Im Bad Hersfelder Stadtteil Sorga wird eine neue Hausarztpraxis eröffnet, die einen frischen Wind in die medizinische Versorgung der Region bringen soll. Die beiden Hausärzte, Dr. Filis Ferat und Hendrik Meiß, die bereits erfolgreich eine Praxis in Sorga betreiben, planen zudem den Umzug in neue Räume in Friedewald in zwei Jahren. Diese Neueröffnung ist mehr als nur ein weiterer Arztbesuch; sie ist Teil eines großen Engagements zur Verbesserung der gesundheitlichen Betreuung in ländlichen Gebieten.

Die neue Praxis glänzt durch großzügige und barrierefreie Räumlichkeiten. Carsten Mawick, der das Gebäude der ehemaligen Bankfiliale erworben und umfassend saniert hat, hat hier ganze Arbeit geleistet. Nach neun Monaten Umbauzeit können nun moderne Ausstattung, Parkplätze und eine Bushaltestelle direkt vor dem Eingang den Patienten zugutekommen. Unterstützt wurde Mawick bei diesem Projekt von seiner Familie, die dafür sorgte, dass die Handwerker bestens versorgt wurden. Die Investitionen von rund 180.000 Euro in die Praxis seit 2022 zeigen, wie wichtig allen Beteiligten die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung im ländlichen Raum ist.

Prävention im Fokus

Dr. Ferat und Dr. Meiß legen besonderen Wert auf Prävention, Diagnostik und individuelle Beratung. Dies ist nicht nur eine Reaktion auf die steigenden Anforderungen an die medizinische Versorgung, sondern auch auf die Herausforderungen, die in ländlichen Regionen häufig anzutreffen sind. Laut dem Sozialministerium in Baden-Württemberg besteht ein akuter Fachkräftemangel, zumal viele junge Ärzte in die Städte abwandern. Hier stehen ländliche Ärzte oft vor der Herausforderung, immer mehr Patienten mit einem hohen Anteil an älteren Menschen und Mehrfacherkrankungen bestmöglich zu versorgen.

Die von der Landesregierung unterstützten Programme zur Verbesserung der hausärztlichen Versorgung, wie das Aktionsprogramm „Landärzte“, verdeutlichen die Dringlichkeit dieser Entwicklungen. Seit der Einführung dieses Programms haben bereits über 300 Ärzte in ländlichen Gebieten mit finanzieller Unterstützung niedergelassen. Eine Förderung von bis zu 30.000 Euro kann speziell für Neuausgaben in benachteiligten Regionen beantragt werden. Dennoch gibt es Stimmen, die die unzureichenden Fördermittel für die Modernisierung von Arztpraxen in Deutschland kritisieren, wie Dr. Ferat und Dr. Meiß anmerken.

Über den Tellerrand schauen

Die Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung ländlicher Gebiete sind allerdings nicht nur hier ein Thema. Oftmals müssen Bürger lange Wege auf sich nehmen, um die nächste Arztpraxis oder spezialisierten Versorgungsstellen zu erreichen. So wird die Qualität der Gesundheitsdienstleistungen häufig in Frage gestellt, ebenso wie die finanzielle Belastung für die Patienten. Innovative Konzepte, wie beispielsweise die Kooperation zwischen verschiedenen Gesundheitseinrichtungen und telemedizinische Angebote, können dabei helfen, diese Lücken zu schließen und die Versorgungsstruktur zu verbessern.

Zusätzlich zum Umbau der Praxis wird auch das Dachgeschoss der ehemaligen Bank genutzt, um gegebenenfalls Wohnungen oder einen dritten Arzt einzurichten. Hier zeigt sich, dass in der Region auch an zukünftige Entwicklungen gedacht wird, etwa in Bezug auf Nahversorgung und altersgerechtes Wohnen.

Die lokale Politik würdigt die Engagements sowohl der Mawicks als auch des Ärzteteams und unterstreicht die Bedeutung solcher Projekte für eine nachhaltige Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum. Gleichzeitig bleibt die Diskussion über die optimalen Versorgungsstrukturen in Deutschland, die den vielfältigen Herausforderungen unserer Zeit gerecht werden, unabdingbar.

Für die Zukunft bleibt die Hoffnung, dass innovative Ansätze und ein gemeinsames Handeln von Bund, Ländern, Kommunen und Gesundheitsdienstleistern nicht nur in Sorga, sondern auch in anderen Regionen greifbare Verbesserungen in der gesundheitlichen Versorgung und Lebensqualität der Menschen bringen.