Die faszinierende Geschichte der Kunstsammlung von Roger und Josette Vanthournout aus Izegem, Belgien, ist ein beeindruckendes Beispiel für die Leidenschaft und Hingabe, mit der Kunstliebhaber über Jahrzehnte hinweg ihre Kollektionen aufbauen können. Ihr postmodernes Landhaus, das mehr einem Museum gleicht, war der Schauplatz für eine Sammlung von etwa 300 Kunstwerken, die sich über 150 Jahre Kunstgeschichte erstrecken. Diese Sammlung beinhaltete Werke von belgischen Expressionisten, Surrealisten und zeitgenössischer britischer Kunst, darunter namhafte Künstler wie Tracey Emin, Yves Tanguy, Agnes Martin, Hans Arp und René Magritte, dessen Werke „Le lieu dit“ und „La plaine de l’air“ (1940) besonders herausragten.
Die Schätzung für „La plaine de l’air“ liegt bei 3,5 bis 5,5 Millionen Pfund, ebenso wie für Henry Moores „Goslar Warrior“ (1974). Diese beeindruckenden Werte spiegeln nicht nur die Qualität der Sammlung wider, sondern auch die umfassende Strategie, die das Ehepaar bei seinen Kunstkäufen verfolgte. Roger, ein ausgebildeter Möbelschreiner und Innenarchitekt, übernahm 1950 das Möbelgeschäft seines Vaters, Aurora, und entwickelte einen ausgeprägten Kunstgeschmack, während seine Frau Josette, ebenfalls Kunstliebhaberin und Künstlerin, dafür sorgte, dass die Werke den persönlichen Stil des Paares widerspiegelten.
Eine Leidenschaft für Kunst und persönliche Verbindungen
Die Vanthournouts begannen ursprünglich mit dem Sammeln chinesischer Vasen, wandten sich jedoch bald der modernen Kunst zu und suchten den direkten Kontakt zu Galeristen, Händlern und Künstlern. Ab Mitte der 1950er-Jahre reisten sie viel und besuchten Kunstmessen, wo sie die Möglichkeit hatten, sich direkt mit Künstlern und Händlern auszutauschen. Es war eine Zeit, in der Kunstkäufe oft durch persönliche Beziehungen und nicht durch Spekulation geprägt waren.
Roger und Josette kauften ausschließlich Werke, die ihnen gefielen, ohne das Streben nach finanziellem Gewinn. Sie erwarben frühzeitig Werke von Künstlern, die noch am Anfang ihrer Karriere standen, und entwickelten so eine Sammlung, die heute Teil einer sehr persönlichen Geschichte ist. Olivier Camu von Christie’s beschreibt die Freude der Vanthournouts an den „unerwarteten Dialogen zwischen Werken und Epochen“, die in ihrem Haus lebendig wurden.
Ein bedeutendes Erbe und der Blick in die Zukunft
Nach dem Tod von Roger im Jahr 2005 setzte Josette ihre Sammlungstätigkeit fort. Im Jahr 2006 verkaufte sie 27 Bilder bei Sotheby’s in New York für fast 25 Millionen Dollar, darunter ein Francis Bacon, der für 15 Millionen Dollar versteigert wurde. Josette sammelte bis zu ihrem Tod im Jahr 2025 weiter, wobei ihre letzte Erwerbung ein Werk von Tracey Emin im Jahr 2016 war. Nun plant die Familie, den Rest der Kollektion zu versteigern, da die Kinder ihren eigenen Geschmack entwickelt haben und praktische Gründe eine Rolle spielen.
Die postmoderne Architektur des Landhauses der Vanthournouts spiegelt nicht nur ihren persönlichen Stil wider, sondern ist auch Teil eines größeren Trends, der in Belgien in den späten 1970er Jahren entstand. Der Postmodernismus war eine Reaktion auf die funktionale und modernistische Architektur und integrierte ornamentale Formen aus der Vergangenheit. Diese Entwicklung beeinflusste viele architektonische Projekte in Belgien, wie das Europäische Parlament und andere bedeutende Bauten, die den Wunsch nach ästhetischer Rückkehr und Verschönerung städtischer Räume verkörpern.
Die Geschichte der Vanthournouts und ihrer Sammlung ist somit nicht nur eine Hommage an die Kunst, sondern auch ein spannendes Kapitel in der Geschichte der Architektur und des Kunstmarktes in Belgien. Ihre Leidenschaft und Hingabe sind ein inspirierendes Beispiel für alle Kunstliebhaber.
Für weitere Informationen zu dieser faszinierenden Sammlung können Sie den vollständigen Artikel in der FAZ lesen und mehr über die Kunstszene in Belgien auf VRT erfahren.






