Die Geflügelpest sorgt derzeit für Aufregung in Niedersachsen, wo mehrere Landkreise von dieser Erkrankung betroffen sind. Besonders die Landkreise Cloppenburg und Oldenburg stehen im Fokus, da hier in den letzten Wochen mehrere Ausbrüche registriert wurden. Insgesamt wurden 24 Fälle im Landkreis Cloppenburg und 5 im Landkreis Oldenburg gemeldet. Dies geht aus einer Mitteilung des Landwirtschaftsministeriums hervor, die am Dienstagabend veröffentlicht wurde. In der sogenannten „Tierseuchenkrise“ ist man gezwungen, schnell zu handeln und hat daher personelle Unterstützung für die Veterinärämter bereitgestellt. Praktizierende Tierärzte können nun Proben nehmen und klinische Untersuchungen durchführen, wobei die Kosten dafür von der Tierseuchenkasse übernommen werden. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die amtlichen Kräfte vor Ort zu entlasten und Schlimmeres zu vermeiden, wie OM-Online berichtet.
Doch was passiert konkret in den betroffenen Betrieben? Seit Oktober sind deutschlandweit bereits 61 Geflügelhaltungen in 11 Landkreisen von der Geflügelpest betroffen, was rund 1,5 Millionen Tiere betrifft. Die Angst vor einer weiteren Ausbreitung ist groß, besonders in Cloppenburg, dem „Geflügelland Nummer 1“ in Deutschland, wo die Dichte an Geflügelbetrieben besonders hoch ist. Anwohner fragen sich nicht ohne Grund, ob die Massentierhaltung in der Region die Ausbreitung der Seuche begünstigt. Diesbezüglich gibt es auch harte Kritik von Tierschutzexperten an der aktuellen Tierseuchenpolitik und der Massentierhaltung im Allgemeinen.
Die Schutzzonen und ihre Bedeutung
Um die Verbreitung des Virus einzudämmen, wurden verschiedene Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Für den betroffenen Betrieb in der Grafschaft Bentheim, wo ein erster bestätigter Fall aufgetreten ist, wurden rund 120.000 Hühner getötet. Die eindringliche Bitte der Agrarministerin Miriam Staudte an die Betriebe, Biosicherheitsmaßnahmen einzuhalten, findet in der Region Gehör. Eine Schutzzone von drei Kilometern um den betroffenen Betrieb wurde eingerichtet, um das Virus fernzuhalten. Jedoch ist die Stallpflicht seit Ende Oktober nicht unbedingt ein hundertprozentiger Schutz, da das Virus auch über Lüftungen in die Ställe eindringen kann, oft vermittelt durch infizierte Wildvögel, wie NDR berichtet.
Die Zahlen sind besorgniserregend: Niedersachsen hat seit Mitte Oktober etwa 950.000 verendete oder getötete Tiere verzeichnet, während sich die finanziellen Schäden durch die Ausbrüche auf etwa 17 Millionen Euro belaufen. Betroffene Betriebe umfassen sowohl Puten- als auch Legehennenbetriebe. In den letzten Wochen wurden mehr als 50 Ausbrüche registriert, hauptsächlich bei Hühnern und Puten. Umso wichtiger sind die täglichen Beprobungen in Restbeständen und die Installation von Hygieneschleusen in den Betrieben, um eine weitere Virusübertragung zu verhindern.
Ein Blick nach vorne
Die Geflügelbranche in Niedersachsen steht unter Druck, und die Frage, wie die Massentierhaltung die aktuellen Herausforderungen meistert, bleibt im Raum. Viele Betriebe haben bereits mit den Folgen der Seuche zu kämpfen und suchen nach Wegen, den Verlust zu minimieren. Die Tierärzte und Veterinäre arbeiten eng zusammen, um die Lage in den Griff zu bekommen. Es bleibt abzuwarten, ob kurzfristige Maßnahmen ausreichend sind oder ob wir langfristig die Struktur der Geflügelhaltung in Niedersachsen überdenken müssen.
Zur aktuellen Situation gehört auch, dass seit November 2023 neue HPAI-Genotypen nachgewiesen wurden, die die Aufmerksamkeit der Fachwelt erregen. Die Virologie steht vor der Herausforderung, die Situation zu überwachen und rechtzeitig zu reagieren, um nicht nur die Hausgeflügelbestände, sondern auch die Wildvogelpopulationen zu schützen. Die nächsten Monate werden entscheidend sein. Für weitere Informationen über die Entwicklungen können die Leser die Webseite des Friedrich-Loeffler-Institut konsultieren.