Heute ist der 16.02.2026 und die Nachrichten aus Lüneburg sind alles andere als erfreulich. Der renommierte Hersteller Jungheinrich hat entschieden, die Produktion in Lüneburg bis zum 31. März 2027 einzustellen. Diese Entscheidung betrifft rund 160 Beschäftigte, die nun vor der Unsicherheit ihrer beruflichen Zukunft stehen. Die Schließung des Werks, das seit 1989 besteht, wurde bereits im Sommer 2023 in Aussicht gestellt und ist nun Realität geworden.

Die IG Metall, die die Interessen der Beschäftigten vertritt, hat in intensiven Verhandlungen einen Interessenausgleich sowie einen Sozialplan und einen Sozialtarifvertrag ausgehandelt. Diese Maßnahmen, die ein Volumen im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich umfassen, bieten den betroffenen Mitarbeitern Abfindungen und die Möglichkeit, in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Diese wird für neun Monate eingerichtet und zahlt 80 bis 87 Prozent des letzten Nettoentgelts. Zusätzlich erhalten Beschäftigte ein Qualifizierungs- und Coachingbudget von 5.000 Euro.

Hintergründe der Schließung

Der Arbeitskampf, der seit dem 20. November 2025 über 85 Tage dauerte, gilt als einer der längsten in Niedersachsen seit Jahrzehnten. Er führte letztlich zu einer Tarifeinigung, jedoch kritisiert die IG Metall die Schließung als wirtschaftlich falsch und strategisch fragwürdig. Die Produktion in Lüneburg war wirtschaftlich tragfähig, und das Unternehmen hatte sogar ein Zukunftskonzept des Betriebsrats vorliegen. Dennoch bleibt Jungheinrich bei seiner Entscheidung, was als Teil einer konzernstrategischen Neuausrichtung angesehen wird.

Besonders bedauerlich ist, dass die ursprünglich geplante Sicherung der Stellen in der Konstruktion und Verwaltung nun nur formal erhalten bleibt. Zwar bleiben 125 Stellen bestehen, doch die wertvolle industrielle Kompetenz und Wertschöpfung im Werk gehen verloren. Die IG Metall hat zudem Unmut über die Unterstützung der Lüneburger Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch geäußert, die sich öffentlich an die Seite des Arbeitgebers stellte, anstatt den Beschäftigten Rückendeckung zu geben.

Die finanzielle Situation von Jungheinrich

Im Geschäftsjahr 2024 konnte Jungheinrich einen Überschuss von 289 Millionen Euro erzielen, was einen Rückgang von 3,3 % im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Der Umsatz lag bei rund 5,4 Milliarden Euro, und das Unternehmen strebt bis 2030 einen Umsatz von 10 Milliarden Euro an. Trotz dieser finanziellen Stabilität sieht die IG Metall die Schließung des profitablen Werks als nicht nachvollziehbar an, da die Entscheidung nicht durch akute wirtschaftliche Zwänge getrieben war.

Die Schließung des Werks in Lüneburg wird als harter Einschnitt für die Region angesehen. Die IG Metall hat in ihrer Mitgliederversammlung beschlossen, den Arbeitskampf zu unterbrechen und eine zweite Urabstimmung einzuleiten. Die Unsicherheit bleibt für die Betroffenen groß, und die Frage, ob diese Entscheidung wirklich im Interesse der Beschäftigten und der Region war, bleibt offen.

Weitere Informationen zu den Entwicklungen rund um Jungheinrich finden Sie in den Artikeln von Produktion.de und Lüneburg Aktuell, sowie in der Mitteilung der IG Metall unter nieder-sachsen-anhalt.igmetall.de.