In Eschwege hat sich ein ganz besonderer Chor etabliert: „Stimmt so, der etwas ‚andere‘ Chor“ wird seit fünf Jahren von Thomas Martin geleitet. Der Chor zählt 15 Sängerinnen und Sänger, die für ihre außergewöhnliche Vortragsweise bekannt sind. Gegründet wurde der Chor im Jahr 2020 während der Coronapandemie, mit dem Ziel, den Chorgesang auch in schwierigen Zeiten aufrechtzuerhalten. „Die Stimme ist das beste Instrument“, betont Martin und zeigt damit seine Leidenschaft für den A-cappella-Gesang. Er selbst ist als aktiver Sänger im Chor tätig und bringt 40 Jahre Erfahrung als Chorleiter mit, wobei er bereits viele andere Chöre geführt hat, bevor er diesen besonderen Chor ins Leben rief. Der erste Song, den die Sängerinnen und Sänger auf die Bühne brachten, war „Auf Amol ist olles anders“ von Stevy Wilhelm.

Während der Pandemie war das Proben eine Herausforderung, denn die Hygienevorschriften verlangten kreative Lösungen. Statt in geschlossenen Räumen fanden die Proben an verschiedenen Orten im Freien statt. Umso mehr erfreut es die Mitglieder, dass sie seit März 2025 donnerstags im Aufenthaltsraum der Awo-Einrichtung „Alte Brauerei“ proben können. Die 15 Mitglieder des Chors stammen aus verschiedenen Orten, darunter Bebra, Breitzbach und Altenburschla. Außerdem pflegt der Chor eine gute Beziehung zu den Bewohnern der Einrichtung und beteiligt sich aktiv an deren Veranstaltungen.

Die Folgen der Pandemie für die Chormusik

Die Auswirkungen von Corona auf die Chorgesang-Szene sind nicht zu übersehen. Wie domradio berichtet, spürt die Kirchenmusik auch fünf Jahre nach dem ersten Lockdown die Folgen der Krise. Der Lockdown im März 2020 führte zu erheblichen Einschnitten, weshalb viele Chöre, einschließlich des bekannten Kölner Domchores, ihre Auftritte absagen mussten. Singen wurde als riskant eingestuft, und das führte zu einem dramatischen Verlust an Gemeinschaft unter den Chormitgliedern.

Um trotz der schwierigen Umstände aktiv zu bleiben, haben sich viele Chöre auf digitale Proben umgestellt, jedoch waren diese oft wenig erfolgreich. Virtuelle Chorvideos halfen, die Verbundenheit aufrechtzuerhalten, doch der Verlust von Mitgliedern war während der Pandemie spürbar, denn besonders ältere Sängerinnen und Sänger hörten auf. Richard Mailänder betonte 2022, dass viele Chöre mit einem Rückgang von rund 30 Prozent konfrontiert waren, ein Umstand, der für die Chormusik bedrohlich ist.

Ein Ausblick und die Vision von Thomas Martin

Thomas Martin hat nicht nur den „Stimmt so“-Chor am Leben erhalten, sondern mit ihm auch eine Vision für ein großes Chorkonzert an der Schäferhalle in Eschwege entwickelt. Der Chor selbst erhebt keinen Jahresbeitrag und finanziert sich durch Spenden, was die Unabhängigkeit und Kreativität des Ensembles unterstreicht. Trotz der Herausforderungen, die die Pandemie gebracht hat, bleibt der Enthusiasmus von Martin und seinen Sängern ungebrochen.

Auf die künstlerischen Leistungen der Chöre wirkt die Pandemie nicht nur isoliert. Wie eine Studie des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters zeigt, hat die überschwängliche Nutzung digitaler Medien unter Kindern und Jugendlichen während der Pandemie zu einem Anstieg riskanter Nutzungsverhalten geführt. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, soziale Bindungen durch persönliche Interaktionen, sei es im Chor oder in der Kirche, aufrechtzuerhalten.

In Eschwege bleibt der Chol „Stimmt so“ ein krönendes Beispiel dafür, wie Gemeinschaft durch die Musik gestärkt werden kann, auch in der herausfordernden Zeit nach der Pandemie.