Am 28. November 2025 fand im Landkreis Harburg eine bewegende Mahnwache statt, um den Opfern von Femiziden zu gedenken. Diese Veranstaltung markierte den Auftakt zur 16-Tage-Kampagne gegen Gewalt an Frauen, die unter dem Motto „Getötet, weil sie Frauen sind“ steht. Das Netzwerk gegen häusliche Gewalt ließ keine Zeit verstreichen und war den ganzen Tag über in der Innenstadt präsent, um auf das drängende Thema aufmerksam zu machen.

Mit einer sogenannten Brötchentütenaktion wurden Informationen und kleine Überraschungen verteilt, um die öffentliche Aufmerksamkeit zu erhöhen. Femizide gehören zu den häufigsten unnatürlichen Todesursachen bei Frauen weltweit, und die alarmierenden Zahlen verdeutlichen den Ernst der Lage: In Deutschland geschieht fast täglich ein Femizid, während jede Stunde 15 Frauen von Partnerschaftsgewalt betroffen sind.

Forderungen und Lösungen

Während der Veranstaltung äußerten die Mitglieder des Netzwerks eindringliche Forderungen. Sie plädierten dafür, Femizide im Strafrecht klar zu benennen und geschlechtssensible Bildung sowie Gewaltprävention bereits in Kitas und Schulen zu verankern. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Sensibilisierung und Schulung aller Berufsgruppen gewidmet, die mit betroffenen Frauen in Kontakt stehen. Darunter fällt auch der Frühschutz für Frauen in Trennungssituationen sowie die finanzielle Absicherung gewaltbetroffener Frauen.

Andrea Schrag, die Gleichstellungsbeauftragte, stellte klar, dass es bei Gewalt um Macht und Kontrolle gehe. Sie kritisierte bestehende Gesetze, die oft nicht rechtzeitig greifen, und forderte die Umsetzung internationaler Konventionen wie der Istanbul-Konvention und der UN-Frauenrechtskonvention. Silke Lührs vom Verein Gewalt überwinden betonte, dass Gewalt gegen Frauen uns alle angehe, was den Kreistagsvorsitzenden Rudolf Meyer hierzu aufrief, Frauen zuzuhören und Respekt vorzuleben.

Die Realität der Gewalt

Die realen Zahlen sind alarmierend und werden in einem aktuellen Bericht über Femizide und Gewalt gegen Frauen untermauert. Laut Bundeskriminalamt (BKA) wurden 2024 in Deutschland 132 Frauen von ihrem (Ex-)Partner ermordet. Darüber hinaus erfuhren fast 188.000 Frauen häusliche Gewalt, während rund 54.000 Frauen Opfer von Sexualstraftaten wurden. Diese Statistiken verdeutlichen die strukturellen und gesamtgesellschaftlichen Probleme, die hinter der Gewalt stehen.

Das BKA weist zudem darauf hin, dass es an einer einheitlichen Definition von Femizid fehlt, und viele Tatmotive in der Statistik nicht erfasst werden. Ein wichtiges Anliegen bleibt der Ausbau von Frauenhäusern und Beratungsstellen, um frühzeitig und präventiv gegen Gewalt vorgehen zu können.

Bei der Polizeiinspektion Harburg wird die Thematik ernst genommen. Thomas Meyn, der Leiter der Inspektion, bezeichnet häusliche Gewalt als Verbrechen und unterstreicht die bestehenden Hilfsangebote für Betroffene in der Region. Diese beinhalten unter anderem die Beratungsstelle BISS und das Frauenhaus Landkreis Harburg, wo Frauen Unterstützung finden können. Für besonders dringliche Fälle steht das bundesweite Hilfetelefon bereit.

Die 16-Tage-Kampagne wird bis zum 10. Dezember mit einem abwechslungsreichen Veranstaltungsprogramm fortgeführt. Weitere Informationen sind auf den Webseiten des Landkreises Harburg und des Netzwerks gegen häusliche Gewalt erhältlich. Es bleibt zu hoffen, dass durch solche Veranstaltungen ein Bewusstsein geschaffen wird, dass Gewalt gegen Frauen ein Problem ist, welches uns alle betrifft.

Die Mahnwache und die damit verbundenen Aktivitäten zeigen, dass es an der Zeit ist, gemeinsam aktiv zu werden. Denn: Wenn wir schweigen, machen wir uns mitschuldig.