In Friesland gibt es eine interessante Initiative, die sich mit der Förderung hochbegabter Kinder befasst. Christiane Rauch, eine engagierte Ergotherapeutin aus Jever, widmet sich der Unterstützung dieser Kinder und deren Familien. In ihrer Praxis behandelt sie nicht nur die physischen und psychischen Beeinträchtigungen, die das selbständige Leben erschweren können, sondern geht speziell auf die Herausforderungen ein, die hochbegabte Kinder häufig erleben. Diese Kinder kommen selten verzweifelt in ihre Praxis, sondern fühlen sich oftmals nicht ernst genommen. Das Missverständnis, dass hochbegabte Kinder privilegiert und selbsthilfefähig seien, führt zu einer Diskrepanz zwischen ihren Fähigkeiten und dem schulischen Angebot.
Hochbegabung wird häufig nicht als Erkrankung betrachtet, kann jedoch zu ernsthaften Problemen führen. Viele dieser Kinder verbringen bis zu 80% ihrer Schulzeit mit Warten auf geistige Anregung, was zu einer Unterforderung führt. Diese Unterforderung kann sich in Form von Lernmotivation, unzuverlässigem Arbeitsverhalten und einer geminderten Selbstsicherheit äußern, was oft zu Leistungsängsten und Underachievement führt. Um dem entgegenzuwirken, arbeitet Christiane Rauch gezielt am Selbstwertgefühl der Kinder, um deren Identität zu stärken. Die Unterstützung der Eltern ist dabei von wesentlicher Bedeutung, da die gesamte Familiensituation betrachtet werden muss.
Die Herausforderungen hochbegabter Kinder
Hochbegabte Kinder sind oft mit einer asynchronen Entwicklung konfrontiert, bei der ihre kognitiven Fähigkeiten über ihren emotionalen und sozialen Kompetenzen stehen. Dies kann zu einer Überforderung führen, auch wenn sie über kognitive Stärken verfügen. Merkmale wie schnelle Auffassungsgabe, tiefes Interesse an komplexen Themen und hohe Sensibilität sind häufig anzutreffen. Perfektionismus kann zudem dazu führen, dass diese Kinder unter hohen Ansprüchen leiden und in Prokrastination verfallen. In der Schule führt chronische Unterforderung nicht nur zu Frustration, sondern auch zu emotionalen Ausbrüchen, Ängsten und sozialer Isolation.
Die Herausforderung für Lehrer besteht oft darin, auf die individuellen Bedürfnisse aller Schüler in großen Klassen einzugehen. Es wird zunehmend mehr Personal gefordert, wie Lehrer, Sozialarbeiter und Ergotherapeuten, um diese Kinder angemessen zu fördern. Professionelle Tests auf Hochbegabung sind ab einem Alter von 3 Jahren möglich, wobei die Verwirrung mit ADHS häufig auftritt. Daher ist eine professionelle Differentialdiagnostik entscheidend, um die richtigen Unterstützungsmaßnahmen zu ergreifen.
Förderansätze und Unterstützung
Hochbegabte Kinder benötigen nicht nur eine akademische Förderung, sondern auch emotionale Unterstützung. Ein Schritt-für-Schritt-Plan zur Unterstützung könnte das Beobachten, die professionelle Diagnostik, die individuelle Analyse und die Entwicklung eines Förderplans umfassen. Die Kombination aus vertikaler und horizontaler Förderung, das Schaffen sozialer Anker sowie das Trainieren emotionaler Kompetenzen sind wesentliche Elemente, um diesen Kindern zu helfen, ihre Potenziale zu entfalten.
Insgesamt ist es wichtig zu erkennen, dass Hochbegabung keine eindeutige Definition hat. Während ein IQ über 130 häufig als Kriterium für Hochbegabung gilt, zeigt sich, dass viele hochbegabte Kinder in verschiedenen Bereichen wie Musik oder im Umgang mit Zahlen außergewöhnliche Talente entwickeln. Das Motto „Erst fördern, dann finden“ wird empfohlen, um die Potenziale dieser Kinder zu entdecken. Es gilt, die Zufriedenheit und das Selbstwertgefühl hochbegabter Kinder zu erhöhen und ihnen einen respektvollen Umgang mit ihrer Persönlichkeit zu ermöglichen.Quelle 1 | Quelle 2 | Quelle 3.