In Friesland sorgt die Kollision von Geschwindigkeit und Ausreden für viel Gesprächsstoff. Stephan Rohlfs, der Leiter der Bußgeldstelle im Landkreis, hat seit seiner Amtsübernahme im Jahr 2018 zahlreiche kuriosen Erlebnisse sammeln können. Spätestens seit er von einem Autofahrer hörte, der sich ein Schwarzbrot ans Ohr hielt, um einen Handyverstoß zu leugnen, weiß er, dass es bei Geschwindigkeitskontrollen oft nicht nur um die Übertretung selbst geht, sondern auch um die umstrittenen Erklärungsversuche, die dem Regelverstoß folgen.

„Ich musste jemanden zum Arzt bringen“ oder „Die Sonne stand so tief“ sind einige der häufigsten Ausreden, die Rohlfs immer wieder hört. Doch während die Bürger manchmal die Geschwindigkeitskontrollen als „moderne Wegelagerei“ oder „Abzocke“ empfinden, bleibt Rohlfs gelassen. Für ihn sind diese Maßnahmen Mittel zur Verbesserung der Verkehrssicherheit und nicht einfach nur Geldquelle. Eine deutliche Verstärkung des Tempos kam auch in diesem Jahr, wo im ersten Halbjahr 2025 bereits 10.471 Fahrzeuge geblitzt wurden – fast doppelt so viele wie im Vorjahr.

Die Zahlen sprechen für sich

Die finanziellen Auswirkungen sind nicht zu übersehen: Aus Verwarnungsgeldern flossen 318.000 Euro und aus Bußgeldern insgesamt 454.000 Euro in die Kreiskasse. Ein interessanter Aspekt ist, dass zehn Prozent der Einnahmen aus Geschwindigkeitsübertretungen in die Verkehrsprävention fließen. Zudem können die neu aufgestellten Blitzer an der B210 spezifische Geschwindigkeitsübertretungen von Lkw, die Tempo 60 einhalten müssen, besonders effektiv überwachen.

  • Etwa 140 Messstellen im Landkreis Friesland, Tendenz steigend
  • Fünf neue Blitzer in Betrieb
  • Kritik an Geschwindigkeitskontrollen als Abzocke

Neue Standorte für Geschwindigkeitsmessungen entstehen oft aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung oder seitens der Politik. Immer häufiger wünschen sich Anwohner sogar mehr Kontrollen, um die Sicherheit auf den Straßen zu verbessern. Rohlfs erwähnt, dass diese Erfolge das Ergebnis einer gemeinschaftlichen Anstrengung sind, die auch durch freundliche Begegnungen mit Bürgern unterstützt wird. So bringen einige von ihnen sogar Kaffee oder Kekse in die Bußgeldstelle.

Eine persönliche Note

Rohlfs selbst nimmt die Dinge gelassen. Einmal wurde er in Holland geblitzt, was er sportlich sah. Dennoch gab es auch konfliktreiche Situationen, etwa als Motorradfahrer einen Blitzertransport blockierten, was die Spannungen auf die Probe stellte. Rohlfs weiß, dass es nicht wie ein Katz-und-Maus-Spiel enden sollte, sondern dass es letztendlich um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer geht.

Insgesamt zeigt sich, dass die Balance zwischen Verkehrskontrollen und der Wahrnehmung von Abzocke eine heikle ist. Rohlfs und sein Team versuchen, die Bürger mit den notwendigen Maßnahmen für mehr Sicherheit zu sensibilisieren, denn hohe Geschwindigkeiten, wie zum Beispiel 164 km/h in einem Tempo-70-Bereich, sind nicht einfach ein leichtes Vergehen – hier handelt es sich um vorsätzliche Verstöße.

Wer jetzt denkt, dass die Idee von Geschwindigkeitsmessungen in der ganzen Welt gleich ist, irrt sich. Während bei uns die Fahrer für Verkehrsverstöße haften, ist bei vielen anderen Ländern der Fahrzeughalter dafür verantwortlich. Diese Unterschiede machen das Thema international noch komplexer und interessanter.

Die Geschwindigkeitskontrollen in Friesland zeigen nicht nur das Bemühen um mehr Sicherheit im Verkehr, sondern auch die Herausforderungen, die damit einhergehen: von kuriosen Ausreden bis hin zu den finanziellen Aspekten. Gerade die Einnahmen aus Bußgeldern und deren Verwendung zur Verkehrsprävention verdeutlichen, dass der Gedanke hinter der Überwachung weit über reine Kontrollen hinausgeht.