In Butzbach sammelten sich am 28. November 2025 etwa 280 Bürger in der Alten Turnhalle, um einem Vortrag von Professor Dr. Claus Leggewie zu folgen. Der emeritierte Politikwissenschaftler warnte eindringlich vor der geplanten Neugründung einer Jugendorganisation der Alternative für Deutschland (AfD). Diese Veranstaltung erhielt viel Aufmerksamkeit, besonders von jungen Menschen, die teilweise stehen mussten, um diesen wichtigen Diskurs mitzuverfolgen. Unter den Anwesenden war auch Ehrenbürgermeister Michael Merle von der SPD, während das Stadtoberhaupt Sascha Huber von der CDU entschuldigt fehlte. Das „Bündnis für Demokratie und Menschenwürde“ war ebenfalls mit einem Informationsstand präsent, was zeigt, dass das Thema viele Kölner Bürger beschäftigt.
Leggewie betonte in seinem Vortrag die Gefahren, die aus der möglichen Rückkehr extremer Positionen in die gesellschaftliche Mitte drohen könnten. Er nannte die neue Jugendorganisation das „freundliche Gesicht des Nationalsozialismus“ und warnte vor der Entwicklung eines völkischen Narrativs für die Jugend. Die junge Generation dürfe nicht in die extremen Ideologien der AfD hineingezogen werden, die bereits eine Radikalisierung in der Partei feststellt. Laut einer jüngsten Erhebung sind etwa 30% der AfD-Mitglieder extremistisch orientiert, was die Dringlichkeit dieser Warnung unterstreicht. [FNP] berichtet, dass Leggewie appellierte, demokratische Bündnisse zu bilden und trat dafür ein, aktiv gegen mögliche anti-demokratische Tendenzen vorzugehen.
Das geplante Event in Gießen
Die Gründung des neuen AfD-Nachwuchsverbands soll am kommenden Wochenende, den 29. und 30. November 2025, in Gießen stattfinden. Dies wirft Fragen auf, wie der Zugang zur politischen Bildung und zu Themen wie Migration und Umweltschutz gestaltet werden kann, ohne dass die AfD ihre Position ausbauen kann. In der Diskussion um die Ansichten des AfD-Landtagsabgeordneten Andreas Lichert, der sich im rechtsextremen „Flügel“ der Partei positioniert, wird deutlich, dass auch antisemitische Äußerungen kein Zufall sind, sondern Teil einer breiteren Rhetorik. [Landbote] hebt hervor, dass Leggewie als zentrale Herausforderung sieht, die Themen von den vermeintlich populären Positionen der AfD abzulenken und einer breiten gesellschaftlichen Diskussion zuzuführen.
Die Anziehungskraft der AfD auf junge Männer wird nicht zuletzt durch den Verlust der Glaubwürdigkeit anderer Parteien, insbesondere der Grünen, begünstigt. Leggewie wies auf die Rolle von sozialen Medien hin, die dazu beitragen, dass Unwahrheiten und Verschwörungstheorien in der Öffentlichkeit verbreitet werden. Der Gender-Diskurs und die Vorstellung einer „Krise der Maskulinität“ sind dabei relevante Punkte, die Jugendliche ansprechen könnten und die separat von der AfD diskutiert werden sollten. Der Politikwissenschaftler versprach sich von übergreifenden Klima-Koalitionen und Jugendforen eine positive Entwicklung hinsichtlich der Diskussion über umweltpolitische Themen und die Stärkung der demokratischen Werte.
Radikalisierung und rechtsextreme Tendenzen
Es ist unbestritten, dass sich die Radikalisierung innerhalb der AfD in den letzten Jahren verschärft hat. Die Partei wurde bereits 2019 als „Prüffall“ vom Verfassungsschutz eingestuft, und 2023 wurde ihre Jugendorganisation sowie drei ostdeutsche Landesverbände als „gesichert rechtsextremistisch“ klassifiziert. Leggewie sprich sich gegen ein Verbot aus demokratie-theoretischen Gründen aus, appelliert jedoch dafür, die Ideologien der AfD aktiv zu bekämpfen. [bpb] skizziert die Sorge vieler Bürger, dass ein Verbot nur eine oberflächliche Lösung sei und die extremistischen Strukturen nicht beseitigen würde. Der Diskurs über den Umgang mit der AfD bleibt daher zentral und erfordert ein umsichtiges und fundiertes Eingehen auf die Inhalte, die die Partei propagiert.
Abschließend möchte Leggewie die Bürger motivieren, aktiv zu werden. Er stellte fest, dass die hohe Zahl an Besucherinnen und Besuchern in Butzbach zeigt, dass sich viele Menschen für die Themen Demokratie und Menschenwürde interessieren. Für die bevorstehenden Protestaktionen gegen die AfD-Veranstaltung in Gießen äußerte er die Hoffnung auf friedliche Demonstrationen, und dass ein starkes Zeichen gegen jede Form der Radikalisierung gesetzt werden kann.