Heute ist der 23.02.2026 und die Diskussion um einen Bestattungswald in Aurich-Popens nimmt eine neue Wendung. Aufgrund strenger Vorgaben im Wasserschutzgebiet steht das geplante Projekt aktuell auf der Kippe. Der Landkreis Aurich hat sich entschieden, unverrottbare Urnen (inert) zuzulassen, was auf Widerstand bei einigen Ratsmitgliedern stößt. Richard Rokicki von der AWG äußert, dass eine Mehrheit für das Projekt unter den aktuellen Bedingungen nicht erkennbar sei. Gespräche zwischen der Stadt, dem NLWKN, dem OOWV und dem Landkreis Aurich laufen bereits, um eine Lösung zu finden.
Die strengen Vorgaben des Landkreises sind nicht ohne Grund: Der Schutz des Grundwassers hat oberste Priorität. So ist die Neuanlage von Friedhöfen in der Schutzzone III A verboten, während Erweiterungen genehmigungspflichtig sind. Eine potenzielle Gefahr von Schadstoffen aus der Asche, die ins Grundwasser gelangen könnten, wird nicht ausgeschlossen. Insbesondere Schwermetalle in Humanaschen werden als riskant angesehen. In Popens liegt der Abstand zwischen dem höchsten Grundwasserstand und dem Bestattungshorizont zudem unter einem Meter, was die Bedenken verstärkt. In Niedersachsen gibt es im Übrigen keine landesweite gesetzliche Regelung für Bestattungswälder, was die Situation zusätzlich kompliziert macht. Ein Bestattungswald könnte nur zugelassen werden, wenn negative Veränderungen des Grundwassers ausgeschlossen sind. Weitere Informationen hierzu finden sich in einem Artikel von NWZonline.
Die Lage des geplanten Bestattungswalds
Trotz dieser Herausforderungen gibt es einen klaren Wunsch nach Bestattungsmöglichkeiten in einem Bestattungswald in Aurich. Die Stadt Aurich hat bereits verschiedene Waldflächen im Stadtgebiet untersucht und das Popenser Gehölz als geeignete Fläche identifiziert. Diese Fläche grenzt nordöstlich an das Altenwohnzentrum Popens, südöstlich an die Straße Schoolpad, sowie südwestlich an weitere Waldflächen und gewerbliche Bebauung. Nordwestlich und östlich schließen sich landwirtschaftliche Flächen mit Wohnbebauung an. Das Plangebiet liegt etwa 2,0 km vom Stadtzentrum entfernt und hat eine Größe von ca. 8,5 ha.
Im Flächennutzungsplan der Stadt Aurich sind die Flächen als Waldflächen dargestellt, und das Gebiet ist als Landschaftsschutzgebiet geschützt. Eine Ausnahmegenehmigung vom Landkreis Aurich ist erforderlich, da sich südöstlich des Geltungsbereichs ein Wasserschutzgebiet für das Wasserwerk Aurich-Egels erstreckt. Das Trinkwassergewinnungsgebiet reicht bis in das Plangebiet hinein. Im Rahmen der Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 396 für den Bestattungswald ist zudem die 74. Änderung des Flächennutzungsplans notwendig. Diese Verfahren werden einschließlich Umweltprüfung und Eingriffsregelung parallel durchgeführt, wie in den Informationen auf Sessionnet Aurich nachzulesen ist.
Ein Ausblick auf die Zukunft
Die Thematik rund um den Bestattungswald in Aurich-Popens ist ein Beispiel dafür, wie Umweltschutz und gesellschaftliche Bedürfnisse in Einklang gebracht werden müssen. Es bleibt abzuwarten, welche Lösungen die Gespräche zwischen den beteiligten Parteien hervorbringen werden. Der Wunsch nach einem Bestattungswald zeigt, dass die Bevölkerung alternative Bestattungsformen anstrebt, die in der Natur verwurzelt sind und den Bedürfnissen der Hinterbliebenen gerecht werden. Die Herausforderungen im Wasserschutzgebiet sind jedoch nicht zu unterschätzen und werden die Diskussion um den Bestattungswald weiterhin prägen.