Radon, ein unsichtbares und geruchloses Gas, stellt ein wachsendes Gesundheitsrisiko für viele Menschen in Deutschland dar. Bei kalten Temperaturen lüften viele Haushalte seltener, was zu einer gefährlichen Anreicherung dieses Gases in Innenräumen führt. Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) sind insbesondere Kellerräume betroffen, wo die Radonwerte im Winter fünf- bis zehnmal höher sein können als in gut belüfteten Räumen während des Sommers. Das Gas entsteht beim Zerfall von Uran und Radium im Boden und gelangt durch Risse und undichte Stellen in Gebäude.
Besonders alarmierend ist die Tatsache, dass Radon nach Tabakrauch die zweitwichtigste Ursache für Lungenkrebs ist. Schätzungen zufolge leben rund 10,5 Millionen Menschen in Deutschland in Wohnräumen mit Radonwerten über 100 Becquerel pro Kubikmeter, was über dem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Wert liegt. Jährlich sterben in der EU etwa 20.000 Menschen an radonbedingtem Lungenkrebs, darunter etwa 2.800 in Deutschland. Dabei verursacht Radon keine akuten Symptome wie Kopfschmerzen, was die Gefahr seiner unentdeckten Ansammlung in unseren Lebensräumen erhöht.
Die Risiken von Radon in der Atemluft
Wissenschaftlerinnen des BfS haben in umfangreichen Studien, unter anderem mit Daten von fast 60.000 ehemaligen Uranbergarbeitern, untersucht, wie Radon die Gesundheit beeinflusst. Dabei wurde ein klarer Zusammenhang zwischen Radon in der Atemluft und einem erhöhten Risiko für Lungenkrebs festgestellt, während andere Erkrankungen nur geringfügig betroffen scheinen. In der Vergangenheit gab es Hinweise auf ein erhöhtes Sterberisiko für ischämische Herzkrankheiten, jedoch treten solche Risiken hauptsächlich bei hohen Radon-Belastungen auf, wie sie in den 1940er und 1950er Jahren im Uranbergbau vorkamen.
Radon ist das größte natürliche Einzelbeitrag zur Strahlenbelastung für nichtrauchende Menschen. Es gelangt meist aus dem Untergrund in Gebäude und reichert sich vor allem in der Lunge an. Während das Einatmen von Radon selbst nur geringfügige Risiken mit sich bringt, sind es die Radon-Zerfallsprodukte, die in der Lunge verbleiben und dort gefährliche Strahlendosen verursachen können. In Deutschland sind etwa 5% der Lungenkrebstodesfälle auf Radon zurückzuführen, was rund 1.900 Sterbefälle pro Jahr bedeutet.
Schutzmaßnahmen und Empfehlungen
Um die Radonbelastung in Innenräumen zu reduzieren, empfehlen Experten regelmäßiges Stoßlüften, das Abdichten von Kellertüren und Rissen sowie die Installation spezieller Lüftungsanlagen. Bei Neubauten können gasdichte Bodenplatten oder Radon-Sperrfolien zusätzlichen Schutz bieten. Es ist ratsam, die Radonkonzentration im Baugrund vor Neubauten zu untersuchen, insbesondere in geologisch belasteten Gebieten. Das Strahlenschutzgesetz in Deutschland legt einen Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter für Aufenthaltsräume fest, während die WHO eine Reduzierung auf unter 100 Becquerel anstrebt, um die gesundheitlichen Risiken weiter zu minimieren.
Insgesamt ist es wichtig, die Raumluftqualität zu beachten, da Europäer durchschnittlich 90 Prozent ihrer Zeit in Innenräumen verbringen. Der Austausch von Luft und die Kontrolle der Radonwerte sollten daher nicht vernachlässigt werden, um die Gesundheit langfristig zu schützen.