In Neustadt-Mengsberg wurde ein Wolf gesichtet, und die lokale Jagdgemeinschaft hat bereits erste Warnungen ausgesprochen. Jagdpächter Joachim Rudewig hat das Tier erkannt, nachdem es vor zwei Wochen von einem Jäger gefilmt wurde. Seiner Einschätzung nach handelt es sich um einen Rüden, der höchstwahrscheinlich dauerhaft im östlichen Landkreis Marburg-Biedenkopf lebt. Merkwürdige Zeiten brechen an, denn nicht nur Wölfe sind auf dem Vormarsch, auch Biber wurden in der Umgebung gesichtet.
Die Aufnahmen des Wolfes wurden unweit des „Wieraer Waldes“ gemacht, der an den Schwalm-Eder-Kreis grenzt. Jäger erinnern sich an eine frühe Sichtung vor zwei oder drei Jahren in der Nähe von Mengsberg, als bereits eine Fährte des Wolfes nahe dem Rotkäppchenbad gefunden wurde. Rudewig, der auf eine über 40-jährige Jagderfahrung zurückblicken kann, warnt, dass der Wolf keine natürlichen Feinde hat. Besonders Hunde könnten als Beute angesehen werden, was für viele Anwohner ein berechtigtes Sorgenkind darstellt.
Warnhinweise und Sicherheitsvorkehrungen
In Anbetracht der Situation empfiehlt es sich, Kinder nicht ohne Aufsicht in den Wald zu lassen und dem Wolf mit Respekt zu begegnen. Moritz Frey, Pressesprecher von Hessen Forst, mahnt, dass Wölfe in der Regel Menschen meiden. Kommt es jedoch zu einer Begegnung, sollen Menschen ruhig bleiben, Lärm machen und sich langsam zurückziehen, wobei sie dem Tier einen Fluchtweg offenhalten. Außerdem sollten Hunde an der Leine geführt werden, um Missverständnisse zu vermeiden.
Trotz der angsterregenden Berichte über den Wolf ist es wichtig zu erwähnen, dass seit der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland vor über 20 Jahren kein Übergriff auf Menschen dokumentiert wurde. Doch Weidetierhalter stehen vor Herausforderungen, wie der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) betont. Eine solide Grundschutzstrategie für Weidetiere ist unumgänglich, nicht nur wegen der Wölfe, sondern auch wegen wildernder Hunde, Wildschweine und Füchsen. Futtertiere sind gesetzlich verpflichtet, vor äußeren Gefahren zu schützen.
Schutzmaßnahmen für Weidetiere
Um einen effektiven Schutz der Weidetiere zu gewährleisten, gibt der LLH folgende Maßnahmen an:
- Einrichtung von Netzzäunen und Elektrozäunen, sowohl mobil als auch fest installiert.
- Die Zäune sollten eine Mindesthöhe von 90 cm aufweisen; die unterste Elektro-Litze darf maximal 20 cm über dem Boden angebracht werden.
- Mindestens vier Litzen in Höhen von 20, 40, 60 und 90 cm sind sinnvoll.
- Eine Hütespannung von mindestens 2.500 Volt ist notwendig, einschließlich täglicher Kontrolle und Dokumentation.
- Festzäune sollten aus Knotengeflecht mit einer Mindesthöhe von 120 cm bestehen und sollten allseitig geschlossen sein.
- Ein Untergrabeschutz sowie ein Überkletterschutz sind erforderlich.
Die Kombination von Elektrozäunen und Herdenschutzhunden hat sich ebenfalls bewährt. Tierhaltende sind gut beraten, ihre Maßnahmen regelmäßig zu überprüfen oder sich durch den LLH beraten zu lassen.
In einem Eventualfall eines Wolfschadens können Betroffene den Notdienst des Wolfszentrums Hessen kontaktieren und sollten verletzte Tiere sofort versorgen. Polizeiliche Hilfe ist ebenfalls empfohlen, wenn akute Gefahrensituationen auftreten.
Die Rückkehr des Wolfes und die damit verbundenen Herausforderungen im Weidetierschutz sind nicht nur ein lokales, sondern auch ein nationales Thema mit komplexen Dimensionen. Laut dem Bundesamt für Naturschutz nimmt die Wolfspopulation in Deutschland immer mehr zu, wobei die Bestände hauptsächlich in bestimmten Bundesländern konzentriert sind. Eine bundesweite Überwachung der Wolfsvorkommen erfolgt regelmäßig, um die Entwicklungen im Auge zu behalten und die entsprechenden Schutzmaßnahmen anzupassen. Dies wird auch weiterhin wichtig bleiben, um das Zusammenleben zwischen Wölfen und Weidetierhaltern zu gewährleisten.