Der Winter 2025/26 hat Hessen fest im Griff. Frost, Schnee und Eis prägen die Straßen und fordern die Winterdienste in einem Maße, wie wir es seit fünf Jahren nicht mehr erlebt haben. Der Landesbetrieb Hessen Mobil hat bereits beeindruckende 96.000 Tonnen Salz verbraucht, was deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von 81.000 Tonnen liegt. Die letzte vergleichbare Saison, der Winter 2020/2021, verzeichnete einen Verbrauch von rund 110.000 Tonnen. Um die Herausforderungen zu meistern, hat Hessen Mobil 90.000 Tonnen Salz eingelagert und zusätzlich 50.000 Tonnen nachbestellt. Glücklicherweise gibt es keine Engpässe oder Lieferschwierigkeiten, was die Autobahn GmbH betrifft, die ebenfalls stabile Salzreserven vorweisen kann. Doch die Situation ist nicht überall so rosig.
In einigen hessischen Kommunen, wie Fritzlar und Petersberg, sieht es ganz anders aus. Dort melden die Verantwortlichen bereits leere Salzlager. In Fritzlar kann man nur noch die Straßen räumen, während das Streuen bereits nicht mehr möglich ist. Petersberg hat zwar 160 Tonnen Salz eingelagert und weitere 130 Tonnen nachbestellt, doch die Reserven sind nahezu aufgebraucht. Dies ist nicht zuletzt auf die zurückgefahrene Produktion in den letzten milderen Wintern zurückzuführen. Das Tauwetter der letzten Tage hat die kritische Lage zumindest etwas entspannt, doch die Bürgermeisterin von Petersberg berichtet von einem Anstieg der Bürgerbeschwerden. Die Nachfrage bleibt hoch, und viele Kommunen kämpfen mit der Knappheit und den steigenden Preisen für Streusalz.
Preisanstieg und strategische Maßnahmen
In Fulda beispielsweise haben sich die Kosten pro Tonne von 60-70 Euro auf rund 500 Euro erhöht. Im Januar musste die Stadt dringend Streusalz nachbestellen – und das zu stark erhöhten Preisen. An besonders winterlichen Tagen verbraucht Fulda bis zu 100 Tonnen Streusalz in nur zwei Tagen. Auch in anderen Städten wie Neuhof und Hünfeld konzentriert man sich auf das Streuen von Hauptverkehrswegen, während in Korbach und Bad Zwesten die Vorräte ebenfalls knapp sind. Bad Zwesten wandte sich sogar an die Autobahn GmbH, erhielt jedoch keine Unterstützung. In Usingen wurden zwei Lieferungen abgesagt, doch der aktuelle Bestand reicht vorerst aus.
Von den Kämpfen um Streusalz sind nicht alle Städte betroffen. Einige, wie Alsfeld und Bad Hersfeld, sind gut versorgt. Bad Hersfeld mischt das Streusalz teilweise mit Splitt, während Bad Soden-Salmünster auf Feuchtsalz aus Sole setzt und größere Lagerkapazitäten hat. Die Marktgemeinde Burghaun nutzt das Streusalz sparsam, um sich auf steile Straßen zu konzentrieren. Der führende Hersteller von Auftausalz in Europa, K+S, berichtete von einer hohen Nachfrage und längeren Lieferzeiten. Täglich produziert K+S etwa 20.000 Tonnen Auftausalz und beliefert sowohl Hessen Mobil als auch die Kommunen.
Die Herausforderung des Winters
Ein Vergleich mit der Wintersaison 2024/25 zeigt, dass Hessen Mobil in diesem Jahr bereits rund 96.000 Tonnen Salz verwendet hat, während im Vorjahr etwa 65.000 Tonnen gestreut wurden. Dies macht deutlich, wie herausfordernd der aktuelle Winter ist. Die Einsatzgebiete erstrecken sich über 15.200 Kilometer Bundes-, Landes- und Kreisstraßen, unterstützt durch 380 Streufahrzeuge. Dabei kommt moderne, computergesteuerte Streutechnik zum Einsatz, die den Salzverbrauch optimiert. Je nach Wetterlage ist nur etwa ein Teelöffel Salz pro Quadratmeter erforderlich, um die Straßen sicher zu halten.
Mit den milderen Wetterbedingungen zum Jahreswechsel und den tieferen Temperaturen im Januar und Februar ist die Lage alles andere als stabil. Schneefälle konzentrieren sich auf Nord- und Osthessen, und auch wenn die Straßenmeistereien winterbedingte Schäden bald beseitigen können, bleibt die Situation angespannt. In der Wintersaison 2024 wurden etwa 78.000 Fahrbahnschäden an Landesstraßen repariert, was Kosten von rund 6,4 Millionen Euro verursachte. Die Reparaturkosten für die winterbedingten Schlaglöcher lassen sich jedoch nicht separat beziffern.
Die kommenden Wochen werden zeigen, wie die hessischen Kommunen und der Landesbetrieb Hessen Mobil die Herausforderungen des Winters weiterhin meistern können. Die Bürgerinnen und Bürger dürfen gespannt sein auf die Entwicklungen in ihrer Region.
Für weitere Informationen zu den aktuellen Herausforderungen des Winterdienstes in Hessen können Sie den Artikel in der Süddeutschen Zeitung und auf FFH nachlesen.





