Die Gefahr von Hochwasser hat die Menschen in Gelnhausen und den umliegenden Kommunen in den letzten Jahren immer wieder vor große Herausforderungen gestellt. In der letzten Zeit wurde deutlich, dass die bestehenden Schutzmaßnahmen nicht ausreichen, um die Bevölkerung und Infrastruktur vor den verheerenden Folgen extremer Wetterereignisse zu bewahren. Die LBGN (Landesverband der Bürgerinitiativen Gelnhausen und Umgebung) fordert deshalb dringende Maßnahmen zur Rückhaltung der Kinzigzuflüsse Salz und Bracht. Diese Rückhaltungsmaßnahmen werden seit Jahrzehnten diskutiert, jedoch oft als überfällig betrachtet und bislang nicht umgesetzt. Die jüngsten Hochwasserereignisse haben die Verwundbarkeit der Region nochmals ins Bewusstsein gerufen und verdeutlichen die Notwendigkeit einer vorausschauenden Hochwasserpolitik im Main-Kinzig-Kreis.

Hendrik Silken von der LBGN betont die Dringlichkeit struktureller Lösungen, um Menschen und Infrastruktur zu schützen. Ein effektiver Hochwasserschutz sollte vor allem an den Ursprüngen der Flüsse stattfinden, damit die Risiken für die flussabwärtigen Kommunen nicht verschärft werden. Kolja Saß hebt hervor, dass naturschutzrechtliche Abwägungen den Hochwasserschutz nicht behindern dürfen. Auch der ehemalige Landrat Erich Pipa kritisierte bereits 2019 den Bürokratismus der Landesbehörden, der die Umsetzung von dringend benötigten Maßnahmen verzögert hat.

Dringlichkeit von Rückhaltungsmaßnahmen

Die LBGN hat den Main-Kinzig-Kreis aufgefordert, sich aktiv für eine beschleunigte Planung und Genehmigung der Rückhaltungsmaßnahmen einzusetzen. Dabei sollte die Erstellung von Rückhaltebecken und Retentionsflächen an Salz und Bracht priorisiert werden. Finanzielle Unterstützung aus Infrastrukturmitteln von Bund und Land sollte aktiv eingeworben werden, um die notwendigen Projekte voranzutreiben. In diesem Kontext ist der Kinzig-Stausee bei Bad Soden-Salmünster von großer Bedeutung. Der Stausee, der seit 1988 vom Wasserverband Kinzig betrieben wird und eine maximale Ausdehnung von 125 ha sowie ein Fassungsvermögen von 7,2 Millionen m³ besitzt, zählt zu den größten Rückhaltebecken in Hessen. Er spielt eine essentielle Rolle beim Hochwasserschutz und der Mindestwasserführung der Kinzig.

Die Sicherheit des Stauwerks wird durch das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) sowie das Regierungspräsidium Darmstadt regelmäßig überwacht. Trotz dieser Schutzmaßnahmen bleibt das Kinzig-Gebiet jedoch anfällig für schwere Hochwässer, besonders aufgrund der hohen Niederschlagsabflüsse und der Schneeschmelze im Vogelsberg. Umso wichtiger ist es, dass die bereits 2006 initiierte Zusammenarbeit zwischen dem Wasserverband Kinzig, dem Land Hessen und zehn Bürgermeistern im Rahmen des Pilotprojekts „Gewässerbezogener Hochwasserschutz Kinzig“ weiter vorangetrieben wird.

Hochwasser und seine Herausforderungen

Hochwasserereignisse sind natürliche Phänomene, die durch menschliche Aktivitäten beeinflusst werden. Die Häufigkeit von Katastrophenhochwässern an großen Strömen hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen, was die Notwendigkeit zur Ausweitung von Schutzmaßnahmen unterstreicht. Der Klimawandel erhöht die Wahrscheinlichkeit extremer Regenfälle und Hochwasserkatastrophen erheblich. Menschengemachte Ursachen für diese extremen Hochwasserereignisse sind unter anderem die Begradigung von Bächen und Flüssen, der Bau von Staustufen und der Verlust von Auen. Auch die zunehmende Flächenversiegelung und intensivere Nutzung von Überschwemmungsflächen tragen zur Problematik bei.

Um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten und zukünftige Schäden zu minimieren, sind daher umfassende und gut durchdachte Maßnahmen unerlässlich. Nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Behörden, Naturschutzorganisationen und der Bevölkerung kann ein effektiver Hochwasserschutz gewährleistet werden, der sowohl ökologische Belange als auch Sicherheitsinteressen berücksichtigt. Die Zeit drängt, und es ist höchste Zeit, dass in der Region Gelnhausen entschlossen Hand angelegt wird, um den Hochwasserschutz endlich voranzubringen. Weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Maßnahmen finden Sie in den Artikeln auf vorsprung-online.de, wasserverband-kinzig.de und bfn.de.