Die Sparkasse Oberhessen ist auf dem besten Weg, ihre Vergangenheit während der NS-Zeit detailliert aufzuarbeiten. Wie die Frankfurter Neue Presse berichtet, hat das Institut ein Forschungsprojekt initiiert, das von Professor Eckart Conze, einem renommierten Zeithistoriker aus Marburg, geleitet wird. Ziel ist es, ein umfassendes Bild von der Rolle der Vorgängerinstitute der Sparkasse während des Nationalsozialismus zu schaffen.
Hierbei wird nicht nur untersucht, wie die damaligen Sparkassen mit ihren jüdischen Kunden umgegangen sind, sondern auch, wie sie an der „Arisierung“ und anderen diskriminierenden Praktiken beteiligt waren. Diese systematische Aufarbeitung bezieht sich auf verschiedene Aspekte, darunter Personalentwicklung, Kriegsfinanzierung und den Einsatz von Zwangsarbeitern. Konkrete Dokumentationen und Archivmaterial stehen dabei im Mittelpunkt des zweijährigen Projekts.
Gesellschaftliche Verantwortung und Transparenz
Ulrich Kaßburg, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, betont, dass diese Aufarbeitung nicht nur ein notwendiger Schritt zur Wahrheitsfindung ist, sondern auch ein Zeichen für die gesellschaftliche Verantwortung des Instituts setzt. Die Landräte Jan Weckler und Dr. Jens Mischak heben ebenfalls hervor, wie wichtig es ist, sich mit der belastenden NS-Vergangenheit auseinanderzusetzen. Professor Conze ergänzt, dass die regionale Bankenlandschaft im Kontext des Nationalsozialismus untersucht werden muss, um ein vollständiges Bild zu erhalten.
Die Ergebnisse dieser umfassenden Studie sollen der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und die Mitwirkung der Sparkassen an den Verbrechen des Nationalsozialismus detailliert dokumentieren. Damit wird eine fundierte gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Geschichte der Sparkasse möglich.
Ein Blick in die Vergangenheit anderer Sparkassen
Die 30-seitige Aufarbeitung dokumentiert unter anderem, dass die Sparkasse Räumlichkeiten mit Nazi-Symbolik wie Hitler-Büsten ausstattete und bei der Anwerbung von Personal auf die Mitgliedschaft in der NSDAP sowie den „Ariernachweis“ achtete. Schockierende Details der Studie decken auch auf, dass Konten jüdischer Kunden gesperrt wurden und während der Novemberpogrome 1938 die Synagoge in Osnabrück brandschatzte. Die damaligen Behörden ließen es nicht nur zu, dass diese Verbrechen stattfanden – sie waren auch direkt beteiligt, indem sie zu einem späteren Zeitpunkt eine Zwangsversteigerung der Synagoge anordneten.
Die Aufarbeitungen dieser Sparkassen verdeutlichen, dass es entscheidend ist, die Rolle von Finanzinstituten im Kontext der nationalsozialistischen Herrschaft zu verstehen. Jana Salden fand in ihrer Dissertation heraus, dass der Deutsche Sparkassen- und Giroverband aktiv an den Unrechtshandlungen des NS-Regimes partizipierte, was die Notwendigkeit der umfassenden Auseinandersetzung mit der Geschichte unterstreicht.
Solche Studien und Aufarbeitungen sollen nicht nur Erinnerungsarbeit leisten, sondern auch ein Bewusstsein dafür schaffen, dass ähnliche Verhaltensweisen nicht wiederholt werden dürfen. Es bleibt offen, wie aktuell betriebenen Strukturen sichergestellt werden, dass ethisches Verhalten und gesellschaftliche Verantwortung im Mittelpunkt stehen.
Insgesamt zeigt sich: Die Diskussion um die Verantwortung der Finanzinstitute in der Vergangenheit ist aktueller denn je. Die NS bietet nicht nur einfache Reisemöglichkeiten, sondern auch eine Plattform zur Reflexion über die Geschichte, mit der wir uns fragt, wie sich Lehren aus der Vergangenheit ziehen lassen. Die Sparkasse Oberhessen könnte mit ihrem Projekt einen wichtigen Beitrag zu einer solchen Reflexion leisten.