In Marburg-Biedenkopf hat die „Mietwucher-App“ der Partei „Die Linke“ großen Anklang gefunden. Eine Umfrage, die vom 18. bis 20. Februar 2026 durchgeführt wurde, zeigt, dass 61 Prozent der 421 Befragten die App befürworten. Nur 39 Prozent äußerten Bedenken. Diese App ermöglicht es Mieterinnen, ihre Miete auf mögliche Rechtswidrigkeiten zu überprüfen und überhöhte Mieten direkt an zuständige Stellen zu melden. Im letzten Jahr haben bereits über 200.000 Mieterinnen in anderen Städten die App genutzt, wobei mehr als zwei Drittel der überprüften Mieten über der zulässigen Höhe lagen. In Marburg fehlen jedoch bislang umfassende Informationen über Mietwucher und Unterstützung für betroffene Mieterinnen.
Miriam Stoll von der Linken hebt die Bedeutung konkreter Hilfe für Mieterinnen hervor, während Jan Schalauske die App als wichtigen Schritt gegen Mietwucher in Marburg bezeichnet. In Zeiten steigender Mieten, die viele Haushalte in deutschen Städten belasten, ist dies eine dringend benötigte Maßnahme. Millionen Haushalte zahlen über 40 Prozent ihres Einkommens für Miete, ohne Heizkosten. Die Notwendigkeit für solche Initiativen wird auch durch eine Wohnungsmarktanalyse des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) unterstrichen, die die Eigentumsquote in Marburg bemängelt.
Eigentum und Mieten im Landkreis
Im Landkreis Marburg-Biedenkopf gibt es etwa 58.100 Immobilien, die ohne Mietzahlungen stehen, wobei nur 11 Prozent selbstgenutzte Wohnungen sind. Die Eigentumsquote im Landkreis liegt bei 50 Prozent, jedoch ist sie in Marburg auf unter 30 Prozent gesunken. Deutschland hat im europäischen Vergleich eine der niedrigsten Eigentumsquoten, belegt den vorletzten Platz und stellt insbesondere die 25- bis 40-Jährigen in Marburg-Biedenkopf vor große Herausforderungen. Diese Altersgruppe, die als „Nestbauer-Generation“ bezeichnet wird, hat zunehmend Schwierigkeiten, Eigentum zu erwerben, was sie zu Verlierern beim Wohneigentum macht.
Die BDB fordert von der Bundespolitik eine verlässliche „Haus-Förderung“ sowie Niedrigzinsprogramme. Um den Erwerb von selbstgenutztem Wohneigentum zu erleichtern, sind direkte Zuschüsse für Durchschnittsverdiener notwendig. Der Erwerb von Eigentum ist für viele nur mit Abstrichen bei anderen Ausgaben, wie Reisen und Konsum, möglich. Wären Mietpreisentwicklungen für diese Gruppe kein Thema mehr, könnte sich die Situation in Marburg drastisch ändern.
Ausblick auf den Wohnungsmarkt
Im Hinblick auf die allgemeinen Rahmenbedingungen am Bau- und Immobilienmarkt zeigen sich auch positive Entwicklungen. Seit 2022 und 2023 wurden Verbesserungen festgestellt. Hypothekenzinsen liegen unter dem Höchststand von November 2023, und der Anstieg der Baupreise hat sich verlangsamt. Die Anzahl der neu abgeschlossenen Hypothekendarlehen nimmt seit April 2024 zu, und die Erholung der Immobilienpreise setzt sich fort. Im ersten Quartal 2025 stiegen die Baugenehmigungen um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, was Hoffnung auf einen wachsenden Wohnungsbau in den kommenden Jahren weckt.
Die Bundesregierung unterstützt bezahlbares Wohnen durch verschiedene Maßnahmen, darunter 62.000 geförderte Wohneinheiten im sozialen Wohnungsbau im Jahr 2024. Dennoch bleibt der Rückgang des Bestands an Sozialmietwohnungen ein Thema. Insgesamt gibt es bundesweit 1,9 Millionen leerstehende Wohnungen, was 4,5 Prozent des Gesamtbestands entspricht. Eine „Handlungsstrategie Leerstandsaktivierung“ wird entwickelt, um diesen Herausforderungen zu begegnen.
Insgesamt zeigt die Situation in Marburg-Biedenkopf, dass es sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene dringenden Handlungsbedarf gibt, um die Eigentumsbildung und die Wohnsituation der Bevölkerung zu verbessern. Die neuen Initiativen, wie die Mietwucher-App, könnten hierbei einen wichtigen Beitrag leisten.