Die Gesundheitslandschaft in Varel steht vor einem weitreichenden Umbau. Im Fokus der aktuellen Entwicklungen steht das geplante Zentralklinikum, das in enger Zusammenarbeit mit Wilhelmshaven entstehen soll. Landrat Sven Ambrosy betont, dass Varel auch weiterhin ein wichtiger medizinischer Standort bleiben soll, trotz der Bedenken, dass die Stadt in der zentralisierten Gesundheitsstruktur an Bedeutung verlieren könnte. In der Sitzung des Kreistags Friesland wurde der Beschluss gefasst, eine Standortsuche für das neu entstehende Zentralklinikum einzuleiten, wie nwzonline.de berichtet.

Das Gesundheitszentrum Varel wird dabei parallel zur Planung des Zentralklinikums weiterentwickelt. In einem Eckpunktepapier wurde festgelegt, dass der Landkreis Friesland und die Friesland Kliniken beauftragt werden, tragfähige Modelle zur medizinischen Versorgung zu erarbeiten. Hierzu wurden bereits Gespräche mit der KL Real Estate GmbH und der Medoplan GmbH geführt. Das Ziel ist eine wirtschaftliche Ausrichtung der Friesland Kliniken am Standort Varel sowie der Ausbau ambulanter Strukturen, die auch die Gynäkologie und Geburtshilfe umfassen, so die Informationen der Krankenhaus Varel Webseite.

Geplante Gesundheitsprojekte

In den kommenden Jahren stehen mehrere Projekte auf der Agenda. Dazu zählen ein medizinisches Versorgungszentrum, ein Ambulantes OP-Zentrum sowie ein Ambulantes Rehabilitationszentrum. Die Schaffung von Arbeitsplätzen ist ebenfalls ein essenzieller Aspekt: Für das medizinische Versorgungszentrum sind 70 Mitarbeiter und für das Rehabilitationszentrum 45 Stellen geplant. Die Finanzierung dieser Initiativen soll über Fördermittel, Eigenmittel und Defizitausgleich gesichert werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt der finanziellen Stabilität in der Region, die durch neue und effizientere Strukturen gewährleistet werden soll.

Die aktuellen Herausforderungen im deutschen Gesundheitswesen, wie die steigenden Kosten und der anhaltende Personalmangel, erfordern rasches Handeln. Laut der Bundesregierung gibt es jährlich Ausgaben von rund 500 Milliarden Euro für das Gesundheitswesen, und Reformen sind notwendig, um die Strukturen zu verbessern und die Versorgung zu sichern. In diesem Kontext plant Gesundheitsministerin Nina Warken weitreichende Reformen, die auch darauf abzielen, ein Überangebot an Krankenhausplätzen zu vermeiden. Tagesschau hebt hervor, dass künftig kleinere Kliniken weniger Leistungen anbieten sollen, um eine stärkere medizinische Spezialisierung zu erreichen.

Die Rolle der bisherigen Krankenhausstandorte

Die bestehende Unsicherheit über die Rolle der bisherigen Krankenhausstandorte in der Region verstärkt die Sorgen um die Zukunft des Gesundheitsstandorts Varel. Kreistagsmitglied Sigrid Busch äußerte ihre Bedenken, stimmt aber dennoch dem Verfahren zur Standortsuche zu. Es bleibt unklar, wie sich die beschlossene Schließung der internistischen Fachabteilung am Standort Varel, die am 22. Dezember 2023 aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen und Fachkräftemangel erfolgen wird, auf die Notfallversorgung auswirken wird.

Eine Machbarkeitsstudie hatte bereits empfohlen, den Standort Varel zu schließen und stattdessen Sande zu einem Schwerpunktkrankenhaus auszubauen. Die finanzielle Situation weißt auf ein prognostiziertes Defizit von 45 Millionen Euro über fünf Jahre hin, sollte man beide Standorte aufrechterhalten. Der Kreistag ist daher in der Verantwortung, die künftige Struktur der Gesundheitsversorgung zu entscheiden und die Weichen für die notwendige Neuausrichtung zu stellen. Varel ist nicht außen vor; das Team der Verwaltung wurde beauftragt, die nächsten Schritte zur Standortsuche einzuleiten, sodass eine medizinische Grundversorgung für die Bürger sichergestellt bleibt.