Im Ammerland wird der Ruf nach konkreten Maßnahmen gegen den menschengemachten Klimawandel immer lauter. Ein Leserbrief auf der Webseite der NWZ stellt fest, dass das Klimarisiko in dieser Region besonders stark ansteigt. Die Bauindustrie trägt erheblich dazu bei, verursacht sie doch etwa 30% der CO2-Emissionen und 40% des Energieverbrauchs. Diese alarmierenden Zahlen bringen die Dringlichkeit von Veränderungen ins Spiel.

Ein zentrales Problem ist die Flächenversiegelung, die bei Starkregen zu Hochwasserproblemen führt, da das Wasser nicht mehr versickern kann. Besonders kleine Grundstücke bieten kaum Platz für eine natürliche Versickerung. Der Leserbrief schlägt vor, verpflichtend auf wasserdurchlässige Oberflächenbefestigungen umzusteigen. Außerdem sollte der Fokus auf weniger Bauen und mehr Grünflächen gelegt werden, was letztlich dem Klima zugutekäme.

Die Herausforderung der Flächenversiegelung

Flächenversiegelung ist jedoch nicht nur ein lokales, sondern ein bundesweites Problem. In Ballungsgebieten ist der Bedarf an Wohnraum dringend, was oft zu einer ungebremsten Bebauung führt. Diese Entwicklung führt nicht nur zu Hitzestau in den Städten, sondern erhöht auch das Risiko von Überschwemmungen durch Starkregen. Laut einer Quelle des Deutschlandfunks werden täglich 52 Hektar in Siedlungs- und Verkehrsflächen umgewandelt, obwohl die ursprünglichen Ziele der Bundesregierung zur Reduzierung des Flächenverbrauchs auf 30 Hektar täglich bis 2020 überarbeitet und auf 2030 verschoben wurden.

Die Flächenversiegelung hat bereits alarmierende Ausmaße angenommen. Der Versiegelungsgrad stieg von 4,2% im Jahr 2006 auf 5,2% im Jahr 2018, was über 3500 Quadratkilometern entspricht. Versiegelte Flächen können kein Wasser aufnehmen, was die Grundwasserneubildung behindert und Hochwasser begünstigt. In vielen Städten ist es nachts um bis zu acht Grad heißer als am Stadtrand, was die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt.

Strategien zur Verbesserung des Stadtklimas

Um den Herausforderungen der Flächenversiegelung zu begegnen, sind innovative Ansätze notwendig. Maßnahmen zur Verbesserung des Stadtklimas umfassen Gründächer, die Entsiegelung von Hinterhöfen sowie das Pflanzen von Bäumen. Diese Strategien könnten nicht nur das Stadtklima verbessern, sondern auch die Biodiversität fördern. Zudem könnte eine Stärkung der Regionalplanung eine gezieltere Nutzung von Bauland ermöglichen.

Dennoch stehen Stadtplaner unter Druck, sowohl das Stadtklima zu verbessern als auch den Wohnraum zu erhöhen. Eine Studie hat gezeigt, dass fast 100.000 Hektar Bauland für zwei Millionen Wohnungen ermittelt wurden. Der Wettbewerb zwischen Kommunen um neue Bürger und Gewerbe gilt als einer der Hauptgründe für den anhaltenden Flächenverbrauch. Eine Novelle des Baugesetzbuches könnte den Kommunen mehr Freiheiten geben, birgt jedoch das Risiko, den Flächenverbrauch weiter zu erhöhen.

Die Notwendigkeit von Daten und Transparenz

Ein fundamentales Problem ist die fehlende Transparenz in Bezug auf die Bodenversiegelung. Die Erhebung von Versiegelungsdaten erfolgt oft nur lokal und ist nicht öffentlich zugänglich. Einige Gemeinden erfassen zwar Daten zur Berechnung von Abwassergebühren, jedoch gibt es keine flächendeckende Erfassung der Bodenversiegelung in Deutschland. Ein Arbeitskreis des Länderausschusses für Bodenschutz hat ein Rechenmodell zur Berechnung der Bodenversiegelung entwickelt, doch bleibt die Erfassung unzureichend.

Die Herausforderungen durch Flächenversiegelung und Klimawandel sind komplex und erfordern ein Umdenken auf vielen Ebenen. Die Vorschläge aus dem Leserbrief und die Informationen aus verschiedenen Quellen zeigen deutlich, dass es an der Zeit ist, die Symptome des Klimawandels nicht nur zu behandeln, sondern an der Wurzel zu packen. Der Weg zu einer nachhaltigen und klimaresilienten Zukunft ist lang, aber jeder Schritt in die richtige Richtung zählt.

Für weitere Informationen und Hintergründe zu diesen Themen besuchen Sie die NWZ Online, den Deutschlandfunk und das Umweltbundesamt.