Am 15. Februar 2026 wird in Gifhorn erneut über die Verantwortung der Stadt in der Erinnerungskultur diskutiert. Anlässlich des Holocaust-Gedenktags hat der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen die Umbenennung von Straßen, die nach Tätern des Nationalsozialismus benannt sind, ins Zentrum der Debatte gerückt. Ortsverbandssprecher Rico Möllmann kritisiert, dass trotz der Verlegung von Stolpersteinen zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus die Straßennamen von NS-Tätern unangetastet bleiben. Die Grünen fordern eine aktive Auseinandersetzung mit der historischen Schuld und die Verantwortung der Stadt, diese Namen zu ändern. Quelle.
Die ehrenamtliche Stolperstein-Initiative Gifhorn hat im vergangenen Herbst Gedenksteine für ermordete Juden und Widerstandskämpferinnen verlegt. Doch während diese Initiative von den Bürgern gut angenommen wird, bleibt die Frage der Umbenennung von Straßen wie der Hindenburgstraße und der Carl-Diem-Straße offen. Stadtratsmitglied Dustin Rösemann betont, dass die Erinnerungskultur nicht selektiv sein darf. Er kritisiert die halbherzige Annahme der historischen Verantwortung durch die Stadt und weist auf das Fehlen eines konkreten Zeitplans oder eines partizipativen Prozesses zur Umbenennung hin.
Stolpersteine und ihre Bedeutung
Stolpersteine sind ein zentrales Element der Erinnerungskultur in Deutschland. Sie erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus und wurden von dem Künstler Gunter Demnig initiiert. In Europa sind derzeit etwa 120.000 Stolpersteine verlegt. Jeder Stein besteht aus einem Betonblock mit einer Messingplatte, die die Namen, Lebensdaten und den letzten Verbleib des Opfers angibt. Diese kleinen Denkmäler sind nicht nur Erinnerungen, sondern auch Mahnmale gegen das Vergessen. In der letzten Zeit gab es jedoch besorgniserregende Vorfälle: In mehreren Städten wurden Stolpersteine beschädigt oder gestohlen, was zu einer Diskussion über den Schutz dieser wichtigen Gedenkstätten führt. Quelle.
Rösemann fordert daher, dass der 27. Januar, der internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, mehr als nur eine Gedenkminute sein sollte. Erinnerung lebt durch Taten; das gilt besonders, wenn es um die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte geht. Er schlägt vor, lokal bezogene Alternativen für Straßennamen zu wählen, etwa Namen von Widerstandskämpfer:innen oder Opfern des NS-Regimes.
Ein Blick auf andere Städte
In anderen deutschen Städten, wie Hannover, wurden bereits Straßen aus ähnlichen Gründen umbenannt. Ein Beispiel ist die Hindenburgstraße, die in Loebensteinstraße umbenannt wurde. Diese neue Benennung erinnert an das jüdische Mädchen Lotte-Lore Loebenstein, das 1943 im Vernichtungslager Sobibor ermordet wurde. Diese Umbenennungen sind Teil einer breiteren Diskussion über die Verantwortung, die Städte und Gemeinden in der Aufarbeitung ihrer Geschichte tragen. Quelle.
Die Auseinandersetzung um Straßennamen ist nicht nur ein Thema in Gifhorn, sondern zieht sich durch viele deutsche Städte. Die Umbenennung soll nicht die historischen Bezüge im Stadtbild tilgen, sondern vielmehr die Erinnerung an die Gewalttaten bewahren und die aktiven Rollen der unterdrückten Menschen in der Geschichte sichtbar machen. Dies könnte helfen, die koloniale Geschichte aus dem Blickwinkel der betroffenen Menschen zu beleuchten und eine vielfältige Erinnerungskultur zu schaffen.
Insgesamt zeigt sich, dass die Diskussion um die Umbenennung von Straßennamen und die Erinnerungskultur in Deutschland ein komplexes und wichtiges Thema ist. Es ist an der Zeit, dass Städte wie Gifhorn ihre Verantwortung ernst nehmen und aktiv an der Gestaltung einer erinnerungskulturellen Zukunft arbeiten.