Wer hätte gedacht, dass die kleinen hessischen Staaten eine so große Rolle im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gespielt haben? Robert Focken, ein leidenschaftlicher Historiker und Autor, macht dieser wichtigen Episode mit seinem neuen Buch „Fangt den Washington“ ein Denkmal. Laut HNA beleuchtet Focken die „vermieteten“ Soldaten aus Waldeck und Hessen, die von 1776 bis 1783 auf britischer Seite kämpften. Diese Veröffentlichung erscheint zur Feier des 250-jährigen Bestehens der Vereinigten Staaten.
Im Zentrum der Erzählung steht die hypothetische Frage: Was wäre geschehen, wenn George Washington gefangen genommen oder gar getötet worden wäre? Focken bringt mit seinem Buch nicht nur packende Geschichten, sondern auch aufschlussreiche Informationen über die Geschichte dieser Soldaten.
Ein tragfähiges Geschäft
Deutschland war zur damaligen Zeit in viele Kleinstaaten aufgeteilt, die im Heiligen Römischen Reich organisiert waren. Man mag es kaum glauben, aber Hessen-Kassel stellte über 12.000 Soldaten für die britische Armee bereit und schloss einen Subsidienvertrag mit König Georg III. von England ab. Am 15. Januar 1776 wurde dieser Vertrag unterzeichnet, wie Hessenschau berichtet.
Etwa 30.000 Deutsche, wovon schätzungsweise 19.000 aus Hessen stammten, kämpften letztlich für England. Auch das waldeckische Regiment, das um die 670 Soldaten und 14 Artilleristen umfasste, stellte sich in den Dienst der britischen Krone. Damit verbindet die Region eine bemerkenswerte Geschichte, die Focken in seiner Erzählung zum Leben erweckt.
Die Schattenseite der „Söldner“
Focken thematisiert in seinem Buch auch die Moral des „Soldatenhandels“, was durchaus umstritten ist. Hessen stellte insgesamt rund 17.000 Soldaten, die für die Briten kämpften, während über 6.500 von ihnen in den Kämpfen verloren gingen. Viele Soldaten desertierten oder gerieten in Gefangenschaft, und zahlreiche andere blieben nach dem Krieg in Nordamerika – ein faszinierendes, wenn auch bedrückendes Kapitel der Geschichte. Wikipedia führt aus, dass Hessen-Kassel nicht nur Soldaten sondern auch schwarze Sklaven als Kämpfer rekrutierte. Ein kleiner Teil kämpfte jedoch auch auf Seiten der amerikanischen Kontinentalarmee, wie etwa der Preuße Friedrich Wilhelm von Steuben.
Eine aktuelle Ausstellung im Marburger Staatsarchiv mit dem Titel „1776 – Hessen und die amerikanische Unabhängigkeit“ beleuchtet ebenfalls die hessischen Söldner. Sie zeigt historische Dokumente, darunter private Briefkorrespondenzen und Tagebucheinträge von Soldaten. Der Historiker Holger Gräf stellt die Verstrickungen zwischen Hessen und den USA heraus und erklärt die Einordnung dieser Soldaten im Kontext des Krieges. Die Ausstellung läuft noch bis Ende März und bietet einen tiefen Einblick in die tragischen Schicksale der Soldaten, die zum Teil aus Hesse-Kassel stammten und ein wichtiges, wenn auch oft düsteres, Kapitel der Geschichte repräsentieren.
Robert Focken, der in Höxter geboren wurde und in Holzminden aufwuchs, hat bereits mit anderen Historienromanen, die in Waldeck-Frankenberg spielen, für Aufsehen gesorgt. Seine Arbeiten zeugen von einer hohen Geschlossenheit und Leidenschaft für die regionalen Geschichten. Mit „Fangt den Washington“ präsentiert er eine fesselnde und aufschlussreiche Lektüre, die die Rolle der hessischen Soldaten im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg eindrucksvoll beleuchtet und uns dazu einlädt, über die komplexen Verhältnisse nachzudenken.