Die Welt der Vermögensverwaltung zeigt sich im Wandel. Historisch gesehen war dieses Feld stark von Männern geprägt. Doch wie La Presse berichtet, besetzen Frauen mittlerweile verschiedene Positionen in diesem Sektor, auch wenn ihre Vertretung in Führungspositionen noch eingeschränkt ist. Bei Desjardins beispielsweise sind Frauen fast gleichwertig vertreten – doch im Top-Management der unternehmerischen Beraterinnen machen sie nur etwa 20 % aus. Ähnlich sieht es bei der Financière Banque Nationale aus. Experten gehen jedoch davon aus, dass sich der Anteil der weiblichen Beraterinnen in den kommenden Jahren erhöhen wird, mit möglichen Paritätszielen in etwa einem Jahrzehnt.
Ein Grund für diesen Wandel könnte in der stärkeren Nachfrage nach umfassender Unterstützung bei der Vermögensverwaltung liegen. Immer mehr Frauen verfügen über signifikante Vermögenswerte, was die Unternehmen dazu veranlasst, gezielt Fachkräfte zu rekrutieren, die ihre Bedürfnisse verstehen und erfüllen können. Die Faktoren Vertrauen und Kompetenz drängen die traditionelle Rolle des Geschlechts in den Hintergrund, so dass die Präferenzen der Kundinnen zunehmend weniger bedeutend werden. In Teams von drei bis zwanzig Mitgliedern wird intergenerationale und geschlechtliche Vielfalt als Schlüssel zum Erfolg betrachtet.
Technologischer Einfluss und Kundenerwartungen
Doch nicht nur die Geschlechterverteilung spielt eine Rolle; auch technologische Innovationen nehmen eine zentrale Stellung ein. Laut EY ist die Integration fortschrittlicher Technologien wie generativer KI und der Verarbeitung natürlicher Sprache entscheidend für die Anpassung der Dienstleistungen an die Erwartungen der Frauen. Systeme zur „Nächsten besten Handlung“ (NBA) ermöglichen eine personalisierte Kundenansprache und verbessern die Effizienz bei der Entscheidungsfindung.
Die Nutzung von KI-basierten Chatbots und detaillierten Sprachanalysen trägt dazu bei, dass Finanzberater ihre Empfehlungen gezielt und präzise anpassen können. Die Automatisierung wiederkehrender Aufgaben erlaubt es den Beratern, sich intensiver auf das Beziehungsmanagement zu konzentrieren, was wiederum die Kundenzufriedenheit erhöht.
Blick in die Zukunft
Die Entwicklungen in der Branche zeigen deutlich, dass die Anforderungen an Vermögensverwalter vielfältiger und anspruchsvoller geworden sind. Initiativen wie Mentoring-Programme, die in 42 kanadischen Universitäten angeboten werden, fördern aktiv Karrieren in der Finanzwelt. Mit einem wachsenden Pool an Talenten und einem zunehmend geschlechtergerechten Umfeld steht die Branche am Beginn eines neuen Kapitels. In einer Zeit, in der Frauen immer mehr in Entscheidungsprozesse und Vermögensverwaltung einbezogen werden, bleibt abzuwarten, wie weit dieser Wandel reichen wird.