In den winterlichen Monaten ist der Garten oft ein wenig vernachlässigt. Doch während wir uns um unser eigenes Wohlbefinden kümmern, passiert im Verborgenen viel mehr, als wir denken. Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, an die kleinen Bewohner unserer Gärten zu denken: die Insekten. Der NABU appelliert an alle Gartenbesitzer, ihre Pflanzen erst bei stabilen Temperaturen von mindestens 10 Grad Celsius zurückzuschneiden. Der Grund? Viele Insekten überwintern in Pflanzenstängeln und unter Laub und benötigen diese Rückzugsorte, um die kalte Jahreszeit zu überstehen.
Klaus Bodenstein vom NABU Northeim hebt hervor, dass trockene Pflanzenteile im Garten und hohle Stängel von Pflanzen wie Brombeeren und Holunder essentiell sind. Sie bieten Schutz und Wärme für Bienenköniginnen, Larven und Puppen. Gartenbesitzer sollten also mit dem Aufräumen warten, um die kleinen, oft übersehenen Lebensräume nicht zu gefährden.
Das Überwintern der Insekten
Insekten haben eine bemerkenswerte Fähigkeit entwickelt, den Winter zu überstehen. Einige ziehen in wärmere Gebiete, während andere in ihrem Lebensraum bleiben. Beispielsweise überwintern Schmetterlinge in verschiedenen Entwicklungsstadien. Der Zitronenfalter kann sogar Temperaturen bis zu -20 °C trotzen, dank seiner natürlichen Frostschutzmittel. In Gärten suchen diese Falter geschützte Orte wie Efeublätter oder hohe Gräser auf, um den Winter zu überstehen. Die meisten Schmetterlinge überwintern als Raupe im Boden oder unter Baumrinde, während andere vor dem Winter Eier ablegen, wie der Apollofalter.
Auch die Hummeln haben ihre eigenen Strategien: Sie überwintern als neue Königinnen und suchen geschützte Orte auf. Solitärbienen hingegen überwintern in Kokons als Biene oder Bienenpuppe. Marienkäfer hingegen ziehen es vor, in Laubhaufen oder Mauerritzen Schutz zu suchen. Die Vielfalt der Überwinterungsstrategien zeigt, wie wichtig es ist, den Garten als Lebensraum zu erhalten und pfleglich zu behandeln.
Schutzmaßnahmen für Insekten
Um Insekten in der kalten Jahreszeit zu unterstützen, gibt es einige praktische Tipps. So sollten Gartenbesitzer darauf achten, die Blätter im Garten liegen zu lassen und auf chemische Gifte zu verzichten. Ein bedeckter Boden hilft ebenfalls, während offene Bodenstellen und Insektenhotels zusätzlichen Schutz bieten. Frühblüher im Garten zu pflanzen, ist eine einfache Möglichkeit, Hummeln im Frühjahr zu unterstützen und Nahrung zu bieten.
Eine weitere Herausforderung für Insekten sind die zunehmenden Verluste ihrer Lebensräume. Laut dem WWF sind in Deutschland seit 1989 fast 80 Prozent der Insekten verloren gegangen, vor allem durch Intensivlandwirtschaft und Flächenversiegelung. Umso wichtiger ist es, Gärten und Parks nicht nur nach ästhetischen Kriterien anzulegen, sondern auch als Lebensräume für viele Arten zu gestalten.
Insekten sind nicht nur für unser Ökosystem von zentraler Bedeutung, sie tragen auch zur Bestäubung von Pflanzen und damit zur Nahrungsproduktion bei. Daher ist es an der Zeit, die kleinen Bewohner unserer Gärten zu schätzen und ihnen ein sicheres Überwintern zu ermöglichen. Ein bisschen Geduld beim Aufräumen kann viel bewirken!





