Heute ist der 14.02.2026 und wir schauen uns die faszinierenden, aber auch kontroversen Aspekte der Kétamine an, insbesondere durch die Erfahrungen von Gabrielle Chevarier, die seit ihrer Kindheit an chronischen Schmerzen leidet. Ihre Geschichte, die sie in ihrem Buch „Kétamine“ reflektiert, zeigt, wie diese Substanz ihr half, eine tiefere Verbindung zu ihrer eigenen Verletzlichkeit herzustellen und die Auswirkungen ihrer traumatischen Erlebnisse zu erkennen. Chevarier leidet unter Scoliose und hat lange versucht, ihre Schmerzen und die damit verbundenen Einschränkungen zu verbergen, indem sie ihre Körperhaltung anpasste und ihren Lebensstil umstellte. Doch trotz ihrer Bemühungen spürte sie eine große Diskrepanz zwischen ihrem aktuellen Leben und dem Leben, das sie sich gewünscht hatte.
Im Jahr 2020 begann sie ein experimentelles Behandlungskonzept mit Kétamine, das ihr von ihrer Hausärztin empfohlen wurde. Dieses Verfahren soll nicht nur körperliche Symptome lindern, sondern auch den Zugang zum Unbewussten eröffnen. Chevarier absolvierte über einen Zeitraum von fast zwei Jahren etwa 20 Sitzungen im CLSC, wobei sie eine Absicht formulierte und ätherische Öle auswählte, um die Erfahrung zu bereichern. Sie beschreibt die Kétamine als eine Art Katharsis, die es ihr ermöglichte, über Themen zu sprechen, die sie zuvor nicht ausdrücken konnte, und die ihr half, den posttraumatischen Stress zu überwinden.
Die Rolle der Kétamine in der Schmerztherapie
Trotz der positiven Erfahrungen von Chevarier gibt es in der medizinischen Gemeinschaft unterschiedliche Meinungen über die Wirksamkeit von Kétamine bei chronischen Schmerzen. Eine umfassende Überprüfung in der Cochrane-Datenbank hat gezeigt, dass Kétamine und andere NMDA-Antagonisten, zu denen auch Substanzen wie Memantin und Dextromethorphan gehören, keine zuverlässigen Beweise für eine Linderung chronischer Schmerzen bieten. Etwa 20% der Erwachsenen in den USA und 19% in Europa leiden unter chronischen Schmerzen, und die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Erkrankungen sind enorm: geschätzt zwischen 560 und 635 Milliarden USD jährlich in den USA.
Die Kétamine wirkt bei hohen Dosen als Anästhetikum und bei niedrigen Dosen als Analgetikum, jedoch bleibt die Anwendung in der Schmerztherapie umstritten. Eine Überprüfung von 67 Studien, die 2.309 Teilnehmer einbezogen, ergab, dass keine klare Evidenz vorliegt, dass Kétamine die Schmerzintensität kurz- oder mittelfristig verringert. Auch die intravenöse Gabe der Substanz könnte das Risiko unerwünschter Wirkungen erhöhen. Diese Ergebnisse werfen Fragen zur klinischen Praxis auf und machen deutlich, dass weitere randomisierte kontrollierte Studien notwendig sind, um die Sicherheit und Wirksamkeit von Kétamine und anderen NMDA-Antagonisten in der Behandlung chronischer Schmerzen zu evaluieren.
Reflexion und Ausblick
Gabrielle Chevarier nutzt das Schreiben, um ihre Identität und die Grenzen ihres Körpers zu akzeptieren. In ihrem Buch reflektiert sie über die Bedeutung des Lebens und die Akzeptanz von Unvollkommenheit. Ihre Erfahrungen sind ein eindringlicher Hinweis darauf, wie wichtig es ist, nicht nur die körperlichen, sondern auch die emotionalen und psychologischen Aspekte von Schmerzen zu betrachten. Während die Kétamine für Chevarier eine transformative Erfahrung darstellt, zeigt die wissenschaftliche Literatur, dass die Ergebnisse nicht universell sind. Die Debatte über die Rolle der Kétamine in der Schmerztherapie bleibt also spannend und wird weiterhin von neuen Forschungen geprägt werden, um die komplexen Zusammenhänge zwischen Schmerz, Trauma und Therapie besser zu verstehen.
Für weitere Informationen zu Gabrielle Chevariers Erfahrungen und den therapeutischen Möglichkeiten von Kétamine, können Sie den vollständigen Artikel auf Le Devoir nachlesen. Für einen tieferen Einblick in die aktuelle Wissenschaft über Kétamine und chronische Schmerzen besuchen Sie bitte Ma Clinique.