In Niedersachsen leben rund 120.000 geflüchtete Menschen aus der Ukraine, die nach dem russischen Angriff auf ihr Heimatland am 24. Februar 2022 Schutz gesucht haben. Eine von ihnen ist Nadiia Hrytsiv, die 2022 mit ihrer Mutter nach Deutschland floh. Beide leben nun in Peine und haben sich hier sicher gefühlt. Trotz der positiven Aspekte stehen sie jedoch vor großen Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf ihre berufliche Integration.
Nadiia hat in der Ukraine eine Ausbildung als Krankenschwester absolviert und ein Jahr Ergotherapie studiert. In Deutschland hat sie bereits mehrere Deutschkurse besucht, doch ihre Bemühungen um die B2-Sprachprüfung blieben bislang erfolglos. Sie hat sich auf etwa 15 Ausbildungsplätze im medizinischen Bereich beworben, jedoch erhielt sie aufgrund unzureichender Sprachkenntnisse nur Absagen. Diese Situation ist nicht ungewöhnlich: Fast 50% der geflüchteten Ukrainer in Deutschland arbeiten, viele jedoch in Teilzeit oder Minijobs. Laut aktuellen Berichten sind 41% der ukrainischen Geflüchteten mit einem Job auf zusätzliche Sozialleistungen angewiesen, was die prekäre Lage verdeutlicht.
Herausforderungen und Chancen für Geflüchtete
Nadiias Mutter, Mariia Hrytsiv, hat in der Ukraine als Erzieherin gearbeitet und ein Praktikum in einer Kita in Deutschland absolviert. Auch ihre Sprachkenntnisse reichen nicht aus, um eine feste Anstellung zu finden. Die Erwerbstätigenquote unter geflüchteten Ukrainern zeigt einen Aufwärtstrend, doch Hemmnisse wie mangelhafte Kinderbetreuungsangebote und bürokratische Hürden bei der Anerkennung von Abschlüssen erschweren den Zugang zum Arbeitsmarkt. Aktuelle Daten belegen, dass 61 Prozent der geflüchteten Frauen und Männer eine Berufsausbildung oder ein Studium in Deutschland anstreben, jedoch 73 Prozent mehr Informationen und Unterstützung beim Anerkennungsverfahren für ausländische Abschlüsse benötigen.
Die ukrainische Gemeinde in Hannover sendet weiterhin dringend benötigte Hilfe in die Heimat. Hannah Kikwitzki von Caritas international berichtete von großen Entbehrungen in Kiew und von abnehmenden Spenden für die Ukraine, was die Situation der Geflüchteten zusätzlich kompliziert. Der Integrationsprozess erfordert daher nicht nur individuelle Anstrengungen, sondern auch unterstützende Maßnahmen von Seiten der Gesellschaft und der Politik.
Perspektiven für die Zukunft
Die Mehrheit der ukrainischen Schüler wird in deutschen Regelklassen unterrichtet, doch nur 16 Prozent besuchen Spezialklassen, was auf eine unzureichende Leistungsadäquanz hinweist. Die Betreuungsquote für Kinder in Deutschland liegt bei 76 Prozent für drei- bis sechsjährige Kinder, ist jedoch für unter Dreijährige mit 23 Prozent deutlich geringer als der deutsche Durchschnitt. Dies stellt viele geflüchtete Mütter vor zusätzliche Herausforderungen, da sie oft Schwierigkeiten haben, eine geeignete Kinderbetreuung zu finden.
Trotz der Schwierigkeiten, mit denen Nadiia und Mariia konfrontiert sind, planen sie, in Deutschland zu bleiben und ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Rund 59 Prozent der geflüchteten Ukrainer aus der ersten Zuzugskohorte haben ähnliche Absichten. Die Erwerbsquote steigt zudem mit der Aufenthaltsdauer, was Hoffnung auf eine langfristige Integration gibt.
Die Herausforderungen, vor denen die ukrainischen Geflüchteten stehen, sind vielschichtig und erfordern ein gemeinsames Engagement von verschiedenen Akteuren. Es bleibt zu hoffen, dass durch mehr Unterstützung, sowohl in Form von Bildungsangeboten als auch in der beruflichen Integration, die Integration der Geflüchteten in die Gesellschaft gelingen kann. Für ein besseres Verständnis der Situation der ukrainischen Geflüchteten in Deutschland sind weitere Untersuchungen und Datenanalysen notwendig, um gezielte Maßnahmen zu entwickeln.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in den Berichten des BAMF und der Caritas hier sowie hier.




