Am Freitagmorgen kam es in Schotten zu einem unkonventionellen Protest, als Aktivist*innen der Gruppe „Krokodil gegen Hessen Mobil“ die Büros der Straßenverkehrsbehörde besetzten. Die Polizei Osthessen erhielt gegen 10 Uhr einen Hinweis auf unbefugte Personen in den Büroräumen und stellte vor Ort vier Aktivist*innen fest. Unter ihnen waren drei Frauen, die sich mit Sekundenkleber an einem Fensterbrett fixiert hatten, während eine männliche Person das Büro ungehindert betreten hatte. Ein Banner, das aus einem Fenster im zweiten Obergeschoss hing, wurde von der Polizei entfernt und sichergestellt.
Die Polizei arbeitete eng mit der Feuerwehr zusammen, um die Sicherheit der Personen zu gewährleisten. Ein Sprungkissen wurde vorsorglich unter dem Fenster installiert, während die Maßnahmen zur Lösung der Klebestellen bis gegen 14:25 Uhr andauerten. Letztlich wurden die drei Frauen vorübergehend festgenommen, aber unverletzt zum Polizeiposten in Schotten gebracht. Die Behörden leiteten Ermittlungen wegen des Verdachts des Hausfriedensbruchs ein und prüfen weitere mögliche strafrechtliche Tatbestände.
Protest gegen die B49
Der Anlass für die spektakuläre Aktion war die geplante Umsetzung der B49 zwischen Lindenstruth und Reiskirchen. Die Aktivist*innen kritisieren dieses Bauvorhaben als überflüssig und fordern stattdessen den Wiederaufbau alter Bahnstrecken sowie einen ausgebauten öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV). Maxim Preis, einer der Protestierenden, brachte die Bedenken klar auf den Punkt: In Schotten gebe es keine echte Alternative zum Auto, während Geld in neue Straßen gesteckt werde, anstatt in den ÖPNV zu investieren.
Ein Blick auf das Projekt zeigt, dass die B49, die eine Gesamtlänge von 7,7 km umfasst und als vordringlicher Bedarf eingestuft ist, bedeutende Kosten mit sich bringt. Die Gesamtprojektkosten belaufen sich auf 31,1 Millionen Euro, während das Nutzen-Kosten-Verhältnis mit 4,4 bereits aufzeigt, dass die Maßnahme wirtschaftlich sinnvoll erscheint. Dennoch sind die Aktivist*innen überzeugt, dass die negative Auswirkungen auf Anwohner durch Lärm- und Schadstoffbelastungen in keiner Relation zur vermeintlichen Verbesserung der Verkehrssituation stehen. bvwp-projekte.de
Gesellschaftliche Akzeptanz von Mobilitätsmaßnahmen
Das Streitthema zeigt auch, wie unterschiedlich die Akzeptanz von Mobilitätsmaßnahmen in der Gesellschaft ist. Eine Untersuchung des Fraunhofer Instituts zeigt, dass gerade in städtischen Gebieten viele Menschen Maßnahmen zur Verbesserung der Mobilität tendenziell eher unterstützen, während diese in ländlichen Regionen kritischer betrachtet werden können. Besondere Gruppen wie Frauen oder Menschen höheren Bildungsgrades neigen dazu, Umweltinitiativen stärker zu befürworten.
Die Protestierenden rufen andere dazu auf, eigene Aktionen gegen Straßenbauprojekte zu initiieren und ein Zeichen für eine klimafreundlichere Mobilität zu setzen. In einer Zeit, in der die Meinungen über die Verkehrspolitik tief gespalten sind, ist es essenziell, die Gesellschaft aktiv in die Gestaltung von Verkehrskonzepten einzubeziehen und so die Akzeptanz zu fördern. isi.fraunhofer.de