In Aurich hat ein jahrelanger Streit nun ein Ende gefunden: Der umstrittene Schriftzug „Oll Haven Auerk“ wurde abgebaut. Dieser Schritt markiert den Beginn einer umfassenden Umgestaltung des Platzes, die an den historischen Hafen erinnern soll, dabei jedoch die Sicherheit der Besucher in den Vordergrund stellt. Der Abbau wurde von der Firma Garrelts & Sohn aus Wiesens durchgeführt und wurde im Bauausschuss von Stadtbaurat Mirko Wento angekündigt. Der Schriftzug, der seit 2014 Teil des Platzes war, wurde häufig als „Schandfleck“ bezeichnet und stand in der Kritik, da es zu Unfällen kam, weil Autofahrer die Wasserbecken übersahen.
Die Umgestaltung ist das Ergebnis eines langen Prozesses, der von Rechtsstreitigkeiten zwischen der Stadt, einem Unternehmen und Landschaftsarchitekten geprägt war. Fünf Planungsbüros hatten Konzepte zur Umgestaltung eingereicht, die jedoch nicht alle zufriedenstellend waren. Schließlich entwickelte das städtische Planungsteam ein kostengünstiges Konzept zur Neugestaltung, das nun umgesetzt wird. Die alten Wasserbecken werden mit witterungsbeständigem Cortenstahl eingekleidet und erhöht, während kleine Holzbänke die Aufenthaltsqualität verbessern sollen. Anstelle einer Wasseroberfläche werden blau blühende Stauden als Motiv des alten Hafens eingesetzt. Die Umgestaltung wird rund 180.000 Euro kosten.
Geschichte des Alten Hafens
Der Alte Hafen von Aurich hat eine interessante Geschichte. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts war die Stadt von einem Erdwall und Holzpalisaden geschützt, umgeben von einem wassergefüllten Graben. Im späten 18. Jahrhundert verlor dieser Wall jedoch an Bedeutung und wurde eingeebnet. Der Hafen selbst wurde 1798 ausgehoben, und ein Kanal nach Emden, das Treckfahrtstief, wurde gegraben, um die Wirtschaft zu fördern. Auf diesem Kanal verkehrten kleine Kähne aus den Niederlanden, die getreidelt wurden. Trotz der großen Bemühungen wurde der Hafen jedoch wenig genutzt, da der Bahnanschluss und der Ausbau des Straßennetzes das Treideln unbedeutend machten.
In den 1930er Jahren wurde der Alte Hafen schließlich zugeschüttet, und heute erinnert nur noch das alte Hafenwärter- und Lagerhäuschen, das Pingelhus, an diese Zeit. Die Umgestaltung des Platzes soll nicht nur die Erinnerung an den Alten Hafen wachhalten, sondern auch ein neues, sicheres und einladendes Stadtbild schaffen.
Stadtentwicklung und Gentrifizierung
Die Transformation historischer Hafenareale ist kein Einzelfall, sondern ein Trend, der seit mehreren Jahrzehnten in Deutschland zu beobachten ist. Städte wie Hamburg und Berlin haben ehemalige Industriegebiete in moderne Stadtviertel umgewandelt, die Wohnen, Arbeiten und Freizeit verbinden. Ein bekanntes Beispiel ist die HafenCity in Hamburg, eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas, das seit 2001 in Entwicklung ist. Kritiker warnen jedoch vor den hohen Immobilienpreisen und der sozialen Exklusivität, die eine Gentrifizierung zur Folge haben können.
Die Umgestaltung des Platzes in Aurich kann also auch im Kontext dieser größeren städtischen Entwicklungen betrachtet werden. Es bleibt abzuwarten, wie die neue Gestaltung des Platzes angenommen wird und ob sie die angestrebte Balance zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und sozialer Vielfalt erreichen kann. Die Geschichte des Alten Hafens bietet dabei eine wertvolle Perspektive auf die Herausforderungen und Chancen, die mit der Transformation urbaner Räume verbunden sind.
Für weitere Informationen über den Umbau des Platzes und die historische Entwicklung Aurichs, besuchen Sie die Artikel auf NWZonline und Stadt-Land-Erleben.





