In einem wegweisenden Schritt testet der Landkreis Ammerland die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) zur Verkehrszählung. Ziel dieses Projekts ist es, genauere Daten über Fußgänger, Radfahrer und Fahrzeuge an Kreuzungen zu sammeln. Der erste Test fand am Montag an der stark frequentierten Kreuzung Am Esch/Am Röttgen in Westerstede statt. Diese Maßnahme ist besonders wichtig, um präzise Zahlen für die Planung von Querungshilfen wie Ampeln zu erhalten. Bisher wurden solche Zählungen manuell von Mitarbeitern der Straßenverkehrsbehörde durchgeführt, was zeitaufwändig war und oft während des Schüler- und Berufsverkehrs stattfand.

Mit der neuen Technik, die auf dem System des Anbieters Data Collect basiert, wird eine KI-gestützte Videoerkennung eingesetzt. Eine Kamera, die auf einem ausfahrbaren Mast montiert ist und bis zu sechs Meter hoch reicht, erfasst den Verkehr in einem definierten Bereich. Die Übertragung der gesammelten Daten erfolgt über ein mobiles Datennetz ins Kreishaus, während die Akkus der Kamera rund 70 Stunden durchhalten. Ein Diebstahlschutz sorgt zusätzlich für die Sicherheit der Ausrüstung. Die Kamera erstellt keine Videoaufnahmen, sondern nur Standbilder zur Einrichtung der Messstelle, wobei die Auflösung nicht ausreicht, um Kennzeichen oder Personen zu erkennen. So wird der Datenschutz gewährleistet.

Vorteile der KI-gestützten Verkehrszählung

Die Vorteile dieser neuen Technik sind vielfältig. Sie ermöglicht eine Erfassung des Verkehrs rund um die Uhr und eine exakte Identifikation der Spitzenstunden sowie eine Abdeckung von Randzeiten. Die Aufgaben der händischen Zählung und der Messung des motorisierten Verkehrs werden gebündelt, sodass die Daten direkt während der Messung eingesehen und ausgewertet werden können. Die Anschaffungskosten für das System belaufen sich auf rund 7500 Euro, gefolgt von einer jährlichen Flatrate für die KI-Auswertung von etwa 11.000 Euro. Diese erste Messstelle wurde gewählt, da sie in der Nähe des Kreishauses und der Kreisvolkshochschule liegt und eine hohe Verkehrsdichte aufweist.

Auf bundesweiter Ebene hat das Bundesverkehrsministerium im aktuellen Monat die ersten Verkehrszählungen mit KI initiiert. In Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen kommen ebenfalls KI-Technologien zum Einsatz, um Verkehrsdaten auszuwerten und so auf umfangreiches Zählpersonal zu verzichten. Die erfassten Verkehrsbelastungen dienen nicht nur der Straßenplanung und dem Verkehrsmanagement, sondern können auch von Forschungsinstitutionen und Bürgerinitiativen genutzt werden, um Lärm- und Emissionsberechnungen sowie Mobilitätsstudien durchzuführen. Die erste umfassende Erfassung der Verkehrszahlen erfolgt über einen Zeitraum von zwei Jahren, um die Datenqualität zu verbessern.

Die Rolle der Künstlichen Intelligenz

Die Verkehrszählung spielt eine entscheidende Rolle bei der Planung und Optimierung von Verkehrsnetzen sowie der Verbesserung der Verkehrssicherheit und der Reduzierung von Umweltbelastungen. Künstliche Intelligenz kann die Effizienz und Genauigkeit dieser Zählungen erheblich steigern. Traditionelle Methoden, wie manuelle Zählungen oder mechanische Zählschleifen, sind nicht nur zeit- und arbeitsintensiv, sondern auch anfällig für Ungenauigkeiten. KI-gestützte Systeme nutzen Computer Vision und maschinelles Lernen, um Daten automatisch und präzise zu erfassen und zu analysieren.

Die Vorteile der KI-gestützten Verkehrszählung umfassen eine hohe Genauigkeit bei der Erfassung von Fahrzeugen, Fußgängern und Radfahrern sowie die Automatisierung der kontinuierlichen Verkehrüberwachung. Echtzeitanalysen ermöglichen die schnelle Extraktion wichtiger Informationen, wie Fahrzeugtypen und Verkehrsmuster, und die Systeme sind anpassungsfähig an verschiedene Verkehrssituationen. Diese Technologien tragen maßgeblich zur Verbesserung der Verkehrsplanung und -optimierung, zur Steigerung der Verkehrssicherheit und zur Unterstützung umweltbewusster Entscheidungen in der Verkehrspolitik bei.

Für den Landkreis Ammerland und darüber hinaus könnte die Testphase in Westerstede der Beginn einer neuen Ära in der Verkehrsdatenerfassung sein, die nicht nur die Planung verbessert, sondern auch einen entscheidenden Beitrag zur Schaffung smarter Städte leisten könnte. Wer mehr über dieses innovative Projekt erfahren möchte, findet ausführliche Informationen in der Quelle, sowie weitere Details zu den bundesweiten Bemühungen in der zweiten Quelle. Abschließend bietet die dritte Quelle tiefere Einblicke in die Rolle der KI in der Verkehrszählung.