In Niedersachsen ist das Thema der Berufsbetreuer eng mit der Frage der Existenzsicherung und der Qualität der Betreuung verbunden. Besonders eindrücklich zeigt sich dies am Beispiel von Karola Bergmann, die sich seit zwanzig Jahren um die Belange von 28 Menschen kümmert, die auf Unterstützung angewiesen sind. Derzeit steht sie vor einem Dilemma: Sie möchte in Rente gehen, hat jedoch keine Nachfolge in Sicht. Für Bergmann ist die Verantwortung groß und die Belastung hoch, denn sie bleibt für ihre Klienten bis zu deren Tod oder bis ein Nachfolger gefunden wurde haftbar. Laut NDR beschreibt die Sozialdezernentin Wiebke Wietschel die Situation im Landkreis Celle als „dringlich“.
Im Landkreis gibt es insgesamt 1.700 Betreute und lediglich 42 Betreuer, was einen Schnitt von 40 Klienten pro Betreuer ergibt. Die Behörden, die als Ausfallberufsbetreuer einspringen müssten, sind jedoch ebenfalls unterbesetzt und können die entstandenen Lücken nicht füllen. Ebenso beklagt Bergmann, dass das Abgeben von Betreuungsaufgaben oft problematisch ist, da die zuständigen Ämter nicht zeitnah reagieren.
Vergütung und Herausforderungen der Berufsbetreuer
Eines der zentralen Probleme, die die Berufsbetreuer plagen, sind die anhaltenden Schwierigkeiten mit der Vergütung. Trotz der Reform des Betreuungsrechts 2023, die die Zugangsbedingungen für neue Berufsbetreuer verschärft hat, gibt es immer noch lange Zahlungsverzögerungen. Viele Betreuer haben beispielsweise ausstehende Zahlungen von mehreren Monatseinkommen, was für viele existenzbedrohend ist. Der Berufsbetreuerverband fordert daher faire Vergütung und weniger bürokratische Hürden.
Das neue Vergütungssystem, das seit dem 27. Juli 2019 in Kraft ist, hat die Stundensätze zugunsten von Fallpauschalen abgelöst. Dabei werden die Betreuer in verschiedene Vergütungsstufen eingeteilt, die sich anhand ihrer Ausbildung und der finanziellen Situation der betreuten Klienten richten. Dies kann von bis zu 229 Euro pro Monat für Diplom-Sozialarbeiter bei Betreuungmittelloser Klienten reichen. Dennoch ist der Umstieg auf dieses neue System nicht einfach und die Fallbearbeitungen können zur echten Herausforderung werden.
Ausblick auf Veränderungen
Blickt man in die Zukunft, so wird ab 2026 eine Vereinfachung im Vergütungssystem erwartet. Die bisherigen drei Stufen sollen auf lediglich zwei reduziert werden: mit und ohne Studienabschluss. Zudem wird die Anzahl der Wohnformen von drei auf zwei gesenkt, was den Verwaltungsaufwand verringern könnte. Dies beschreibt Lexikon Betreuungsrecht in seinem aktuellen Bericht und erwartet positive Auswirkungen auf das Vergütungsrecht.
Die Frage bleibt allerdings, ob diese Reformen rechtzeitig kommen, um dem akuten Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Mit über 50% der Berufsbetreuer in Niedersachsen bereits über 55 Jahre alt, steht die Branche vor einer Herausforderung. Für Betreuer wie Karola Bergmann, die ein enges Vertrauensverhältnis zu ihren Klienten aufgebaut haben, ist die Hoffnung auf Unterstützung und ein baldiger Nachfolger von großer Bedeutung.