In Bad Nauheim, einer charmanten Stadt im Wetteraukreis, gibt es erfreuliche Neuigkeiten für die Bevölkerung: Das Netz an öffentlich zugänglichen Defibrillatoren (AEDs) wurde erweitert. Mit insgesamt 25 installierten AEDs ist die Stadt nun besser gerüstet, um im Notfall zu helfen. Die neuen Geräte wurden an strategisch wichtigen Standorten mit Unterstützung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Bad Nauheim platziert. Die neuen Standorte sind das Inhalatorium am Gradierbau I, „KIKS UP“ im Goldsteinpark, die WC-Anlage am Großen Teich und der Baubetriebshof. Alle Standorte sind durch grüne Hinweisschilder gekennzeichnet, die im Notfall schnell den Weg zu diesen lebensrettenden Geräten weisen.

Besonders hervorzuheben ist die Bedeutung von AEDs in kritischen Situationen. Sie sind entscheidend bei lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen, denn eine Behandlung innerhalb der ersten Minuten kann die Überlebenschance auf über 90% erhöhen. Die AEDs in Bad Nauheim sind zudem mit Sprachsteuerung ausgestattet, die beim Öffnen des Geräts aktiviert wird. Diese Geräte analysieren den Herzrhythmus und fordern zur Defibrillation auf, wenn dies notwendig ist. Ein fehlerhafter Gebrauch ist praktisch ausgeschlossen, und eine Umschalttaste ermöglicht den Einsatz bei Kindern ab etwa 8 Jahren (25 Kilogramm). Die genauen Standorte der AEDs sind auf einer interaktiven Stadtkarte unter www.bad-nauheim.de/interaktive-karte verfügbar.

Studien belegen den Nutzen von AEDs

Eine aktuelle Studie, die beim ESC Congress 2023 in Amsterdam präsentiert wurde, zeigt den Einfluss von Defibrillatoren auf das Überleben nach einem Herzstillstand. Erstautor Mathias Hindborg vom Nordsjaellands Hospital in Dänemark analysierte Daten des Dänischen Herzstillstand-Registers von 2016 bis 2020. Die Studie umfasst 7471 Patienten, die vor Zeugen einen Herzstillstand erlitten haben. Von diesen Patienten wurden 14,7% vor Eintreffen der Rettungskräfte defibrilliert, während 85,3% keinen AED-Einsatz erfuhren.

Die Ergebnisse sind beeindruckend: 44,5% der defibrillierten Patienten überlebten 30 Tage nach dem Vorfall, im Vergleich zu nur 18,8% der nicht defibrillierten Patienten. Diese Zahlen belegen eindrucksvoll, dass der Einsatz von AEDs die Überlebenschancen signifikant erhöht, unabhängig von den Rettungszeiten, wobei der größte Nutzen bei Zeiten von 6 bis 8 Minuten zu verzeichnen ist. Hindborg hebt hervor, dass kardiopulmonale Reanimation (CPR) bei allen Patienten durchgeführt wurde, was die Bedeutung der AEDs weiter unterstreicht.

Die Situation in Deutschland

In Deutschland erlitten im Jahr 2022 schätzungsweise rund 136.000 Menschen außerhalb einer Klinik einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand – das sind etwa 370 Fälle pro Tag. Leider überlebten nur knapp 11% der Patienten, was seit Jahren stabil bleibt. In nur 2% der Fälle führten Ersthelfer vor dem Eintreffen der Rettungskräfte eine Defibrillation durch. Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) sieht diese Entwicklung jedoch als positiv und als Hinweis auf die Wirksamkeit von Smartphone-basierten Systemen.

Obwohl der Rettungsdienst in 73,2% der Fälle innerhalb von acht Minuten eintraf, wurde das bundesweite Ziel von 80% erneut verfehlt. Kritiker wie die Björn-Steiger-Stiftung mahnen, dass ein Eintreffen der Sanitäter nach zehn oder 15 Minuten bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zu spät sei. Eine Reform zur Verbesserung der Situation scheiterte im vergangenen Jahr, doch die neue Regierung plant einen Neuanlauf im Herbst.

Bad Nauheim zeigt durch die Installation neuer AEDs, wie wichtig die Sensibilisierung und Ausstattung mit lebensrettenden Geräten ist. In Anbetracht der alarmierenden Zahlen ist es essenziell, dass weitere Städte und Gemeinden diesem Beispiel folgen, um die Überlebenschancen bei Herzstillständen zu erhöhen.