Im malerischen Vogelsbergkreis stehen die Kirchen in der Pfarrei Heilige Drei Könige vor einem tiefgreifenden Wandel. Das Bistum Mainz hat beschlossen, ab 2027 die finanziellen Zuweisungen für die Hälfte dieser Kirchen zu streichen, was die Schließung und möglicherweise die Profanierung der Gotteshäuser zur Folge haben könnte. Betroffen sind die Kirchen in Brauerschwend, Grebenau, Groß-Felda, Kirtorf, Nieder-Gemünden und Vockenrod. Diese Entscheidung basiert auf rückläufigen Besucherzahlen und einem generellen Mitgliederschwund, der nicht nur die katholische Kirche, sondern auch die evangelische Kirche sowie die Politik betrifft. Die Pfarrei steht nun vor der Herausforderung, bis zum Jahresende ein Nutzungskonzept für die profanierten Kirchen vorzulegen, andernfalls könnten diese verkauft werden. Die Verkehrswertgutachten für die betroffenen Gebäude liegen bereits vor, was darauf hindeutet, dass die Zeit drängt.
Die Erhaltungskosten der Kirchen stellen ein weiteres Problem dar, insbesondere angesichts der sinkenden Einnahmen aus Kirchensteuern. Der Zuschuss für die Kirchen in Ohmes und Seibelsdorf beträgt lediglich 16,5%, während die Kirche in Romrod 33% erhält. Die 1-kategorisierten Gebäude in Alsfeld, Homberg und Ruhlkirchen können sich noch über 50% Zuschuss freuen. Die Entscheidung zur Profanierung wurde in einer Projektgruppe erarbeitet und in Gemeindeversammlungen vorgestellt, was zeigt, dass die Gemeinde aktiv in diesen Prozess einbezogen wird. Dennoch bleiben Fragen zur zukünftigen Nutzung und zur Unterstützung durch das Bistum offen.
Der Profanierungsprozess
Die Profanierung, auch Entweihung genannt, nimmt einer Kirche ihren sakralen Charakter und macht sie als profanen Raum nutzbar. Zu den häufigsten Gründen für eine Profanierung zählen demografische Veränderungen, wirtschaftliche Erwägungen und strukturelle Neuordnungen in der Kirchengemeinde. Der Ablauf des Profanierungsprozesses erfordert eine formelle Entscheidung des Ortsbischofs und umfasst die Prüfung pastoraler sowie rechtlicher Aspekte. In der Regel wird der Prozess mit einer liturgischen Feier abgeschlossen, die den Übergang zum weltlichen Raum markiert. Damit verliert eine Kirche ihre liturgische Funktion und gilt nach der Profanierung als endgültig geschlossen.
Nach der Profanierung ergeben sich jedoch neue Nutzungsmöglichkeiten für das Gebäude. Denkbar sind kulturelle Nutzungen, wie Ausstellungs- oder Veranstaltungsräume, sowie Bildungs- und Sozialprojekte, die als Gemeindezentren oder Bildungseinrichtungen dienen könnten. Die flexible Nutzung bietet zudem die Möglichkeit, das Gebäude zu einem späteren Zeitpunkt wieder sakral zu nutzen.
Zusammenhang mit der allgemeinen Entwicklung
Diese Entwicklungen sind nicht isoliert zu betrachten. In Deutschland wurden im Jahr 2025 bereits mindestens 46 katholische Kirchen oder Kapellen profaniert, was im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang darstellt. Der Hintergrund dieser Entwicklung ist der anhaltende Mitgliederschwund der beiden großen Kirchen. Im Jahr 2024 zählte die katholische Kirche in Deutschland über 19,7 Millionen Mitglieder, während die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) knapp 18 Millionen Mitglieder verzeichnete. Für die EKD liegen zwar keine aktuellen Daten zu den Profanierungen vor, jedoch zeigt der zuletzt verfügbare Wert aus dem Jahr 2022, dass rund 23 evangelische Kirchen und Gemeindezentren verkauft oder abgerissen wurden.
Die Situation im Vogelsbergkreis spiegelt somit einen breiteren Trend wider, der sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche betrifft. Die Herausforderungen, vor denen die Gemeinden stehen, sind nicht nur finanzieller Natur, sondern betreffen auch das Selbstverständnis und die Nutzung des sakralen Raumes in der modernen Gesellschaft. Während die Pfarrei Heilige Drei Könige nun spezifische Nutzungskonzepte entwickeln muss, bleibt abzuwarten, wie andere Gemeinden mit ähnlichen Herausforderungen umgehen werden. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in dem Artikel der Giessener Allgemeinen, sowie auf der Webseite des Erzbistums Paderborn und in einem weiteren Bericht auf Kirche und Leben.