In Aurich stehen die Pläne für einen Waldfriedhof vorerst auf der Kippe. Der Landkreis Aurich und der Oldenburgisch Ostfriesische Wasserverband (OOWV) haben sich gegen die Verwendung von verrottbaren Urnen ausgesprochen, was das Ausschreibungsverfahren für den Betrieb des Bestattungswaldes in Popens zum Scheitern brachte. Der Grund liegt in den strengen Auflagen des Wasserschutzgebiets Aurich-Egels, wo solche Urnen nicht erlaubt sind. Gespräche zwischen der Auricher Verwaltung und der Unteren Wasserbehörde haben bislang keine Lösung gebracht, was auch von den politischen Parteien AWG und SPD kritisch betrachtet wird. Diese befürchten, dass nicht-verrottbare Urnen langfristig aufspürbar sind und somit dem Gedanken der Rückkehr zur Natur widersprechen.
Der Wunsch nach Bestattungsmöglichkeiten in einem Bestattungswald bleibt jedoch bestehen. Die Stadt Aurich lässt sich nicht entmutigen und sucht weiterhin nach geeigneten Flächen. Dabei werden verschiedene bestehende Waldflächen im Stadtgebiet in Betracht gezogen. Besonders im Fokus steht das Popenser Gehölz, das als potenzielle Fläche identifiziert wurde. Diese Fläche, etwa 2,0 km vom Stadtzentrum entfernt und mit einer Größe von ca. 8,5 ha, grenzt an ein Altenwohnzentrum, Straßen und landwirtschaftliche Flächen.
Herausforderungen und Alternativen
Die Flächen im Popenser Gehölz sind im Flächennutzungsplan der Stadt Aurich als Waldflächen dargestellt und zudem als Landschaftsschutzgebiet geschützt. Dies bedeutet, dass eine Ausnahmegenehmigung vom Landkreis Aurich erforderlich ist, um hier einen Waldfriedhof einzurichten. Das Wasserschutzgebiet für das Wasserwerk Aurich-Egels erstreckt sich ebenfalls in das Plangebiet und stellt eine weitere Hürde dar. Der Wunsch nach Baumbestattungen, wie er etwa in Wallinghausen geäußert wurde, wird durch ähnliche Probleme im Wasserschutzgebiet erschwert.
Bereits vor drei Jahren wurden die Pläne für einen Waldfriedhof aus rechtlichen Gründen gestoppt. Unter den neuen Bedingungen gab es keine Bewerbungen für den Betrieb des Waldfriedhofs, da Bestattungen mit nicht-verrottbaren Urnen teurer sind und dem Konzept der naturnahen Bestattung widersprechen. Einige alte Pläne, wie das Eschener Gehölz und das „Herrenholz“ am Böhnerweg, werden nun erneut geprüft. Die Stadt ist in Kontakt mit Kirchengemeinden, um die Möglichkeiten eines Bestattungswaldes auf kirchlichen Flächen zu erörtern.
Der Trend zu Bestattungswäldern
Bestattungswälder sind in den letzten Jahren immer populärer geworden. Sie bieten eine naturnahe und pflegeleichte Alternative zu traditionellen Friedhöfen und sind häufig Ausdruck eines wachsenden Interesses an neuen Bestattungsformen. In Deutschland müssen die Totenaschen in einer Urne beigesetzt werden, was im Gegensatz zur Schweiz steht, wo die Asche am Baum verstreut werden kann. Bestattungswälder sind in Flächennutzungsplänen als Sondergebiete ausgewiesen und unterliegen spezifischen rechtlichen Anforderungen. Die Beisetzung im Wurzelbereich von Bäumen, meist in biologisch abbaubaren Urnen, ist eine gängige Praxis. Angehörige können den Ort der Beisetzung nach eigenem Antrieb besuchen, was eine persönliche Verbindung zum Verstorbenen schafft.
Die gesellschaftlichen Veränderungen seit den 1980er Jahren haben das Interesse an diesen neuen Bestattungsformen gefördert. Viele Menschen sehnen sich nach einem Ort, der sowohl zum Trauern als auch zum Gedenken einlädt, und Bestattungswälder bieten diese Möglichkeit im Gegensatz zu anonymen Grabstellen. Trotz der Herausforderungen, die die Genehmigungsverfahren mit sich bringen, bleibt die Stadt Aurich optimistisch und evaluiert Folgemaßnahmen, die den politischen Gremien zur Beschlussfassung vorgelegt werden.