In Niedersachsen ist der Hausärztemangel zu einem immer drängenderen Problem geworden. Derzeit sind rund 5.200 Hausärztinnen und Hausärzte tätig, wobei bedrückende 447 Hausarztsitze unbesetzt sind. Das Durchschnittsalter der Hausärzte liegt bei 55 Jahren, was die Situation zusätzlich kompliziert. Die Kassenärztliche Vereinigung (KVN) hat bereits prognostiziert, dass bis zum Jahr 2035 etwa 1.300 Ärzte in den Ruhestand gehen werden. Dies lässt die Sorge um die hausärztliche Versorgung in der Region weiter wachsen. Besonders besorgniserregend ist der Rückgang der Hausbesuche, der um 20 Prozent gesunken ist, während ein Hausarzt im Schnitt 1,6-mal mehr Patienten behandelt als früher. Ähnliche Trends sind auch bundesweit zu beobachten. [1]
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat die niedersächsische Landesregierung einen Zehn-Punkte-Aktionsplan vorgestellt. Ziel dieses Plans ist es, die hausärztliche Versorgung angesichts demografischer Veränderungen und des Fachkräftemangels sicherzustellen. Aktuell fehlen für eine vollständige Versorgung 250 Hausärzte, und die Zulassung für 577 weitere Hausärzte ist möglich. Besonders dramatisch sind die Engpässe in Städten wie Delmenhorst, Salzgitter und Papenburg. Auch Fachärzte fehlen in verschiedenen Bereichen, darunter Psychotherapeuten und Kinderärzte. Gesundheitsminister Andreas Philippi hebt die Wichtigkeit der Hausärzte als „Rückgrat“ der Versorgung hervor. [2]
Delegation ärztlicher Aufgaben
Ein zentraler Punkt des Aktionsplans ist die stärkere Delegation ärztlicher Aufgaben an andere Fachkräfte. Diese könnten Routine-Tätigkeiten, Hausbesuche und diagnostische Verfahren übernehmen. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hat gezeigt, dass viele ärztliche Aufgaben an geschultes Fachpersonal delegiert werden könnten. Brigitte Mohn, Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann-Stiftung, sieht hierin eine Chance zur Steigerung der Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens. Im letzten Jahr wurden in Niedersachsen über 500.000 Haus- und Pflegeheimbesuche von medizinischen Fachangestellten abgedeckt, was zeigt, dass bereits jetzt Fachkräfte aktiv in die Versorgung eingebunden sind. Aktuell gibt es rund 1.500 medizinische Fachangestellte mit Zusatzausbildung in Niedersachsen.
Zudem plant die Landesregierung, die Zahl der Medizinstudienplätze zu erhöhen, um dem Ärztemangel langfristig entgegenzuwirken.[1]
Maßnahmen zur Verbesserung der Situation
Die geplanten Maßnahmen umfassen unter anderem 80 zusätzliche Studienplätze an der Universität Oldenburg ab dem Wintersemester 2026/2027 sowie je 50 zusätzliche Studienplätze an den Universitäten Göttingen, Hannover und Oldenburg. Es wird auch an einer Optimierung der Landarztquote gearbeitet, um die Auswahlverfahren zu verbessern. Ein Wissenschaftszentrum Allgemeinmedizin soll zusätzlich helfen, neue Versorgungsmodelle zu entwickeln. Weitere Strategien beinhalten die Nutzung von Digitalisierung und KI zur Entlastung des Personals von administrativen Aufgaben sowie innovative Arbeitsmodelle, die Homeoffice-Optionen für Ärzte beinhalten. Diese Ansätze könnten dazu beitragen, junge Ärzte zu gewinnen und die Situation in der hausärztlichen Versorgung zu verbessern.[2]
Die Herausforderungen, vor denen Niedersachsen steht, sind nicht nur lokal, sondern spiegeln ein bundesweites Problem wider. Die Entwicklungen in der hausärztlichen Versorgung sind von großer Bedeutung für die Gesundheit der Bevölkerung. Es bleibt abzuwarten, ob die umgesetzten Maßnahmen und der Aktionsplan der Landesregierung ausreichen werden, um die Versorgungssituation nachhaltig zu verbessern und den Bedürfnissen der Patienten gerecht zu werden. In der aktuellen Diskussion über den Ärztemangel sind innovative Ansätze und die Zusammenarbeit verschiedener Gesundheitsberufe entscheidend, um die medizinische Versorgung auch in Zukunft sicherzustellen.




