Am 31. Oktober 2025 fand ein bemerkenswerter archäologischer Moment in Jever statt. Die Gruft unter dem Edo-Wiemken-Grabmal in der Stadtkirche wurde geöffnet, um das Geheimnis um die letzte Ruhestätte von Fräulein Maria von Jever zu lüften. Experten in Schutzanzügen führten die Räumung durch, die es erstmals ermöglichte, Bilder der Gruft zu veröffentlichen. Fräulein Maria, die von 1500 bis 1575 lebte, ist eine zentrale Figur in der Geschichte von Jever und wird insbesondere im Rahmen der Sanierung des Edo-Wiemken-Denkmals, einem Meisterwerk der niederländischen Renaissancekunst, gewürdigt. Laut NWZ Online ist es das erste Mal seit 140 Jahren, dass die Grabstätte Zugang fand.
Die Durchgänge zur Gruft wurden frei gemacht, wobei eine Mauer entfernt wurde, die einen Teil der Gruft bislang verborgen hielt. Die Räumung der Gruft offenbarte eiserne Stangen, die die Särge stützen, sowie vier kleine und einen größeren Sarg. Über die genaue Anzahl der darin bestatteten Personen herrscht Unklarheit. Experten vermuten, dass Fräulein Maria im größeren Sarg ruht, während ihre Familie möglicherweise in den kleineren Särgen beigesetzt sein könnte. Für den Fall wurde entschieden, aus Pietätsgründen auf die Veröffentlichung von Fotos der menschlichen Überreste zu verzichten, auch wenn die Atmosphäre während der Arbeiten als respektvoll und ehrfurchtsvoll empfunden wurde, wie die Jade Weser Zeitung berichtet.
Warten auf Ergebnisse
Die Untersuchungen der gefundenen Proben werden schätzungsweise ein halbes Jahr in Anspruch nehmen. Dabei sollen Rückschlüsse auf die Bestattungspraktiken und die Identifizierung der vermeintlichen Gebeine von Fräulein Maria gezogen werden. Nach Abschluss der Untersuchungen ist geplant, die Gebeine wieder in der Gruft beizusetzen.
Die Öffnung der Gruft stellte nicht nur einen historischen Moment dar, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Denkmalschutz- und Geschichtsforschung. Sönke Gebken, Regionalstellenleiter, hob die große Bedeutung für die Denkmalpflege und die interdisziplinäre Zusammenarbeit hervor. Auch Prof. Dr. Antje Sander unterstrich den nationalen Stellenwert des Grabmals für die Familie von Fräulein Maria, was dem gesamten Projekt einen zusätzlichen Wert verleiht.
Im Rahmen der Sanierung sollen zudem statische Untersuchungen mittels Laserscanner vorgenommen werden, um die Sicherheit des Grabmals zu gewährleisten. Neben der Gruft werden auch weitere Bereiche des Denkmals aufgewertet, um es für zukünftige Generationen zu erhalten. Die Arbeiten sind Teil eines umfassenden Sanierungsprojekts, das in vier Bauabschnitten durchgeführt wird.
Die Entdeckungen und die laufenden Recherchen werden in den kommenden Monaten weiterhin Aufsehen erregen. Die Aufregung um die Gruft von Fräulein Maria zeigt, wie Geschichte lebendig bleiben kann und uns mit einer faszinierenden Vergangenheit verbindet.