Im Hessischen Landtag wurde jüngst der Gesetzentwurf für das Grüne Band Hessen vorgestellt, ein wegweisendes Projekt von Umwelt- und Heimatminister Ingmar Jung. Ziel des Gesetzentwurfs ist es, die Natur im hessischen Abschnitt von Europas größtem Biotopverbund zu schützen und gleichzeitig die Erinnerung an die Teilung Deutschlands sowie deren friedliche Überwindung aufrechtzuerhalten. Um diese Ziele zu fördern, hat das Land Hessen die Internetseite www.gruenesbandhessen.de ins Leben gerufen, die natur- und geschichtsnahen Tourismus fördert.

Die Website bietet eine interaktive Karte, die Grenzmuseen, Erinnerungsorte, Wander- und Radwege sowie das Kanurevier Werra aufzeigt. Zudem sind detaillierte Informationen, Kontaktdaten, Anreiseempfehlungen sowie herunterladbare Karten und Broschüren verfügbar. Ein regionsübergreifender Veranstaltungskalender wird das Angebot ergänzen und Bürgerdialoge haben es Landnutzern, Naturschützern und interessierten Bürgern ermöglicht, ihre Anregungen einzubringen. Der Gesetzentwurf basiert auf Kooperation und Freiwilligkeit und verbindet somit Erinnerungskultur, Naturschutz und nachhaltige Regionalentwicklung. Alle drei hessischen Landkreise am Grünen Band haben zur Website beigetragen, unterstützt von Institutionen wie Landschaftspflegeverbänden, dem UNESCO-Biosphärenreservat Rhön und Tourismusbeauftragten.

Die Zonen des Grünen Bands

Das Grüne Band gliedert sich in drei Zonen, die unterschiedliche naturschutzfachliche Bedeutung aufweisen. Die erste Zone, die Kernflächen, macht 29% der Gesamtfläche aus und besteht aus Flächen mit herausragendem Naturschutzwert. Diese Flächen stehen als Naturschutzgebiete oder Kernflächen von HessenForst unter besonderem Schutz und sind somit von wesentlicher Bedeutung für das geplante Naturmonument.

Die zweite Zone umfasst bestehende Schutzgebiete und macht 56% der Gesamtfläche aus. Diese Bereiche sind Teil des Natura2000-Netzes der EU und haben bereits einen Schutzstatus. Hier kommen Entwicklungsziele und Förderprogramme zum Tragen, wobei Vertragsnaturschutz eine große Rolle spielt. Die dritte Zone, die Förderzone, umfasst landwirtschaftlich genutzte Flächen ohne besondere naturschutzfachliche Bedeutung, die jedoch eine wichtige Verbundfunktion bieten. Maßnahmen in dieser Zone sollen langfristig durch freiwillige Vereinbarungen umgesetzt werden.

Die Bedeutung des Grünen Bands

Das Grüne Band Hessen wurde 2023 als Nationales Naturmonument unter Schutz gestellt und steht für friedlichen Wandel, Freiheit und Verantwortung aus der Geschichte. Über 80% des Grünen Bands sind bereits als Nationales Naturmonument geschützt, und Deutschland hat das Grüne Band Anfang 2024 als Welterbestätte bei der UNESCO vorgeschlagen. Ziel dieser Initiative ist der dauerhafte Schutz und die Anerkennung des Natur- und Kulturwertes des Grünen Bands, das sich über 1.400 km entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze erstreckt.

Das Grüne Band hat sich zu einem Rückzugsort für zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten entwickelt, darunter der Goldene Scheckenfalter, die Flussperlmuschel und der Luchs. Schutzmaßnahmen, wie die Beweidung mit Rindern, Ziegen oder Schafen, fördern die Offenlandschaft und die biologische Vielfalt. Eine vorläufige Geschäftsstelle für das Welterbe Grünes Band wird mit Mitteln des Thüringer Umweltministeriums eingerichtet, um den Nominierungsprozess für das UNESCO-Welterbe weiter voranzutreiben.

Insgesamt zeigt das Grüne Band Hessen, wie Naturschutz und Erinnerungskultur Hand in Hand gehen können, während es gleichzeitig als Beispiel für nachhaltige Regionalentwicklung dient. Die Initiative wurde im Austausch mit der Bevölkerung entwickelt und hat das Potenzial, sowohl die Natur als auch die geschichtlichen Aspekte der Region zu bewahren und zu fördern.