Der öffentliche Nahverkehr in Hessen steht derzeit im Zeichen von Warnstreiks, die am vergangenen Dienstag um 3.30 Uhr in Kassel und um 4.00 Uhr in Frankfurt und Wiesbaden begannen. Diese Maßnahme, die auch in Städten wie Marburg und Gießen Auswirkungen zeigt, ist Teil einer größeren bundesweiten Bewegung, zu der die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hat. Die Streiks sind für Freitag und in einigen Regionen auch für Samstag geplant, was bedeutet, dass viele Verkehrsmittel in den betroffenen Städten ausfallen werden. In Frankfurt und Kassel wird erwartet, dass die U-Bahnen und Straßenbahnen für voraussichtlich 48 Stunden stillstehen werden, während in Wiesbaden die meisten Buslinien betroffen sind, mit Ausnahme der Linien 5, 28, 39 und 46 sowie den Regionalbussen. Die Wi-Mobil ist ebenfalls vom Warnstreik betroffen, während in Gießen und Marburg die Auswirkungen für Pendler geringer ausfallen, da hier unterschiedliche Tarifverträge für das Fahrpersonal gelten.

Die Hintergründe dieser Streiks sind die laufenden Tarifverhandlungen in allen 16 Bundesländern mit den kommunalen Arbeitgeberverbänden. Verdi fordert unter anderem bessere Arbeitsbedingungen, was kürzere Wochenarbeitszeiten, längere Ruhezeiten und höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit beinhaltet. Trotz bereits vier Verhandlungsrunden kommen die Gespräche kaum voran. Arbeitgeber beklagen einen fehlenden Fortschritt und insbesondere die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) kritisieren die unklare Prioritätensetzung seitens Verdi. Wie Verdi selbst betont, sind die Beschäftigten in fast allen Bundesländern zur Arbeit niedergelegt worden, und die Warnstreiks führen nicht nur zu Einschränkungen im öffentlichen Verkehr, sondern auch zu einem Anstieg des Autoverkehrs und einer höheren Nachfrage nach Taxis.

Auswirkungen und Ausblick auf die Streiks

In der kommenden Woche werden rund 5.200 Beschäftigte in Städten wie Frankfurt, Wiesbaden, Kassel, Gießen, Marburg und Offenbach zu weiteren Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Während die Offenbacher Verkehrsbetriebe nur am Freitag bestreikt werden, sind die anderen Städte an beiden Tagen betroffen. Die Warnstreiks sind nicht nur auf Hessen beschränkt, sondern betreffen bundesweit 150 öffentliche Verkehrsunternehmen. Insgesamt sind etwa 100.000 Beschäftigte betroffen und in vielen Tarifbereichen wird auch über höhere Löhne verhandelt, insbesondere in Bayern, Brandenburg, dem Saarland und Thüringen.

Die Streiks sind eine Antwort auf die unzureichenden Ergebnisse der Tarifverhandlungen, die, wie Christine Behle, stellvertretende Verdi-Vorsitzende, betont, kaum Fortschritte zeigen. Eine kürzlich durchgeführte Studie von Verdi und der Klima-Allianz Deutschland belegt zudem die hohen Belastungen, denen das Fahrpersonal ausgesetzt ist. Die aktuelle Situation wird nicht nur durch die Arbeitsbedingungen, sondern auch durch die anhaltenden Streiks in vielen Regionen verschärft. So bleibt abzuwarten, wie sich die Verhandlungen entwickeln und ob es zu einer Einigung kommt, die die Interessen der Beschäftigten ausreichend berücksichtigt. Für die betroffenen Pendler heißt es derweil: Alternativen wie S-Bahnen, Regionalzüge, städtische Buslinien und Regionalbusse stehen zur Verfügung, um die Einschränkungen im Nahverkehr zu umgehen.

Weitere Informationen zu den Streiks und den Forderungen von Verdi finden Sie in den ausführlichen Berichten von FAZ, n-tv und ver.di.