Die Hayn-Apotheke in Guxhagen kämpft ums Überleben und hat bereits Insolvenz angemeldet. Diese Entwicklung ist Teil eines besorgniserregenden Trends im Schwalm-Eder-Kreis, wo die Zahl der Apotheken seit Jahren kontinuierlich sinkt. Apotheker Nils-Steffen Grönig und Dr. Alexander Schröder warnen eindringlich vor den Folgen – eine Gefährdung der Patientenversorgung steht im Raum, denn fast 20 Apotheken im Landkreis sind betroffen. Aktuell gibt es noch 37 Apotheken in der Region, die nicht nur Standorte, sondern auch wichtige Anlaufstellen für die Bevölkerung darstellen. In 21 Städten und Gemeinden sind noch Apotheken vorhanden, während in sechs Kommunen gänzlich darauf verzichtet werden muss, wie HNA berichtet.
Das Problem ist allgegenwärtig und betrifft nicht nur den Schwalm-Eder-Kreis. Auch deutschlandweit ist die Lage alarmierend: 2013 gab es noch 20.662 Apotheken, Ende 2023 sank diese Zahl sogar auf 17.571, den tiefsten Stand seit 1980. Mehr als 3.000 Apotheken mussten in den letzten zehn Jahren schließen, und die Prognosen sind düster. Der Deutsche Apothekerverband warnt vor einem weiteren Verlust von über 500 Apotheken im laufenden Jahr, was die Sorgen der Apotheker im Landkreis umso greifbarer macht. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielschichtig: Nicht nur die angespannte Finanzlage und die schwierige Nachfolgesuche tragen dazu bei, sondern auch die wachsende Konkurrenz aus dem Internet.
Der Einfluss von Online-Konkurrenz
Rasant wachsende Versandapotheken wie Doc Morris und Redcare Pharmacy setzen den stationären Apotheken stark zu. Redcare Pharmacy, die ihren Umsatz im Jahr 2024 um über 30% auf fast 2,4 Milliarden Euro steigern konnte, und Doc Morris mit einer Umsatzmarke von einer Milliarde Euro verschärfen den Wettbewerb. Dies hat auch unmittelbare Folgen für lokale Anbieter: So musste die Guxhagener Hayn-Apotheke aufgrund von Umsatzrückgängen, die auf die Online-Konkurrenz zurückzuführen sind, Insolvenz anmelden. Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, fordert deshalb dringend Maßnahmen zur Stärkung der Apothekenversorgung.
Das E-Rezept könnte eine Wende bringen, da stationäre Apotheken momentan davon profitieren. Allerdings steht die digitale Rezeptabgabe vor Herausforderungen. Eine Vereinfachung für Online-Apotheken ist zwar geplant, doch wird hier von Experten befürchtet, dass dies eine Ungleichheit im Wettbewerb schaffen könnte. Auch die neue technische Lösung „CardLink“, die ab Mitte Mai 2024 zum Einsatz kommen könnte, lässt Bedenken aufkommen. Hierdurch könnten Versandapotheken bevorzugt werden, was die Sorgen der stationären Apotheken weiter verstärkt.
Der Markt im Wandel
Obwohl der Versandhandel wächst und der Markt für rezeptfreie Produkte in Deutschland über 20% ausmacht, ist der Rückgang der Apotheken nicht ausschließlich auf die Online-Konkurrenz zurückzuführen. Thomas Heil von IQVIA betont, dass der mangelnde Nachwuchs in der Branche eine der Hauptursachen für das Apothekensterben sei. Auch in ländlichen Gebieten wird die Abnahme der Apothekendichte immer deutlicher spürbar: weniger Apotheken müssen immer mehr Menschen versorgen, was zu einer Überlastung führt.
In den kommenden Monaten wird die Entwicklung im Bereich der Apotheken kritisch beobachtet werden müssen. Während die öffentliche Gesundheit und die Versorgung der Bevölkerung auf dem Spiel stehen, stehen die Apothekerverbände in der Verantwortung, für Verbesserungen und ein gerechtes Marktumfeld zu kämpfen. Die Situation wird durch die ständigen Veränderungen im Gesundheitssystem und die Herausforderungen der digitalen Transformation noch verschärft. Nur wenn geeignete Maßnahmen getroffen werden, kann man dem drohenden Apothekensterben entgegenwirken und eine flächendeckende Versorgung sicherstellen.