Im Rhein-Main Gebiet stehen Reisende momentan vor einem massiven Problem: Wegen Personalengpässen fallen immer wieder ganze Tage Züge aus. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) äußert scharfe Kritik an der Deutschen Bahn, die nicht nur Stellwerke unterbesetzt, sondern damit auch die Verkehrswende massiv behindert. Das geht aus einem aktuellen Bericht von fr.de hervor.

Die Situation ist besorgniserregend: Am 17. November mussten die abendlichen Einschränkungen im Bahnbetrieb zwischen Frankfurt-Höchst und Bad Vilbel aufgrund der unterbesetzten Stellwerke beendet werden. Aktuell geht der VCD davon aus, dass die Grundversorgung nicht mehr gewährleistet ist—ein strukturelles Problem, das die Menschen von der Bahnnutzung abschreckt.

Unplanmäßige Ausfälle und Überlastung

Im Zuge der Personalengpässe kam es zuletzt zu unplanmäßigen Ausfällen an verschiedenen Orten, wodurch die Zuverlässigkeit des Bahnbetriebs enorm leidet. Insbesondere die Strecke zwischen Hanau-Hauptbahnhof und Hanau-Nord ist stark betroffen, da in den späten Abend- und Nachtstunden kein Zugverkehr stattfinden kann—ein Umstand, der nicht nur während der Woche, sondern auch am Wochenende zu unzumutbaren Einschränkungen führt. Am vergangenen Samstag etwa blieben zwischen Hanau und Aschaffenburg von 6 bis 18 Uhr die Züge komplett aus, und auch der gesamte Regionalverkehr zwischen Gießen und Siegen war bis Dienstagmorgen beeinträchtigt.

Wie es scheint, hat die Deutsche Bahn das Problem erkannt, aber nur allmählich Lösungen parat. Eine Verbesserung des Zugverkehrs ist für März 2026 in Aussicht gestellt, was viele Reisende jedoch kaum tröstet. Anja Zeller, politische Geschäftsführerin des VCD Hessen, mahnt eine schnellere Lösung des Personalproblems an, um die negative Entwicklung umzukehren.

Der große Mangel an Fachpersonal

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Laut der Tagesschau leiden die deutschen Bahnen massiv unter einem Mangel an Personal für Stellwerke. Hunderte Fahrdienstleiter fehlen bundesweit, was gravierende Auswirkungen auf die Betriebssicherheit hat. Auch die überarbeitete Belegschaft ist ein Problem: Viele Mitarbeiter arbeiten bis zu 55 Stunden pro Woche und haben dennoch kaum freie Wochenenden.

Diese Überarbeitung könnte laut Experten die Sicherheit gefährden, was die Deutsche Bahn jedoch von sich weist. Dennoch zeigt sich der Druck auf die Mitarbeitenden, dem ständig wachsenden Bedarf gerecht zu werden. Eine Ausbildungsinitiative hat zwar bereits 250 neue Stellen besetzt, doch tatsächlich benötigt die Branche Zeit, um die Engpässe abzubauen. Bis Ende 2025 wird mit einer vollständigen Besetzung der Fahrdienstleiter-Positionen gerechnet—das ist viel zu spät, um akute Probleme kurzfristig zu lösen.

Die Zukunft des öffentlichen Verkehrs

Die Lage wird durch zukünftige Prognosen nicht besser. Eine Umfrage des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zeigt, dass bis 2030 ein Personalbedarf von bis zu 21 % besteht. Jährlich gehen etwa 6.000 Mitarbeitende im Fahrdienst in den Ruhestand, und der Altersdurchschnitt der Fachkräfte liegt bereits über 50 Jahre. Die Kombination aus hoher Fluktuation und negativen Erscheinungen wie mangelnder Wertschätzung und unattraktive Dienstpläne wird die Branche weiter unter Druck setzen.

Die bereits anhaltenden Angebotskürzungen und vor allem die eingeschränkte Verlässlichkeit des Verkehrs sind nur einige der Herausforderungen, die die öffentliche Mobilität in Deutschland betreffen. Wenn es der Branche nicht gelingt, einem sehr hohen Altersdurchschnitt und wachsenden Fachkräftemangel zu begegnen, drohen weitere negative Entwicklungen für die Zukunft. Der Ball liegt nun bei den Verantwortlichen, die notwendige Veränderungen zeitnah einzuleiten, damit die Menschen auch in Zukunft gerne auf die Schiene setzen.