Am Cuxhavener Bahnhof und auf der Strecke zwischen Bremerhaven und Cuxhaven sorgten in der vergangenen Woche mehrere Vorfälle für Aufregung. Bewaffnete Personen und Schlägereien stellten die Sicherheitslage auf den Bahnen in den Fokus. Besonders gravierend war der Vorfall am 18. Juni 2025, als die Polizei alarmiert wurde, weil ein bewaffneter Mann das Zugpersonal in Alarmbereitschaft versetzte. Der Lokführer der Verkehrsgesellschaft Start Unterelbe hielt die Zugtüren geschlossen, bis die Situation entspannt war. Am Folgetag kam es zu einer Schlägerei in einem Zug, wo ein Zugbegleiter der EVB eingreifen musste und die jugendlichen Angreifer aus dem Zug warf. Die Polizei und Bundespolizei suchten danach im Bahnhof Cuxhaven sogar nach einem Messer.

Die Pressestelle von Start Unterelbe lässt wissen, dass die Sicherheit von Mitarbeitenden und Fahrgästen für sie oberste Priorität hat. Es herrscht eine Nulltoleranz gegenüber Gewalt, und das Zugpersonal erhält umfassende Schulungen, einschließlich Deeskalationstrainings. In bestimmten Zügen sind zudem Sicherheitsteams im Einsatz, und die Hemmschwelle für gewalttätiges Verhalten sinkt zusehends, wie die jüngsten Vorfälle belegen.

Zunehmende Gewalt gegen Bahnmitarbeitende

Wie die Deutsche Bahn (DB) bereits festgestellt hat, steigt die Zahl der Übergriffe auf Mitarbeiter seit einigen Jahren. Im Jahr 2024 gab es 3.324 körperliche Angriffe, was einem Anstieg von knapp sechs Prozent im Vergleich zu 2023 entspricht. Rund die Hälfte dieser Übergriffe betraf das Zugpersonal im Regionalverkehr. Auch Reinigungskräfte, Servicekräfte am Bahnhof und sogar Busfahrer kamen nicht ungeschoren davon. Bahnchef Richard Lutz äußerte, dass das Unternehmen „leider Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklungen“ sei. Diese Situation spiegelt sich in den über 11.000 Kameras wider, die momentan an etwa 750 Bahnhöfen im Einsatz sind und zur Sicherheit beitragen sollen, um die Mitarbeitenden in ihrem Alltag zu unterstützen. DB berichtet von verstärkten Schutzmaßnahmen.

Schutzmaßnahmen wie Bodycams und Notfall-Druckknöpfe sind bereits im Einsatz, um das Personal im Nahverkehr zu sichern. über 500 Bodycams werden momentan genutzt, um die Sicherheit der Kundenbetreuer im Nahverkehr zu erhöhen. In einem aktuellen Test zeigen sich positive Ergebnisse: Sowohl das Zugpersonal als auch die Reisenden fühlen sich durch diese technischen Hilfsmittel sicherer. Eine Übersicht über die Lage zeigt auch, dass die DB im vergangenen Jahr über 180 Millionen Euro in die Sicherheit ihrer Mitarbeitenden und Reisenden investiert hat.

Gesellschaftliches Problem

Die steigende Gewalt gegen Bahnmitarbeitende wird von vielen als gesamtgesellschaftliches Problem angesehen. Anstiege in den Übergriffen sind häufig mit gesellschaftlichen Spannungen und einem bröckelnden respektvollen Umgang miteinander verbunden. Die Vorfälle in Cuxhaven sind ein weiteres Beispiel, das zeigt, dass die DB und ihre Angestellten nicht aus der Schusslinie sind. Nicht nur die Reisendenzahlen steigen wieder durch die Rückkehr zur Normalität nach den Corona-Pandemie-Schutzmaßnahmen, auch die Aggressivität nimmt zu. Für das Bahnunternehmen bleibt die Herausforderung groß, die Sicherheit der Beschäftigten in einem immer rauer werdenden Umfeld zu gewährleisten.