Die Rückkehr des Wolfes in Deutschland ist ein spannendes und kontroverses Thema, das sowohl Naturschützer als auch Landwirte gleichermaßen beschäftigt. Aktuell sorgt die Wölfin „GW4868f“ für Aufregung, da sie seit September 2025 in der Region zwischen Bad Hersfeld und Heringen mehrfach bei Wild- und Nutztierrissen nachgewiesen wurde. Besonders auffällig war der Vorfall im Dezember 2025, als in einem Offenstall in Lautenhausen drei Schafe getötet und ein weiteres verletzt wurden. Eine genetische Analyse bestätigte, dass der Schaden durch den Wolf verursacht wurde, was die Besorgnis der Tierhalter weiter verstärkt. Diese Wölfin stammt ursprünglich aus Thüringen und wurde erstmals im Juni 2025 in ihrem Herkunftsterritorium dokumentiert. Seit dem 17. September 2025 wurde sie dreimal bei Wildtierrissen und zuletzt bei dem Nutztierschaden registriert, was zu der Frage führt, ob sie bald als sesshaft gelten könnte. Sollte sie nach dem 17. März 2026 erneut nachgewiesen werden, würde ein neues Territorium in diesem Bereich ausgewiesen werden, da die Kriterien des Bundesamts für Naturschutz dafür erfüllt sein müssen.
Die Problematik der Wölfe, die Nutztiere reißen, ist kein Einzelfall. Bereits im Jahr 2022 wurden in Hessen mehrere Nutztierrisse durch Wölfe dokumentiert. Genetische Analysen bestätigten Wolfs-DNA bei zwei Rissfällen, bei denen insgesamt drei Schafe getötet wurden, darunter zwei Schafe bei Bad Hersfeld und ein weiteres in Greifenstein. In diesem Jahr gab es insgesamt sieben dokumentierte Nutztierschäden durch Wölfe in Hessen, bei denen insgesamt acht Nutztiere ums Leben kamen. Die Weidetierhalter sind aufgerufen, ihre Tiere zu schützen, und können unter bestimmten Voraussetzungen finanzielle Ausgleichszahlungen für von Wölfen verursachte Schäden erhalten. Ein amtlicher Nachweis ist allerdings erforderlich, und Rissverdachtsfälle müssen innerhalb von 24 Stunden an das Wolfszentrum Hessen (WZH) gemeldet werden.
Der Umgang mit Wölfen in Deutschland
Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) spielt eine zentrale Rolle im Umgang mit der Rückkehr der Wölfe in Deutschland. Sie berät Behörden und fasst Daten zum Wolfsvorkommen zusammen. Im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz werden aktuelle Ergebnisse aus dem Monitoring des deutschen Wolfsvorkommens bereitgestellt. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Entwicklungen in Sachsen, wo ein mehrjähriges Landesprogramm zur Besenderung von Wölfen gestartet wurde. Jährlich werden Wölfe mit Halsbandsendern ausgestattet, um wertvolle Daten zur Raumnutzung zu sammeln.
In Thüringen wurde kürzlich ein neues Wolfsterritorium im Altenburger Land bestätigt, was die Zunahme der Wolfspopulation in Deutschland unterstreicht. Zudem wurde im Vogtland das erste Wolfsrudel mit mindestens zwei erwachsenen Tieren und drei Wolfswelpen amtlich bestätigt. Diese Entwicklungen werfen Fragen auf, wie der Mensch mit den Wölfen und den damit verbundenen Herausforderungen umgehen kann. Die Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE) hat in der Vergangenheit die Behörden aufgefordert, konsequent auf auffälliges Verhalten von Wölfen zu reagieren, um Vorfälle wie den Angriff eines mutmaßlichen Wolfs auf ein Kind in den Niederlanden zu vermeiden. In Deutschland gibt es klare Handlungsempfehlungen für den Umgang mit auffälligen Wölfen, um ähnliche Vorfälle zu verhindern.
Die Diskussion über die Rückkehr des Wolfes ist facettenreich und erfordert ein sensibles Gleichgewicht zwischen Naturschutz und den Bedürfnissen der Landwirte. Die Entwicklungen rund um GW4868f und andere Wölfe in Deutschland werden weiterhin genau beobachtet, während die Gesellschaft sich mit den Herausforderungen und Chancen auseinandersetzt, die diese majestätischen Tiere mit sich bringen.