Die Vorbereitungen für den Bau der A20, die das Ammerland entlasten und Pendlern Zeit sparen soll, sind in vollem Gange. Der Baubeginn ist für April 2026 angesetzt. Kritiker äußern jedoch erhebliche Bedenken hinsichtlich der hohen Kosten, des geringen Nutzens und der klimaschädlichen Folgen des Projekts. So beträgt die Zeitersparnis zwischen den A20-Anschlussstellen an der A28 bei Westerstede und der A29 bei Bekhausen lediglich etwa fünf Minuten. Für die Ammerländer, die zwischen diesen Anschlussstellen wohnen, liegt die Zeitersparnis sogar unter fünf Minuten. Ein Hauptpendlerstrom führt zudem nach Oldenburg und Bremen, nicht in die Richtung Friesland oder Wesermarsch. All diese Argumente werfen Fragen auf, ob die A20 als dritte Autobahn im Ammerland wirklich Vorteile bringen wird, abgesehen von einer möglicherweise reduzierten Durchgangsverkehrsbelastung.
Die Kosten für das 13 Kilometer lange Teilstück der A20 belaufen sich auf 340 Millionen Euro. Kritiker schlagen vor, dass Durchgangsverkehr auch mit weniger aufwendigen Maßnahmen, wie etwa Ortsumgehungen, reduziert werden könnte. Während die A20 eine nationale und internationale Anbindung, insbesondere zu Polen und Russland, verspricht, könnte eine Anbindung der A20 an die A29 nördlich von Oldenburg denselben Zweck erfüllen. Zudem wird der enorme Beitrag der A20 zum Klimawandel in den Diskussionen oft nicht ausreichend berücksichtigt, einschließlich der Folgen des Torfabbaus und der CO2-Emissionen. Für die Region Ammerland sind wirtschaftliche Vorteile oder ein Nutzen der A20 bisher nicht belegt, wie in einem Leserbrief auf nwzonline.de zu lesen ist.
Baugenehmigung und Fortschritte
Die Baugenehmigung für den ersten Abschnitt der umstrittenen Küstenautobahn A20 im Nordwesten wurde erteilt, und der Bundesverband für Umwelt- und Naturschutz (BUND) hat seine Klagen zurückgenommen. Der betroffene Teilbereich umfasst die besagte 13 Kilometer lange Strecke zwischen der A28 bei Westerstede und der A29 bei Jaderberg im Landkreis Wesermarsch. Der Planfeststellungsbeschluss ist nun bestandskräftig, was einen entscheidenden Schritt für die Realisierung des Projekts darstellt, so Niedersachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne (SPD).
Dirk Brandenburger, Technischer Geschäftsführer der Autobahn GmbH, bezeichnete die Erteilung der Baugenehmigung als „wichtigen Meilenstein“. Die Bauarbeiten für den ersten Abschnitt werden voraussichtlich sechs Jahre in Anspruch nehmen. Ein neues Tempolimit von 120 km/h am neuen Autobahndreieck bei Westerstede soll zudem die Sicherheit erhöhen. Obwohl gegen den Bau mehrerer Teilbereiche noch Klagen laufen, zeigt dieser Fortschritt, dass die A20 auf dem Weg zur Realisierung ist, wie auch unter ndr.de berichtet wird.
Wirtschaftlichkeit und Umweltbelastungen
Die Diskussion um die A20 wird nicht nur von regionalen Aspekten, sondern auch von übergeordneten wirtschaftlichen Fragestellungen begleitet. Berichten zufolge sind 64 Prozent der vom Bund geplanten Autobahnen und Bundesstraßen unwirtschaftlich. Berechnungen von Transport & Environment (T&E) und Greenpeace zeigen, dass 665 von 1045 bewerteten Straßenprojekten nicht umsetzbar sind. Gründe für die Unwirtschaftlichkeit sind gestiegene Baukosten, aktualisierte Preise für CO2-Schäden und zusätzliche Verkehrsfolgen. Das Bundesverkehrsministerium (BMDV) wird aufgefordert, die Nutzen-Kosten-Analysen zu aktualisieren, da die bisherigen Daten als veraltet gelten.
Die Mängel in der Nutzen-Kosten-Analyse des BMDV sind erheblich: Eine unzureichende Berücksichtigung von Umweltauswirkungen und eine Überbewertung des Reisezeitgewinns werden kritisiert. Beispiele für unwirtschaftliche Projekte sind unter anderem die A20, die A39 und die A8 bei München. Das BMDV ist verpflichtet, Infrastrukturpläne alle fünf Jahre zu überprüfen; die letzte Überprüfung fand jedoch 2016 statt. Diese kritischen Stimmen fordern einen Stopp des Autobahnbaus, da die aktuellen Zahlen dies nicht rechtfertigen, wie in einem Artikel auf transportenvironment.org eindrucksvoll dargelegt wird.
Zusammenfassend bleibt abzuwarten, ob die A20 tatsächlich die versprochenen Vorteile für das Ammerland und die Region bringt oder ob die Bedenken der Kritiker, insbesondere hinsichtlich der Kosten und der Umweltbelastungen, in der Realität überwiegen werden.