In Eschwege wird in diesen Tagen nicht nur das zehnjährige Bestehen der Initiative „Eschwege hilft“ gefeiert, sondern auch ein Beispiel für gelebte Solidarität und Menschlichkeit. Im Winter 2015 wurden hier die ersten Hilfsaktionen für geflüchtete Familien gestartet, nachdem Karl Montag von dem großen Bedarf an Matratzen für Kinder in einem Erstaufnahmelager hörte. Spontan mobilisierten sich fast 100 Menschen und halfen bei der Sammlung und Verteilung von Spenden. Heute blickt der Verein auf ein breites Spektrum an Hilfsprojekten zurück, die weit über die Stadtgrenzen hinaus wirken. So wurden 2025 beispielsweise vier vollständig beladene 40-Tonner mit Hilfsgütern in die Ukraine geschickt, und auch nach der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 sowie dem Erdbeben in der Türkei 2023 leistete „Eschwege hilft“ wichtige Unterstützung. meineregion365.de berichtet, dass der Verein vor kurzem in ein ehemaliges Verwaltungsgebäude der Eschweger Brauerei umgezogen ist, da der Platz in den bisherigen Räumlichkeiten kaum noch reicht.

Der Verein unterstützt nicht nur international, sondern kümmert sich auch um lokale Hilfsbedarfe, etwa für finanziell angeschlagene Familien oder nach Wohnungsbränden. Besonders bemerkenswert ist das Sozialkaufhaus, das zweimal pro Woche geöffnet ist und von 50 ehrenamtlichen Helfern aus sieben verschiedenen Nationen betrieben wird. Diese engagierten Menschen sammeln und spenden Kleidung, Kleinmöbel, Haushaltswaren und Medikamente – alles für einen guten Zweck. Damit alles reibungslos läuft, sind Geldspenden unerlässlich, denn jeder Transport in Krisengebiete kann bis zu 3000 Euro kosten.

Wachsender Bedarf und Platzmangel

Die Initiative „Eschwege hilft“ blickt optimistisch in die Zukunft und plant auch für 2026 weitere Hilfsaktionen. Doch der Platz wird zunehmend knapp. Aktuell sucht der Verein dringend nach größeren Lagerräumen in Stadtmitte, da die vorhandenen Kapazitäten nicht mehr ausreichen. Im Jahr 2025 hat der Verein auch eine besondere Aktion durchgeführt, bei der ein großes Notstromaggregat für ein Krankenhaus, einen Kindergarten und eine Schule in der Ukraine bereitgestellt wurde. Wie werra-rundschau.de berichtet, wird das ganze Jahr über Kleidung, Möbel und Einrichtungsgegenstände gesammelt.

Ein weiterer Höhepunkt dieser Hilfsarbeiten war der Weihnachtsmarkt, bei dem 200 Geschenkpäckchen an Kinder verteilt wurden. Auch die Unterstützung von lokalen Bedürftigen, beispielsweise durch ein Projekt zur Zusammenstellung von Babynotfalltaschen in Zusammenarbeit mit dem Werra-Meißner-Kreis, zeigt den umfassenden Ansatz, den „Eschwege hilft“ verfolgt. Die Spendenbereitschaft der Bevölkerung ist groß, doch es fehlen speziell Babysachen, Bettwäsche und Kleinmöbel, um weiterhin helfen zu können.

Integration und Herausforderungen für Flüchtlinge

Neben materieller Hilfe spielt auch die Integration von Flüchtlingen eine zentrale Rolle. Viele geflüchtete Menschen empfinden das Leben in Deutschland als fremd und kämpfen mit den täglichen Herausforderungen von Behörden bis zur Sprachbarriere. Laut uno-fluechtlingshilfe.de fühlen sich Flüchtlinge oft einsam und überfordert. Vor allem minderjährige Flüchtlinge ohne familiäre Unterstützung benötigen zusätzliche Hilfe. Antworten auf diese Herausforderungen findet „Eschwege hilft“ durch lokale Netzwerke aus ehrenamtlichen Helfern, die Flüchtlinge im Alltag begleiten und ihnen helfen, sich besser zurechtzufinden. Diese gegenseitige Solidarität ist fundamental, damit eine gelungene Integration und ein harmonisches Miteinander gelingen kann.

Karl Montag, der Gründer von „Eschwege hilft“, weist darauf hin, dass die Anerkennung oft von den Menschen selbst kommt und nicht von großen Institutionen. In diesem Sinne wird in Eschwege seit zehn Jahren Menschlichkeit ohne Pause gelebt, mit dem gemeinsamen Ziel, notleidenden Menschen eine Perspektive zu geben.