In der malerischen Stadt Lüneburg hat sich ein ganz besonderes Chorprojekt etabliert: „Die Herbstzeitlosen“. Unter der Leitung von Leonie Burgemeister versammelt sich alle zwei Wochen ein bunter Haufen von Sängerinnen und Sängern, die gemeinsam bekannte Lieder aus den 50er- und 60er-Jahren zum Besten geben. Das Besondere an diesem Chor ist die Zielgruppe: Menschen mit und ohne Demenz. Das gemeinschaftliche Singen fördert Erinnerungen und Lebensfreude und schafft eine herzliche Atmosphäre, in der alle Teilnehmenden sich wohlfühlen können. Die Proben finden in der Musikschule Lüneburg, St.-Ursula-Straße 7, donnerstags von 11 bis 12 Uhr statt, und der nächste Chortermin steht bereits am 5. März bevor.

Die Teilnehmer sind eingeladen, ihre eigenen Liedwünsche einzubringen, was das Repertoire zusätzlich bereichert. Monika Damaschke und Brigitte Stoevesandt singen seit zwei Jahren im Chor und haben Angehörige, die an Alzheimer erkrankt sind. Das Singen wird durch Lockerungsübungen und Einsingen eingeleitet, was nicht nur das musikalische Erlebnis verbessert, sondern auch die sozialen Kontakte unter den Teilnehmenden fördert. Interessierte können sich direkt bei Leonie Burgemeister unter der Telefonnummer (01578) 401 15 89 oder per E-Mail an leonie.burgemeister@googlemail.com anmelden. Für mehr Informationen steht auch die Alzheimer Gesellschaft Lüneburg e.V. zur Verfügung.

Musik als Schlüssel zur Erinnerung

Musik hat eine bemerkenswerte Fähigkeit, Erinnerungen zu wecken und Emotionen anzusprechen, was besonders bei Menschen mit demenziellen Erkrankungen von Bedeutung ist. Laut der Alzheimer Gesellschaft Lüneburg e.V. soll das Projekt „Die Herbstzeitlosen“ nicht nur ein kulturelles Angebot schaffen, sondern auch das Thema Demenz in der Öffentlichkeit enttabuisieren. Durch das gemeinsame Singen wird die Teilhabe gefördert und soziale Isolation überwunden, was zu positiven Gefühlen und gesteigerter Lebensfreude führt. Regelmäßiges Musizieren kann dabei helfen, die Kreativität, das Gedächtnis, das Denkvermögen und die Motorik zu trainieren und zu verbessern.

Eine Studie der Universität Exeter aus dem Jahr 2024 zeigt, dass aktive Musiker im Alter bessere Gedächtnisleistungen aufweisen. Dies könnte auf die „kognitive Reserve“ hindeuten, die durch jahrelanges Musizieren aufgebaut wird. Ältere Musiker benötigen weniger starke Vernetzungen bestimmter Gehirnbereiche, um gesprochene Sätze trotz Störgeräuschen zu verstehen. Musik kann bei Menschen mit Demenz Erinnerungen an die Kindheit und Jugend wecken und emotionale Reaktionen hervorrufen. Diese positiven Effekte sind nicht nur für die Teilnehmenden von Bedeutung, sondern auch für die Angehörigen, die oft mit den Herausforderungen der Erkrankung konfrontiert sind.

Ein Blick in die Zukunft der Musiktherapie

Obwohl Musiktherapie in Deutschland noch um gesundheitspolitische Anerkennung kämpft, zeigen zahlreiche Studien deren Wirksamkeit. In Deutschland leben rund 1,84 Millionen Menschen mit Demenz, und der Bedarf an musiktherapeutischen Maßnahmen ist hoch. Der Europäische Musiktherapie-Kongress, der vom 23. bis 27. Juli 2025 in Hamburg stattfindet, wird sich mit musiktherapeutischen Ansätzen und internationaler Zusammenarbeit befassen. In Ländern wie Österreich und Großbritannien sind die Berufe der Musiktherapeuten bereits gesetzlich geschützt, während Deutschland in der strukturellen und finanziellen Umsetzung von Kreativtherapien hinterherhinkt.

Das Chorprojekt „Die Herbstzeitlosen“ ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie Musik Menschen zusammenbringen und Lebensqualität steigern kann. Es bietet nicht nur eine Plattform für musikalischen Ausdruck, sondern auch eine wertvolle Möglichkeit, das Bewusstsein für Demenz zu schärfen und die Lebensfreude aller Beteiligten zu fördern. Für weitere Informationen zur Teilnahme und zu den Angeboten der Alzheimer Gesellschaft Lüneburg e.V. kann man sich unter der Telefonnummer 04131-766656 melden.