren des Bestehens ist es seit mehr als 27 Jahren verlassen und droht nun komplett zu verfallen. Die Gemeinde sieht sich einer finanziellen Notlage gegenüber und kann die dringend benötigte Sanierung nicht stemmen. Hessenschau berichtet, dass die geschätzten Sanierungskosten mittlerweile im siebenstelligen Bereich liegen, während ein Gutachten sie ursprünglich auf 700.000 Euro bezifferte.
Die Situation wird von Bürgermeister Andreas Brethauer als alarmierend beschrieben. Er betont, dass ohne finanzielle Hilfe keine verständliche Lösung möglich sei. Zwar hat Kulturminister Timon Gremmels Besserung in Aussicht gestellt, doch konkrete Zusagen für finanzielle Unterstützung blieben aus. Er bedauert die schlechte Finanzlage des Landes und signalisiert, dass eine schnelle Lösung nicht in Sicht sei.
Ein historisches Erbe schützen
Die ehemaligen Synagogen, die vor dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland blühten, haben eine traurige Geschichte hinter sich. Von ursprünglich rund 2.800 Synagogen sind heute nur noch etwa 850 Gebäude oder deren Überreste in Deutschland zu finden, und das oft in einem schlechten Zustand. Nach Angaben von BR standen viele dieser Einrichtungen während der Reichspogromnacht 1938 in Flammen, und die nachfolgenden Jahrzehnte hätten die jüdische Gemeinschaft und ihre Orte des Glaubens stark strapaziert.
Alfred Jacoby, ein Experte auf diesem Gebiet, hat erkundet, wie wichtig diese Strukturen sind und dass sie auch heute noch für die Erinnerungskultur und das jüdische Leben relevant sind. Er kritisiert die Vernachlässigung ehemaliger Synagogen, während Vorschläge zur Gründung von Fördervereinen zur Sanierung, wie in Alheim erwogen, Gehör finden sollten. In Alheim gibt es bereits Ideen, einen solchen Verein ins Leben zu rufen, um die restauratorischen Bemühungen zu unterstützen.
Die Rolle der Synagogen im jüdischen Leben
Synagogen, auch als Schuls oder Tempel bekannt, sind nicht einfach nur Bauwerke. Sie dienen als Orte des Gebets, der Studien und verschiedener Zeremonien, wie Hochzeiten oder Bar/Bat Mitzvahs. Laut Wikipedia ist die Synagoge ein zentraler Bestandteil des jüdischen Lebens, der seit der Zerstörung des Zweiten Tempels in Jerusalem auch als spiritueller Rückzugsort fungiert. Doch in Deutschland, wo die jüdischen Gemeinden ein Aufblühen erfahren haben, wie durch diesjährige Zuwanderungen belegt ist, ist die Sicherstellung dieser Plätze von größter Bedeutung.
Was wird also aus der Synagoge in Alheim? Bürgermeister Brethauer warnt, dass ein weiterer Verfall verhindert werden muss, und plant ein Folgegespräch mit Minister Gremmels in einem Jahr, um die Situation weiter zu besprechen. Es bleibt zu hoffen, dass bis dahin eine Lösung gefunden werden kann, um dieses historische Erbe zu bewahren und das jüdische Leben in der Region wieder zu fördern.