Im Landkreis Cuxhaven sorgt der Abschuss einer Wölfin für Aufregung. Am Freitagmittag, dem 6. März 2026, wurde das Ergebnis der genetischen Beprobung bekannt gegeben, das bestätigte, dass es sich bei dem abgeschossenen Tier um die gesuchte Wolfs-Fähe „GW2492f“ handelt. Diese Fähe war an einer Hetzjagd zwischen Stinstedt und Mittelstenahe beteiligt, bei der 20 Schafe ums Leben kamen. Der Landkreis erteilte den Abschuss durch eine „artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung“, die jedoch zunächst ausgesetzt war. Landrat Thorsten Krüger äußerte seine Erleichterung über das DNA-Ergebnis, das für die lokale Land- und Viehwirtschaft positiv sei. Mit der Bestätigung, dass es sich um das zur Entnahme genehmigte Tier handelt, erlischt die Ausnahmegenehmigung.

Diese Entscheidung hat jedoch nicht nur Freude ausgelöst. Wolfsschutz-Deutschland e.V. hat Strafanzeige gegen die Aussteller und Ausführenden der Verfügung gestellt, da die Genehmigung nach dem Abschuss veröffentlicht wurde. Dieser Eingriff in rechtsstaatliche Verfahren wird kritisiert. Krüger rechtfertigte den Abschuss damit, dass die Wölfin für die Risse an Nutztiere verantwortlich sei. Zuletzt wurde GW2492f in Stinstedt als schadensverursachend nachgewiesen, wo eine Schafherde von etwa 100 Tieren über fünf Kilometer gehetzt wurde. Umweltminister Christian Meyer (Grüne) erklärte, die Genehmigung sei mit dem niedersächsischen Umweltministerium abgestimmt.

Kontroversen um den Abschuss

Die nachträgliche Veröffentlichung der Genehmigung ist nicht die einzige Kontroverse, die sich um diesen Fall rankt. Fünf Schnellabschussverfahren in Niedersachsen wurden bereits von Gerichten wegen Verfahrensfehlern für rechtswidrig erklärt. Zudem kritisiert Wolfsschutz-Deutschland e.V. die fehlende Anhörung von Verbänden im aktuellen Fall. Experten stellen in Frage, ob eine einzelne Wölfin tatsächlich für die Übergriffe auf die Schafherde verantwortlich war. Der Herdenschutz wird als unzureichend angesehen, insbesondere wenn es um 90-cm-Zäune geht.

GW2492f war Teil eines dokumentierten Wolfspaares, das möglicherweise trächtig war. Diese Entwicklungen sind Teil einer längeren Geschichte von Abschüssen im Cuxland, in der Vergangenheit gab es mehrere illegale Abschüsse und Versuche, Wolfsrudel zu dezimieren. Der Verein fordert die sofortige Veröffentlichung aller Ausnahmegenehmigungen und strenge Kontrollen des Herdenschutzes und lehnt Wolfsabschüsse ab, während er stattdessen effektiven Schutz für Wölfe fordert.

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Auf politischer Ebene gibt es Bestrebungen, den Umgang mit Wölfen in Deutschland zu regeln. Bundesumweltministerin Steffi Lemke hat am 12. Oktober 2023 neue Regelungen zum Abschuss von Wölfen in Regionen mit erhöhtem Rissvorkommen vorgeschlagen. Diese Regelung würde es ermöglichen, einen Wolf abzuschießen, der sich 21 Tage lang im Umkreis von 1.000 Metern von einer Rissstelle aufhält, ohne dass die DNA-Analyse abgewartet werden muss. Ziel ist es, schnellere Verfahren zu schaffen, mehr Schutz für Weidetierhalter zu bieten und Rechtssicherheit für die Bundesländer zu gewährleisten.

Die aktuelle Situation rund um GW2492f und die damit verbundenen Diskussionen bringen die Herausforderungen der Wolfsrückkehr nach Deutschland auf den Tisch. Während die Wolfsbestände in Deutschland stabil sind – 2022/2023 wurden 184 Wolfsrudel und 1.339 Wolfsindividuen nachgewiesen – bleibt der Wolf aufgrund seiner Strenge im Schutzstatus nach der FFH-Richtlinie ein umstrittenes Thema. Die Erhaltungszustände werden alle sechs Jahre ermittelt, der nächste Bericht ist für 2025 angekündigt. Doch trotz der Herausforderungen hat es seit der Rückkehr des Wolfes nach Deutschland vor über 20 Jahren keinen Übergriff auf Menschen gegeben.