Wiesbaden macht einen großen Schritt in Richtung Bürgerbeteiligung, indem es ein mobiles Lastenrad initiiert. Dieses innovative Konzept wird vom Zukunftswerk und der Stabsstelle mitWIrken genutzt und hat das Ziel, den direkten Austausch mit den Bürgern in allen Stadtteilen zu fördern. Das Lastenrad ermöglicht Gespräche dort, wo die Menschen ihren Alltag verbringen, und ergänzt das bestehende Angebot um niedrigschwellige Beteiligungsmöglichkeiten. Einsatzorte sind unter anderem Veranstaltungen, Märkte, Stadtteile und spontane Aktionen. Auch andere Fachbereiche der Stadtverwaltung können das Lastenrad nutzen. Dies wird als wichtiger Schritt für die Sichtbarkeit des Zukunftswerks angesehen, wie Stadträtin Maral Koohestanian (VOLT) betont.
Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) hebt die Bedeutung des Mottos „mitbekommen, mitreden und mitmachen“ hervor. Das Lastenrad dient nicht nur als praktisches Transportmittel, sondern auch als Symbol für eine dialogorientierte und moderne Verwaltung. Bürgerinnen und Bürger sollen die Möglichkeit haben, sich vor Ort zu informieren, Fragen zu stellen und Anregungen einzubringen. Der erste Einsatz des Lastenrads ist beim Frühlingsmarkt am 24. März von 11:00 bis 15:00 Uhr geplant. Künftige Termine und Themen werden über das städtische Beteiligungsportal wiesbadenwirkt.de angekündigt. Interessierte Bürger können zudem Vorschläge für den offiziellen Namen des Lastenrads einreichen.
Nachhaltige Mobilität fördern
Das Konzept der mobilen Bürgerbeteiligung in Wiesbaden reiht sich in größere Trends ein, wie sie im Mobilitätslabor 2025 untersucht werden. Dieses Projekt zielt darauf ab, alternative Verkehrsmittel in Klein- und Mittelstädten zu fördern. Viele Menschen sind derzeit auf Autos angewiesen, was zu einem hohen CO2-Ausstoß und eingeschränkten Mobilitätsoptionen führt. Das Mobilitätslabor untersucht, wie Verkehrsmittel wie Bus, Bahn, Carsharing, Lastenräder und E-Räder attraktiver gestaltet werden können. In Städten wie Gotha und Niesky werden Dialogforen und Praxisphasen durchgeführt, die den Teilnehmenden helfen sollen, alternative Mobilitätsformen im Alltag auszuprobieren.
Die ersten Dialogveranstaltungen im März 2025 zogen diverse Teilnehmende an, die über ihre Mobilitätsgewohnheiten diskutierten und individuelle Beratung erhielten. Die Praxisphase, die seit Frühjahr 2025 läuft, bietet 15 Teilnehmenden pro Stadt die Möglichkeit, verschiedene Verkehrsmittel zu testen und ihre Erfahrungen in Mobilitätstagebüchern festzuhalten. Ziel ist nicht nur die Förderung nachhaltiger Alternativen, sondern auch die Anregung für andere Kommunen, ähnliche Projekte zur Verbesserung der Mobilität umzusetzen.
Die Rolle der Bürgerbeteiligung
Die Forschungsgruppe CIMT (Citizen Involvement in Mobility Transitions) beleuchtet die Bürgerinnenbeteiligung an der Verkehrswende in deutschen Kommunen von 2019 bis 2024. Die Mobilität stellt eine Herausforderung für die Transformation zu einer nachhaltigeren Gesellschaft dar. Autoverkehr verursacht etwa ein Fünftel der Treibhausgasemissionen in Deutschland und führt zu Lärm, Staus und Unfällen. Die Umverteilung des öffentlichen Raums von Autos zu Bus, Bahn, Fahrrad und Fußverkehr ist daher von großer Bedeutung.
Die Verkehrswende stößt in der Praxis häufig auf Widerstände, weshalb die Verbesserung der politischen Entscheidungen und die Steigerung der öffentlichen Akzeptanz durch Bürgerinnenbeteiligung im Fokus stehen. Die interdisziplinäre Forschung zielt darauf ab, die Mobilität in deutschen Städten nachhaltig zu gestalten und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms „Forschung für Nachhaltige Entwicklung“ gefördert. Im Zusammenspiel mit Initiativen wie dem mobilen Lastenrad in Wiesbaden können solche Projekte dazu beitragen, das Bewusstsein für nachhaltige Mobilität zu schärfen und die Bürger aktiv in die Gestaltung ihrer Lebensumgebung einzubeziehen.





